Amtsgericht Landsberg:

Amphetamin zwischen freilaufenden Hasen: Kauferinger Pärchen verurteilt

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100 Gramm Amphetamin fanden die ermittelnden Beamten in der Wohnung des Verurteilten – unter dem Wohnzimmertisch.

Kaufering – Ein Whatsapp-Chat brachte die Polizei auf die Spur eines Dealers aus Kaufering – eine Kundin hatte seinen Spitznamen in einer Nachricht erwähnt. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung stießen die Beamten dann auch tatsächlich auf Rauschgift. Dafür musste sich jetzt nicht nur der 34-Jährige vor Gericht verantworten, sondern auch seine Freundin, denn sie war offiziell die Mieterin der Wohnung.

Die 27-Jährige sei aber immer dagegen gewesen, dass er mit Drogen zu tun hatte, beteuerte der Mann vor Strafrichter Michael Eberle. Noch am Abend vor der Durchsuchung habe man deswegen „ein Stündchen gestritten“. Dann sei er mit seiner Playstation zu einem Freund gegangen. Das Rauschgift, um das es ging, wollte er in den Müll geworfen haben – allerdings nicht wegen der Vorwürfe seiner Freundin, sondern weil es von schlechter Qualität gewesen sei. Das Amphetamin – ein Brocken von über 100 Gramm – habe „echt komisch“ ausgesehen und auch „komisch gerochen“. Er habe nach dem Konsum unter Kopfschmerzen, Übelkeit und Magenproblemen gelitten - und deshalb nicht vorgehabt, etwas davon zu verkaufen.

Freilaufende Hasen

Der ermittelnde Polizeibeamte bestritt allerdings, dass die Droge im Müll lag. Vielmehr fand er sie in einer Plastikbox unter dem Wohnzimmertisch. Unter der Couch tauchten Druckverschlusstüten und Gummihandschuhe auf. Im übrigen sei die gesamte Wohnung „ziemlich vermüllt“ gewesen. Ein paar freilaufende Hasen mussten in Sicherheit gebracht werden, bevor der Drogensuchhund in Aktion treten konnte.

Der Angeklagte hat nach eigener Aussage schon in seiner Jugend Rauschgift konsumiert, will jetzt aber damit abgeschlossen haben. Seit einem Umzug im Januar lebe er „unter erwachsenen Menschen, die komplett gegen Drogen sind.“ Zu den „Kauferinger Konsorten“ habe er keinen Kontakt mehr. Diesem radikalen Bruch verdankt er wohl auch, dass die Beziehung zu seiner Freundin immer noch besteht. „Wenn ich nicht aufgehört hätte, wären wir heute nicht mehr zusammen.“

Auch die 27-jährige hat eine Drogenvergangenheit. Sie habe „Chemie“ konsumiert, seit sie zwölf oder 13 war, sagte die Thekenkraft aus. Mit Hilfe einer Therapie und der Unterstützung ihrer Familie sei sie vor einem Jahr davon losgekommen. Dass die Frau bei den Drogengeschäften ihres Freundes eine komplett passive beziehungsweise ablehnende Rolle gespielt habe, glaubte das Gericht aber nicht. Zwar habe sie keine „Tatherrschaft“ gehabt, wie Staatsanwalt Daniel Kulawig formulierte. „Aber sie hat mitgeholfen, dass es zu Verkäufen kam.“ Und sie habe gewusst, dass sich Drogen in der Wohnung befanden.

Um eine Verurteilung wegen gemeinschaftlichen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln kam die 27-Jährige deshalb nicht herum. Allerdings verließ sie die Verhandlung nicht mit der vom Anklagevertreter geforderten sechsmonatigen Bewährungsstrafe, sondern mit einer Geldstrafe, wie es Verteidigerin Silke Ackermann beantragt hatte.

„Er hat sein Ding gemacht, und Sie haben es geschehen lassen“, sagte Richter Michael Eberle in der Urteilsbegründung zu der Angeklagten. 4.900 Euro (140 Tagessätze à 35 Euro) muss die Frau zahlen – sie akzeptierte die Strafe noch im Gerichtssaal.

Keine positive Prognose

Für ihren vielfach vorbestraften Freund ging es nicht so glimpflich ab, obwohl Eberle es „mit allen Augen zugedrückt“ bei einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln beließ. Bewährung – wie von Verteidiger Patrick Freutsmidl gefordert – gab es nicht. „Bloß eine Freundin zu haben, die wieder auf einem guten Weg ist, reicht nicht für eine positive Sozialprognose“, befand Eberle.

Dem Angeklagten steht noch eine weitere Verhandlung bevor. In die dann erwartete Strafe wird die jetzige Verurteilung mit einbezogen. Solche Gesamtstrafen sind meist niedriger als addierte Einzelstrafen – hinter Gitter wird der 34-Jährige aber gehen müssen. Einen guten Eindruck würde es machen, wenn er bis zur nächsten Verhandlung seine Sozialstunden aus einer früheren Verurteilung abgeleistet hätte, gab Eberle dem Mann mit auf den Weg.

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