Dem Tod von der Schippe gesprungen

Kauferinger Gastwirt erkrankte schwer an Covid-19 - sein Weg zur Genesung

+
Andrea Filosa (links) hat eine schwere Covid-19-Erkrankung überlebt. In der Zeit führten Schwiegersohn Antonio Lumare und Tochter Luisa Filosa sein Restaurant weiter. Schwager Antonio di Carlo (rechts) übernahm die Kommunikation mit den Ärzten im Klinikum Landsberg.

Kaufering – Der 2. April ist der Tag, an dem Andrea Filosa „neu geboren wurde“, wie der Kauferinger sagt. Und zwar im Klinikum Landsberg. Der 63-Jährige war schwer an Covid-19 erkrankt – er selbst und seine ganze Familie bangten um sein Leben. „Es war sehr knapp“, berichtet er.

Heute, vier Monate später, sitzt der Restaurant-Inhaber gesund und munter in seiner „Piazetta Romana“ in Kaufering und denkt an die Zeit zurück, als er im Klinikum behandelt und sogar mehrere Tage lang auf der Intensivstation beatmet werden musste. „Ich bin einfach unglaublich dankbar für den großen Einsatz und die Freundlichkeit aller Ärzte und Pflegekräfte, die im Landsberger Klinikum mein Leben gerettet haben. Sie haben mir menschlich und medizinisch so sehr geholfen, mir neue Kraft gegeben.“

Um etwas zurückzugeben, hat Filosa jetzt jedem Mitarbeiter der Intensivstation einen Gutschein für ein Mahl zu zweit in seinem Restaurant geschenkt – eine Wertschätzung, über die sich das Ärzte- und Pflegekraftteam sehr freut. „Das ist das Mindeste, was ich tun kann – es ist noch viel zu wenig“, sagt der 63-Jährige.

Seit elf Jahren ist er Restaurant-Inhaber, seit 1982 selbstständiger Gastronom. Außer einem „bisschen hohen Blutdruck“ sei gesundheitlich immer alles gut gewesen, also keine weiteren Vorerkrankungen, bestätigt auch sein Schwager Antonio di Carlo.

Aber dann kam Filosa am 9. März zusammen mit einer Reisegruppe aus Thailand zurück und spürte die ersten Symptome. „Ich hatte Husten und dachte, das ist nicht so schlimm. Covid-19 hatte da noch keiner auf dem Schirm, vor allem, weil die anderen aus der Gruppe ja nichts hatten.“ Zuhause zeigten sich aber weitere Grippesymptome. Atemprobleme und Fieber folgten.

Beatmung notwendig

Am 24. März erkannte ein Arzt aus Augsburg (übrigens der Mannschaftsarzt des Fußballvereins FCA): Andrea Filosa zeigt deutliche Covid-19-Symptome. Der Arzt machte sofort einen Test, der positiv ausfiel. „Und dann musste es schnell gehen. Ohne die Erkenntnis dieses Arztes wäre ich wohl daheim gestorben“, sagt Filosa. Mit dem Krankenwagen ging es ins Landsberger Klinikum, der 63-Jährige hatte eine schwere Lungenentzündung, sehr schlechte Sauerstoffwerte, Fieber und starken Husten.

„Gleich am nächsten Tag ging es von der Infektstation auf die Intensivstation und sie haben ihn intubiert“, berichtet sein Schwager di Carlo. Er übernahm stellvertretend für die ganze Familie die Telefonate mit den Ärzten: „Es war eine schwierige Situation, wir durften Andrea ja nicht besuchen und er lag zehn Tage lang auf der Intensivstation. Alle im Klinikum hatten sicher alle Hände voll zu tun – und trotzdem haben sie sich immer viel Zeit für meine Fragen genommen und mich bestens informiert.“

Gerade die ersten beiden Tage seien dramatisch gewesen: Es war nicht klar, ob Filosa überleben würde. „Aber selbst da haben die Ärzte uns Hoffnung und einen tiefen Einblick in die Therapie gegeben“, so di Carlo. „Wir hatten zu jeder Zeit das Gefühl, dass sie das gut im Griff haben.“

Es geht aufwärts

Filosa selbst, der insgesamt sieben Tage an der Beatmungsmaschine angeschlossen war, hat in den ersten Tagen nichts davon mitbekommen, wie er erzählt. Ab dem dritten Tag ging es dann aber ganz langsam bergauf_ die Therapie zeigte Wirkung, die Werte wurden minimal besser. „Irgendwann konnten wir dann sogar wieder telefonieren, und Andrea durfte auf die Normalstation“, erinnert sich sein Schwager. Die ganze Familie war überglücklich: Filosa war über den Berg, konnte sich Stück für Stück erholen. Er selbst denkt heute vor allem an die medizinischen Kräfte, die Tag und Nacht für ihn da waren: „Sie haben mir so viel gegeben, mich immer freundlich angelächelt, wirkten nie genervt“, sagt der dreifache Familienvater.

Fast wieder gesund

Heute geht es Andrea Filosa im Großen und Ganzen wieder gut. Eine leichte Entzündung in der Lunge ist noch geblieben, die langsam abheilen muss. Aber das Schlimmste ist längst überstanden.

Nach alldem sei es ihm ein großes Bedürfnis gewesen, sich bei den rund 25 Mitarbeitern der Intensivstation zu bedanken – und auch bei seinen erwachsenen Kindern, die in der gesamten Zeit das Restaurant alleine gestemmt haben.

Der 63-Jährige Kauferinger kann die nicht verstehen, die das Coronavirus als „gar nicht so schlimm“ abtun: „Es war die Hölle! Und nicht zu vergleichen mit einer normalen Grippe.“ Ab sofort, sagt Filosa, feiere er jedes Jahr am 2. April seinen zusätzlichen Geburtstag. An dem Tag, an dem er als gesunder Mann aus dem Klinikum entlassen wurde.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gefälligkeitsatteste: Kripo ermittelt gegen Kauferinger Arzt
Gefälligkeitsatteste: Kripo ermittelt gegen Kauferinger Arzt
Christkindlmarkt Landsberg: noch keine Absage
Christkindlmarkt Landsberg: noch keine Absage
Landkreis Landsberg: 50-Jähriger für Besitz von 5.000 Kinderporno-Dateien verurteilt
Landkreis Landsberg: 50-Jähriger für Besitz von 5.000 Kinderporno-Dateien verurteilt
Rolf Miller sorgt beim Landsberger Publikum für einen Angriff auf die Lachmuskeln
Rolf Miller sorgt beim Landsberger Publikum für einen Angriff auf die Lachmuskeln

Kommentare