Wohnen auf 22 Quadratmetern

Kaufering baut Mikrowohnungen - für kleines Geld?

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Die beiden geplanten L-förmigen Häuser in der Kauferinger Bahnhofstraße mit 60 Apartments sollen nach Südwesten ausgerichtet werden.

Kaufering – In der Marktgemeinde herrscht Wohnungsknappheit. Da scheint sich auch bei potentiellen Investoren und Bauträgern herum gesprochen zu haben. In der jüngsten Marktgemeinderatssitzung stellte ein Bauträger ein Projekt vor, das inzwischen recht weit gediehen scheint. Die „Inventus.blue“ will in der Bahnhofstraße 60 Mikrowohnungen in zwei L-förmig angeordneten Häusern bauen. „Micro-Living“ heißt diese neue Wohnform im Fachjargon der Immobilienwirtschaft – ein Begriff, der in Kaufering noch nicht sehr bekannt ist.

Die Grundstücke in der Bahnhofstraße 19/21 direkt neben dem Bahnhof seien gekauft, sagte Geschäftsführer Peter Kerler. „Die Auflassung ist beim Grundbuchamt eingetragen“. Zuletzt fehlte nur noch das gemeindliche Einvernehmen auf dem Bauantrag, das nach kurzer Diskus­sion bei nur zwei Gegenstimmen erteilt wurde. Auch im Bauausschuss hatte das Projekt bereits grünes Licht erhalten.

Der Bauträger rechnet noch in diesem Jahr mit der Baugenehmigung. Somit könnten bereits im Frühjahr die Bagger anrollen. Die Fertigstellung plant „Inventus.blue“ für den Sommer 2019. Vorgesehen ist eine große Tiergarage mit 50 Stellplätzen. Dazu kommen 120 Fahrradstellplätze, sowohl ebenerdig als auch in der Tiefgarage. Durch die L-förmigen Anordnung der beiden Gebäude soll ein großer gestalteter Innenhof entstehen.

Optisch größer

Groß sind die einzelnen Apartments mit ihren 22 Quadratmetern, die möbliert vermietet werden, nicht. Peter Kerler betonte, durch fließend ineinander übergehende Raumzonen entstehe ein Gefühl von Größe, der durch den Einsatz von Materialien, Licht und moderner Technik verstärkt werde. Dadurch würde aus den Apartments mehr als nur ein möbliertes Zimmer.

Die Kaltmiete soll nach Auskunft des Bauträgers 450 Euro betragen; dazu kommen die Nebenkosten und eventuell die Miete für einen Stellplatz in der Tiefgarage.

Das Wohnangebot zielt auf Studenten, Pendler, Auszubildende oder Gäste von Firmen, die temporär untergebracht werden müssen. Auch für die örtliche Jugend seien die Mikrowohnungen interessant. Viele Jugendliche bevorzugen die Nähe zum Elternhaus, hätten aber Schwierigkeiten in der Nähe überhaupt Wohnraum zu finden.

Für den Bauträger ist Kaufering wegen seines hervorragenden Bahnangebotes ein idealer Standort, sagt Peter Kerler.

Gestalterischer Umbruch

Bedenken, ob die Wohnanlage in die von Einfamilienhäusern geprägte Umgebung passen, äußerte Dr. Thomas Harbich (CSU). Baurechtlich sei aber alles in Ordnung, antwortete Bürgermeister Erich Püttner. Marktgemeinderat Manfred Nieß forderte die Verwaltung auf, möglichst schnell mit den unmittelbaren Anwohnern in der Bahnhofsstraße zu sprechen, da sich durch die 60 Mikrowohnungen das soziale Umfeld ändern werden. „Die Bürger müssen beteiligt werden“, forderte Nieß.

Ob der Bauträger die Wohnanlage komplett selbst vermarktet und verwaltet oder ob ­Apartments auch käuflich erworben werden können, ist noch offen.

Siegfried Spörer

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