Kauferinger Kulturzelt

Nach Schlachtschüssel kommt Kultur

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Kultur mit ganz besonderem Charme im Bierzelt: Bürgermeister Erich Püttner (Mitte) und Veranstalter Bernhard Schloemer (links) präsentieren im Kulturzelt das Musikkabarett „Die Couplet-AG“ und „LaBrassBanda“, hier durch Stefan Dettl (rechts) vertreten.

Kaufering – „Im Bierzelt kann alles passieren.“ Stefan Dettl von LaBrassBanda spricht aus Erfahrung: Die Band ist gerade auf „Bierzelttour“. Und weil das nicht nur er so sieht, wird auch heuer das Bierzelt in Kaufering nach dem Volksfest zum Kulturzelt. Die Gäste: Die Couplet-AG mit ihren musikkabarettistischen Spezialitäten und die sieben Musiker von LaBrassBanda samt zwei weiteren Bands. „Damit toppen wir das Angebot von letztem Jahr“, freuen sich Veranstalter Bernhard Schloemer von BusinessEvents&Entertainment und Kauferings Bürgermeister Erich Püttner. „Mit dem Kulturzelt können wir Künstler anlocken, die Kaufering bisher noch nicht entdeckt haben.“ Und wenn es dieses Jahr gut funktioniere, dann könne man ja nächstes Jahr vielleicht drei Tage…

„Die kulturelle Verlängerung des Volksfestes“ nennt Püttner das Kulturzelt: Schlachtschüssel am Sonntagabend, ab Montagabend Kultur. Schon bei der Premiere letztes Jahr war die Stimmung klasse: „Da haben alle auf den Tischen getanzt, sogar die Alten“, schwärmt der Bürgermeister. Und auch die Spider Murphy Gang habe von dem Auftrittsort geschwärmt. „Dagegen hat die Sporthalle einfach keinen Charme.“ Ein Bierzeltauftritt sei eben persönlicher, weiß Dettl, „da bringt schon mal die Oma den Guglhupf vorbei.“ Der Markt Kaufering stelle mit dem Zelt einen spannenden Platz zur Verfügung, bestätigt Schloemer. Und Zeltwirt Jochen Mörz sei flexibel genug, sowohl Volks- als auch Kulturfest zu beherbergen.

Die Couplet-ArterhaltungsGesellschaft, kurz Couplet-AG wird ihr brandneues Programm „Wir kommen!“ zeigen – keine einzelnen Sketche, sondern ein Stück, ähnlich dem Singspiel, wie man es vom Nockherberg kennt. Die vierköpfige Mannschaft um Jürgen Kirner ist eine der erfolgreichsten bayerischen Musikkabarettgruppen, ausgezeichnet mit Bayerischem Kabarettpreis und Poetentaler. Seit 1991 verbreitet sie in unterschiedlicher Besetzung ihr musikalisches und schauspielerisches Können in Couplet-Form. Opfer ihres bitterbösen, zynischen Humors werden dabei sowohl „hohe Tiere“ als auch der „kleine Spießer“.

LaBrassBanda nennt ihr aktuelles Album nach „Übersee“ und „Europa“ logisch konsequent „Around the World“, und das wird im Kulturzelt auch hauptsächlich zu hören sein– bayerischer Volksmusik-Punk-Jazz-Ska-Techno. Oder so. Als Vorband steht das Trio „Folkshilfe“ aus Österreich auf der Bühne: Gitarre, Schlagzeug, Steirische und dreistimmiger Gesang. Und als Art „Appetizer“ tritt „Cheerio Joe“ aus Fürstenfeldbruck mit Rock n Folk auf. Was die Sperrstunde angeht, ist Püttner gelassen: „Ich bin auch Ortspolizist und kann die verlängern.“ Das Papier dafür habe er immer schon in der Jackentasche. Der Eintritt für die Couplet-AG am 4. September kostet 15 Euro, für LaBrassBanda samt Vorbands am 5. September 29 Euro, beides Mal zuzüglich VVK. Schloemer warnt: „Natürlich gibt’s noch Karten, aber so wie es aussieht, bekommen wir am zweiten Tag die 2000 voll.“ Karten für die Veranstaltung gibt‘s auch beim KREISBOTEN Landsberg, Rossmarkt 195.

LaBrassBanda feiert 2017 ihr Zehnjähriges, den einmillionsten Zuschauer haben sie schon begrüßt. Als sie noch die Vorband waren, damals bei Attwenger, gab es ihre Art Musik nicht. Und in Deutschland fand man die Band „viel zu plakativ mit diesen Lederhosen“, erzählt Dettl. Zum ersten großen Konzert ging’s „mit dem Passat Kombi, einer Brotzeit und was zum Schlafen“ ins Ausland. Schließlich leckte man auch hier Lunte. Und die Band wurde Vorreiter für eine neue bayerische Musikszene. Trotz Erfolg bleiben die Musiker geerdet. Spielen weiterhin konsequent barfuß – gelebter Minimalismus –, weshalb bei Auftritten immer eine Pinzette zum Spreißl-Rausziehen dabei ist.

Dass als „Vor-Vorband“ in Kaufering eine Gruppe aus der Umgebung mitspielt, ist für LaBrassBanda wichtig: Sie wissen, wie schwierig es für unbekannte Bands am Anfang ist. Mit dem Kulturmagazin „Muh“, dessen Herausgeber Dettl ist, und dem von ihm gegründeten „Radio Buh“ (Dettl: „Jeder DJ darf seine Musik spielen, einzige Auflage ist ein klassisches Stück.“) soll Regionales unterstützt werden. In Landsberg sorge auch Edmund Epple vom „Discy“ dafür, dass auch Newcomer zu hören seien. „Nicht umsonst hat er einen der besten Plattenläden in ganz Bayern“, lobt der Musiker. Regionales unterstützten – und deshalb könne man beim Kulturzelt doch noch einen dritten Tag für Bands aus der Umgebung dranhängen?

Püttner und Schloemer steigen sofort darauf ein. „Man könnte einen Wettbewerb machen, um die Bands für den dritten Tag zu finden,“ schlägt der Bürgermeister vor, „mit Stefan in der Jury.“ Der nickt. Das wäre schon was, meint auch Schloemer. Eine kleine Gage sei für die Bands dann sicher auch drin, „genügend mögliche Sponsoren gibt es ja in der Umgebung“. Auf Nachfrage, ob das denn auch so in der Zeitung stehen dürfe, nicken Schloemer und Püttner. „Das ist zwar jetzt erst eine Idee, aber wir denken ernsthaft drüber nach. Versprochen.“

Susanne Greiner

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