Amtsgericht Landsberg

Kauferinger Nikolaus mit falschem Attest

Maske mit Nikolausmütze
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Mit Nikolausmütze, aber ohne Maske war ein Kauferinger in der Landsberger Altstadt unterwegs. Zudem zeigte er den Polizisten ein offenbar falsches Attest und filmt sie. Jetzt war er vor Gericht.
  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Landkreis/Kaufering – Mit einer Nikolausmütze auf dem Kopf und einer Lichterkette um den Hals lief ein 54-Jähriger im letzten Oktober betend und singend durch die Landsberger Innenstadt. Weil er das ohne Mund-Nasen-Bedeckung tat, wurde er von der Polizei aufgehalten. Den Beamten zeigte der Kauferinger daraufhin ein falsches Attest, demzufolge er aus gesundheitlichen Gründen von der Maskenpflicht befreit sei. Das brachte ihn nun vor das Amtsgericht Landsberg.

Der Vorfall hatte sich in Sichtweite der Anklagebank abgespielt - in der Lechstraße zwischen Gerichtsgebäude, Stadtbibliothek und Ignaz-Kögler-Gymnasium. Einer Polizeistreife fielen damals zuerst einige umgeworfene Mülltonnen und dann der Angeklagte auf, der sich nach eigener Aussage auf einem „Friedensspaziergang“ befand, den er live ins Internet streamte. Von den Beamten auf die Mülltonnen angesprochen, erklärte der 54-Jährige, er habe ein paar Jugendliche wegrennen sehen. Zu seiner fehlenden Mund-Nasen-Bedeckung erklärte er, er ziehe keine Maske auf, „auch nicht vor der Polizei“.

Er präsentierte den Beamten ein Gesundheitszeugnis von einem Kauferinger Arzt, der im Verdacht steht, Gefälligkeitsatteste im großen Stil ausgestellt zu haben. Tatsächlich war auch der 54-Jährige nie in dessen Praxis gewesen. Vielmehr habe er dem Arzt im Mai bei einem Treffen in seinem Garten seine Krankheitsgeschichte geschildert. Aufgrund eines Unfalls in der Kindheit leide er an Leber- und Lungenrissen und bekomme unter der Maske massive Atemprobleme und Panik, so der Angeklagte. Der Arzt habe ihm „davon abgeraten“, eine Maske zu tragen. Weder für die angebliche Untersuchung noch für die Diagnose existierte eine Rechnung.

„Ich wollte damals noch kein Attest“, berichtete der Lagerist vor Gericht. Erst als er im September wegen der fehlenden Mund-Nasen-Bedeckung aus einem Supermarkt flog, ließ er sich das Gesundheitszeugnis zuschicken und zahlte dafür 17 Euro. Dass das Geld nicht an das Konto der Arztpraxis, sondern an eine dort arbeitende Gesundheitsberaterin ging und das Attest auch von dieser unterschrieben worden war, fiel ihm angeblich nicht auf. Er kenne die internen Abläufe der Praxis nicht, so der 54-Jährige.

Neben dem Gebrauch eines unrichtigen Gesundheitszeugnisses wurden dem Angeklagten zwei weitere Straftaten vorgeworfen: Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes und Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz. Beides bezog sich auf die Handyaufnahmen von jenem Tag und deren Veröffentlichung im Internet. Seinen Livestream hatte der Vater dreier Kinder nämlich nicht unterbrochen, obwohl die Beamten ihn zweimal dazu aufforderten. Einige Tage später veröffentlichte er das Video auf YouTube – mit Kommentaren, die zumindest die Beamten als spöttisch und verächtlich empfanden. Auch den Strafbefehl, den er später erhielt, stellte der 54-Jährige ins Internet. Insofern konnte das Gericht ihm seine angebliche Friedfertigkeit nicht ganz glauben. „Sie wollten provozieren“, stellte Richterin Katrin Prechtel fest.

Der Kauferinger sah alle drei Anklagepunkte nicht ein. „Ich habe nichts falsch gemacht.“ Nun, da er höre, dass gegen den Arzt ein Ermittlungsverfahren wegen über 4.500 falscher Gesundheitszeugnisse laufe, finde er das auch „befremdlich“. Ein Chatverlauf mit dem Arzt und der vom Angeklagten selbst aufgezeichnete Dialog mit den Polizisten legten andere Schlussfolgerungen nahe. „Wer gibt mir denn sonst ein Maskenattest“, antwortete er etwa auf die Frage, ob das Attest von dem besagten Kauferinger Arzt stamme.

Richterin Prechtel verurteilte den nicht vorbestraften 54-Jährigen zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 50 Euro und bestätigte damit den Strafbefehl, gegen den der Angeklagte Einspruch eingelegt hatte. Er selbst hatte Freispruch beantragt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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