Unbelehrbarer Dealer

Landsberg – Der Angeklagte lässt sich nichts anmerken, als das Urteil verkündet wird – obwohl es ein Tiefschlag für ihn sein muss. Für zwei Jahre und acht Monate schickt ihn das Schöffengericht Landsberg hinter Gitter, dabei hatte er auf einen Freispruch gehofft.

In der hintersten Reihe des Zuschauerraums sitzt die Mutter des 25-Jährigen und lauscht mit gequältem Gesicht der Urteils-begründung. Richterin Sabine Grub und die Schöffen halten für erwiesen, dass der russisch-stämmige Kauferinger in mindestens acht Fällen mit Rauschgift gehandelt hat.

Die Verurteilung stützt sich hauptsächlich auf die Aussage eines 29-Jährigen aus Gilching. In dessen Wohnung haben sich laut Anklageschrift die Drogengeschäfte zugetragen. Das gestand der 29-Jährige der Polizei wenige Stunden, nachdem die Beamten die Wohnung durchsucht und dabei Amphetamine und Marihuana sichergestellt hatten. „Er hat sich alles von der Seele geredet“, so ein Polizeibeamter vor Gericht. Später machte der Gilchinger jedoch keine Angaben mehr, im Verfahren gegen den Kauferinger verweigerte er die Aussage. Es gab jedoch auch einige Indizien, die in den Augen des Gerichts ebenfalls gegen den 25-Jährigen sprachen. Er hatte offenbar unter falschen Namen mehrere Handys besessen und von diesen aus öfter mit den Gilchingern telefoniert. Die Gespräche drehten sich unter anderem um die Durchsuchung und darum, ob jemand festgenommen worden sei. 

Ein Konto des Angeklagten wies außerdem verdächtig hohe Bargeldeingänge aus. Zwar hatte sich die Staatsanwaltschaft beim Zusammenzählen der Einzahlungen verrechnet, wie Verteidiger Michael Pösl klarstellte – es ging nicht um 17000 Euro, sondern nur um rund 11000 Euro. Doch die Erklärung, woher dieses Geld stammte, kaufte das Gericht dem Angeklagten nicht ab. Er wollte es von seinen Eltern für ein Auto bekommen, aber nicht vollständig ausgegeben haben. 

Die kriminelle Laufbahn des 25-Jährigen begann offenbar in dem Moment, als er strafmündig wurde – die erste Vorstrafe kassierte er mit 14. Es folgten sieben weitere Verurteilungen, zuletzt landete der Kauferinger für drei Jahre und acht Monate hinter Gittern. Nach seiner Haftentlassung schien er sich gefangen zu haben. Er fand einen Job als Montagearbeiter und kooperierte mit der Bewährungshilfe. „Ich hatte keine Probleme mit ihm, er hat Weisungen und Termine eingehalten“, so Bewährungshelferin Gudrun Neumeyer vor Gericht. Auch eine ambulante Alkoholtherapie habe der 25-Jährige erfolgreich abgeschlossen. 

Nichts verbrochen? 

Nun muss er wieder ins Gefängnis, wenn auch nicht ganz so lange, wie Staatsanwältin Katharina Schneider gefordert hatte – ihr Antrag lautete auf drei Jahre und vier Monate. Die Verteidigung hielt die Vorwürfe nicht für erwiesen. Die Aussage des Gilchingers stecke voller Widersprüche und Unwahrheiten, so Pösl. „Er wollte sich rausreden und die Schuld auf andere abwälzen.“ Auch der Angeklagte selbst beteuerte in seinem letzten Wort, er habe nichts verbrochen.

Ulrike Osman

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