Windstrom aus dem Westerholz

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Sorgten für positive Resonanz bei der Bürgerversammlung zum Thema Windenergie: Matthias Simon vom Bayerischen Gemeindetag, Ingenieur und Projektant Robert Sing, Gastredner Dr. Franz Alt, Thomas Tronsberg vom Ingenieurbüro Sing und Bürgermeister Erich Püttner (v. links).

Kaufering – Nur eine Besucherin war skeptisch und sprach von „Gehirnwäsche“. Aber nahezu alle anderen 300 Gäste der Informationsveranstaltung „Windenergie in Kaufering“ zeigten sich Bürgermeister Erich Püttner gegenüber dankbar, dass die Bürger gleich zu Beginn eines langen Prozesses mit einbezogen werden. Vorher musste Püttner das Missverständnis aufklären, dass hier seitens des Marktgemeinderates noch keinerlei Entscheidung getroffen wurde. Es gab lediglich einen Grundsatzbeschluss, sich eingehend mit dem Thema Wind­energie zu beschäftigen und alle Argumente genau zu prüfen und abzuwägen.

Dazu gehöre auch die umfassende Information der Bürger ab „Step 1“, wie sich Püttner ausdrückte. Auch er müsse sich langsam an die „Stangerl in der Natur“ gewöhnen und habe sich ausführlich über den Windpark in Fuchstal informiert. Einen derartig positiven Verlauf wie dort könne er sich auch für Kaufering vorstellen.

Mit „Gehirnwäsche“ war wohl der Vortrag von Gastredner Dr. Franz Alt gemeint, der ein eindringliches Plädoyer für den rascheren Ausbau der erneuerbaren Energie hielt. Durch den Atomausstieg und das baldige sichere Ende der fossilen Energieressourcen wie Erdöl, Erdgas oder Kohle blieben für das Überleben der Menschheit nur die erneuerbaren Energien. Alt weiß, wovon er spricht. Der langjährige Moderator des ARD-Politmagazins „Report“ hat zu den Themen Klimawandel und -politik, Treibhauseffekt und Erneuerbare Energien ein Dutzend Bücher geschrieben, die Millionen-Auflagen erreichten und in zwölf Sprachen übersetzt wurden. Sein unermüdlicher Kampf für alternative Energien wurde u. a. mit dem Adolf-Grimme-Preis und der Goldenen Kamera ausgezeichnet. Ein Glücksgriff für Kaufering, diesen kompetenten Journalisten für den Vortrag „Wind und Sonne schicken uns keine Rechnung“ gewinnen zu können. Sein Appell an die Kauferinger: „Seid aufgeschlossen und sperrt euch nicht gegen die Windenergie!“

Darüber informierte ausführlich Ingenieur Robert Sing, der mit den Windkraftanlagen Fuchstal, Lamerdingen und Berg beste Referenzen vorweisen kann und jetzt in Kaufering als Projektant aktiv werden will. Er sieht als passablen und windreichen Standort das Westerholz, ein Waldgebiet zwischen Kaufering, Scheuring und Weil. Ideal sei das Westerholz, weil hier die in Bayern strenge Abstandsvorschrift „10-H“ erfüllt würde. Dies ist eine Bestimmung der Landesbauordnung, wonach Windkraftanlagen einen Mindestabstand vom 10-fachen ihrer Gesamthöhe zu Wohnsiedlungen haben müssen. Die nächstgelegene Ortschaft zum Westerholz sei Beuerbach mit rund drei Kilometer Entfernung. Bei einer geplanten Höhe von zirka 220 Metern pro Windanlage seien hier die Vorgaben erfüllt. Einzelne Höfe im 10-H-Radius wie Lichtenberg oder Riedhof genießen diesen Schutzstatus übrigens nicht.

Diesen und andere rechtliche Aspekte erläuterte Matthias Simon, Baurecht-Spezialist für Windenergie im Bayerischen Gemeindetag. Windkraftanlagen im Außenbereich wie im Westerholz seien privilegiert und jedermann könne sich um den Bau solcher Anlagen bemühen, vorausgesetzt die Einigung mit den Grundstücksbesitzern. Bürgermeister Püttner warf ein, dass sich hier besser ein im Landkreis ansässiges Ingenieurbüro wie das von Robert Sing bemühe als ein Energiemulti aus dem Norden.

Sollte es im Westerholz zu einer Windkraftanlage mit maximal zwei Rädern kommen, schlug Robert Sing ein Bürgerbeteiligungsmodell als GmbH & Co. KG vor. Hier könnten sich Bürger aus Kaufering und auch die Gemeinde als Kommanditisten beteiligen und am Ertrag partizipieren. Eine Bankenbeteiligung sei nicht vorgesehen, obwohl die VR-Bank Landsberg-Kaufering bereits grünes Licht für die Finanzierung signalisiert habe. Bei der Bürgerwind Lamerdingen gebe es 96 Kommanditisten, im Fuchtal 115 und in Berg am Starnberger See 169. Genaue Ertragsprognosen für Kaufering habe Sing noch nicht, aber im Ausschreibungsverfahren würden Bürgermodelle und netzverträgliche Standorte wie hier im Westerholz bevorzugt.

Rund fünf Millionen

Bevor es aber überhaupt an eine konkrete Planung gehe, müsse im Westerholz eine Kartierung für die artenschutzrechtliche Prüfung durch Gutachter in Abstimmung mit dem Landratsamt und der Regierung von Oberbayern erfolgen. Erst nach einem positiven Ergebnis könne 2018 mit Planung und Bau begonnen werden. Frühestens ab 2019 käme dann Windstrom aus dem Westerholz. Die Kosten pro Windrad werden sich auf etwa fünf Millionen Euro belaufen. 

Dieter Roettig

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