Scheingeschäft mit Marihuana

Kauferinger Drogenhändler geht einem „noeP“ auf den Leim

Drogendealer Bielefeld Vater Sohn Bahnhof
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Scheingeschäft in Kaufering: Nachdem er einem „noeP“ auf den Leim gegangen war, muss ein 30-jähriger Drogenhändler jetzt ins Gefängnis. (Symbolbild)

Landsberg – Der schwunghafte Drogenhandel eines Kauferingers fand ein jähes Ende, als er einem falschen Kaufinteressenten auf den Leim ging – es handelte sich um einen sogenannten noeP, einen „nicht offen ermittelnden Polizeibeamten“. Bei einem Scheingeschäft auf einem Parkplatz in der Marktgemeinde klickten die Handschellen. Jetzt muss der 30-Jährige ins Gefängnis. Aber er bekommt auch die Chance, seinem Leben danach eine neue Richtung zu geben.

In insgesamt 39 Fällen hatte sich der Angeklagte zwischen April 2017 und Februar 2018 Marihuana, Amphetamin und Ecstasy auf Kommission besorgt und gewinnbringend weiterverkauft. Die Geschäfte fanden in Privatwohnungen und einer Spielothek statt. Dann jedoch ging einer der Zulieferer der Polizei ins Netz. Er nannte den Angeklagten als Hauptabnehmer – und erklärte sich bereit, dem Kauferinger gemeinsam mit den Beamten eine Falle zu stellen.

Im Januar 2018 machte der Zulieferer den Angeklagten in einer Kauferinger Spielothek mit dem noeP bekannt. Er stellte ihn als „alten Schulkameraden“ vor – und als Kaufinteressenten für Marihuana. Der Angeklagte verhielt sich zunächst abweisend, wie einer der ermittelnden Polizeibeamten vor dem Schöffengericht Landsberg berichtete. Doch noch am selben Abend fand man sich gemeinsam vor der Wohnung des Kauferingers wieder. Der wollte das Geschäft in seinem Keller abwickeln, worauf der noeP aber nicht einging. Von seinem Führungsbeamten war ihm aus Sicherheitsgründen untersagt worden, das Anwesen des 30-Jährigen zu betreten. Dieser hatte nämlich gedroht, wenn etwas schiefgehe bei dem Deal, werde er seinen „großen Bruder“ holen.

Bei einem erneuten Anlauf ein paar Tage später änderte der Angeklagte mehrmals den Treffpunkt. Schließlich kam es aber zu einer Zusammenkunft im Auto des Zulieferers, wo sich der noeP für seine Zurückhaltung entschuldigte. „Paranoia ist schlecht fürs Geschäft“, erwiderte der Angeklagte – und legte dem noeP zwei Päckchen mit 100 Gramm Marihuana in den Rucksack.

In die Wiege gelegt

Vor Gericht äußerte sich der 30-Jährige nicht zu den Vorwürfen aus der Anklageschrift. Einblick in seinen Lebenslauf gab Dr. Norbert Ormanns, Ärztlicher Direktor der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Kaufbeuren. Er hatte den Angeklagten begutachtet. Aus seinen Worten wurde deutlich: Dem 30-Jährigen war eine problematische Zukunft buchstäblich in die Wiege gelegt.

Schwierige familiäre Verhältnisse, ein alkoholkranker und gewalttätiger Vater sowie eine ADHS-Störung ließen ihn schon im Kindergarten auffällig werden. Der Vater starb an einem Herzinfarkt, als der Sohn sechs Jahre alt war. Der kam wegen Konzentrationsstörungen in die Förderschule und von dort ins Kinderheim. Schon damals beging er erste Diebstähle und fiel durch aggressives Verhalten auf. Mit acht Jahren fing der Kauferinger an zu rauchen, mit neun trank er Alkohol, mit 13 nahm er regelmäßig Drogen. Die Schule brach er nach der 8. Klasse ab, eine Berufsausbildung hat er nicht. Mit 27 Jahren erlitt er einen Herzinfarkt.

Nun will der 30-jährige Vater dreier leiblicher Kinder, der aktuell als Hausmann seine Tochter und drei Stiefkinder betreut, eine Therapie machen. Dass er sich damit auf keinen leichten Weg begibt, machte Ormanns deutlich. Eine Therapie in der forensischen Psychiatrie sei „stressiger und anstrengender als die JVA“. In den ersten Monaten findet sie unter geschlossenen Bedingungen statt, erst im Laufe der Zeit sind Lockerungen möglich. Nebenbei gibt es die Möglichkeit, schulische Qualifikationen nachzuholen.

Haft und Entzug

Das Schöffengericht unter Michael Eberle verurteilte den Kauferinger zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Im Gefängnis sitzt er aber nur das erste halbe Jahr – danach erfolgt die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, wo er die zweijährige Drogentherapie machen kann. Wenn dort alles gut geht, hat der 30-Jährige die Chance, dass der Strafrest zur Bewährung ausgesetzt wird.
Ulrike Osman

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