Im Zeichen der Versöhnung

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Bei der zentralen Gedenkfeier 2013 im Bunker der Welfenkaserne übergab Uri Chanoch seine Häftlingsjacke an die dortige Sammlung. Hier mit seiner Tocher Fridi und Oberst Klaus Schuster von der Bundeswehr in Landsberg.

Kaufering/Landsberg – Der KZ-Überlebende und Vorsitzende der Vereinigung der Überlebenden der KZ-Außenlager Dachau, Uri Chanoch, verstarb gestern Abend in Israel im Alter von 87 Jahren. Ein dreiviertel Jahr war Chanoch im ehemaligen Außenlagerkomplex Landsberg/Kaufering inhaftiert. Er war Mitglied im Stiftungsrat und als Zeitzeuge seit den 1990er Jahren viele Male in Deutschland – auch in Landsberg –, um seine Erlebnisse weiterzureichen.

„Wir trauern um eine große Persönlichkeit und einen engagierten Freund und Förderer der deutsch-israelitischen Beziehungen. Uri Chanoch hat die Arbeit der bayerischen KZ-Gedenkstätten über viele Jahre nachhaltigst mitgeprägt. Sein persönlicher Einsatz als Zeitzeuge bis ins hohe Alter war von unschätzbarem Wert für die Gedenkarbeit in Bayern“, so Stiftungsdirektor Karl Freller. 

Auch für die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Dr. Gabriele Hammermann, ist der Tod von Uri Chanoch ein schwerer Verlust: „Uri Chanoch war ein langjähriger Wegbegleiter der Gedenkstättenarbeit in Dachau und ein Freund. Insbesondere die Erinnerung an die Außenlager, Jugendbegegnungen und die Versöhnung lagen ihm am Herzen.“ Uri Chanoch wurde 1923 in Kovno (Litauen) geboren. Im August 1941 zwangen die Nazis seine Familie, in das dortige Ghetto zu ziehen. Nach der Liquidation des Ghettos im Juli 1944 wurde die Familie nach Deutschland deportiert und im KZ Stutthof getrennt. 

Uri Chanoch, sein Bruder und sein Vater kamen nach Landsberg/ Kaufering, seine Mutter und seine Schwester verblieben in Stutthof – er sah die beiden nie wieder. Später wurden sein Bruder Dani und sein Vater nach Auschwitz transportiert, wo sein Vater mit 55 Jahren vergast wurde. Uri Chanoch selbst verblieb in Kaufering, bis man ihn im April 1945 mit dem „Evakuierungszug“ nach Dachau schickte. Der Zug wurde bombardiert und Uri konnte fliehen und sich verstecken, bis er kurz darauf von den Amerikanern befreit wurde. Im Jahr 1946 kamen Uri und sein Bruder Dani, der Auschwitz überlebt hatte, schließlich illegal auf dem Schiff „Wedgwood“ nach Israel. Dort wurde er Offizier der Israel Defense Forces. 

2013 fand die zentrale Gedenkfeier des Landtags und der Stiftung Bayerische Gedenkstätten im ehemaligen KZ-Außenlager Landsberg/Kaufering – im Bunker der Landsberger Welfenkaserne – statt. Dort war Uri Chanoch über ein dreiviertel Jahr inhaftiert und musste schwerste körperliche Arbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen verrichten. Bei der Gedenkfeier übergab er seine Sträflingsjacke als Dauerleihgabe der dortigen Ausstellung.

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