Sache des Landkreises?

Wenn das Kauferinger Naturfreibad zur Last wird

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Das Kauferinger Naturfreibad ist für die Marktgemeinde ein Kostenfaktor, den Bürgermeister Thomas Salzberger gerne loswerden will.

Kaufering – Landrat Thomas Eichinger (CSU) ist stolz auf seinen Landkreis Landsberg. Bei vielen Gelegenheiten lobt er die hohe Lebensqualität. Ein wichtiger Faktor seien dabei die Freizeitangebote – inklusive der drei landkreiseigenen Schwimmbäder in Kaufering, Greifenberg und Thaining. Auch Kauferings neuer Bürger­meister Thomas Salzber­ger (SPD) ist angetan vom Lechtalbad. Allerdings ist er der Meinung, dass der Betrieb von Schwimmbädern nicht Aufgabe einer Gemeinde, sondern die des Landkreises sei.

Und damit sorgt der Bürgermeister gleich zu Beginn seiner Amtszeit für mächtig Wirbel. Salzberger argumentiert, dass der überwiegende Teil der Besucher ja nicht aus Kaufering, sondern aus den restlichen Landkreisgemeinden und teilweise noch darüber hinaus komme. Daher fordert er in den ersten Tagen seiner Amtszeit den Landkreis auf, die Betriebskosten für das Kauferinger Naturfreibad zu übernehmen.

Das Hallenbad selbst wird in der Regie des Landkreises betrieben, nicht aber das Freibad. Dort fallen rund 100.000 Euro Kosten für Kaufering jedes Jahr an. Und das müsse nach Ansicht Salzbergers der Landkreis zahlen. Immerhin führe die Marktgemeinde nicht uner­hebliche Summen jedes Jahr als Kreisumlage ab. Außerdem sei Kaufering die einzige Kommune im Landkreis, die sich direkt an den Schwimmbadkosten beteiligen müsse. Neben dem Lechtalbad betreibt der Landkreis die Warmfreibäder in Thaining und in Greifenberg.

Gesprächsbereit

Ganz so schnell wird eine Übernahme des Kauferinger Naturfreibades durch den Landkreis aber nicht gehen. Natürlich sei man gesprächsbereit, sagt der Landratsamtssprecher Wolfgang Müller auf Anfrage des KREISBOTEN. Er erinnerte aber daran, dass der Betreibervertrag mit der Marktgemeinde Kaufering noch bis Ende 2024 laufe. „Es gibt jetzt sogar einen Gesprächstermin“, bestätigt Kauferings Rathauschef.

Der Landkreis lässt sich den Unterhalt der Bäder im Landkreis viel kosten. Sie sind allesamt defizitär. Für das Lechtalbad in Kaufering beziffert Müller das jährliche Defizit auf rund eine Millionen Euro. Eine Trennung nach Hallen- und Freibad gebe es allerdings nicht.

Auch eine Statistik über das Quellaufkommen, also woher die Badegäste kommen, gibt es in der Kreisbehörde nicht. Wohl aber eine Schätzung der Bäderleitung. Und die gehe davon aus, dass 80 Prozent der Besucher aus dem Landkreis Landsberg kommen. Die übrigen 20 Prozent würden sich auf Badegäste aus der Region verteilen.

Wie beliebt das Lechtalbad ist, kann man bei einem Gang über den Parkplatz anhand der Autokennzeichen sehen. Viele Augsburger und Ostallgäuer finden den Weg nach Kaufering. Im vergangenen Jahr nutzen rund 300.000 Menschen das Bad direkt am Lech, davon entfallen gut 60.000 Besucher auf die attraktive, jüngst erweiterte Saunalandschaft. Knapp 100.000 Badegäste kommen im Sommer ins Naturfreibad. Rund 50 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit sind notwendig, um den Betrieb zu gewährleisten.

Genau hier ist Salzbergers Ansatz. Nach einem durchaus umstrittenen Vertrag zwischen Kreis und Gemeinde aus dem Jahr 2004 betreibt Kaufering das Naturfreibad. Alt-Landrat Walter Eichner und der damalige Bürgermeister Dr. Klaus Bühler hatten dies vereinbart. Letzterer wollte den Fortbestand des damals zur Disposition stehenden Freibades in seiner Gemeinde sicherstellen. Die Einnahmen aus dem Frei- und dem Hallenbad stehen aber komplett dem Landkreis zu.

Kaufering hatte sich in dem Vertrag verpflichtet, die Außenanlagen zu pflegen, die Wasser­qualität zu erhalten und die Badeaufsicht für das Freibad kostenmäßig zu übernehmen. Die wird an Wochenenden und Feiertagen von der Kauferinger Wasserwacht unter dem Dach des Bayerischen Roten Kreuzes übernommen. Laut Bürgermeister Salzberger belaufen sich die Kosten für die Marktgemeinde auf 100.000 Euro im Jahr. Und die möchte er gerne loswerden, um das hoch verschuldete Kaufering ein Stück weit zu entlasten. Immerhin hatte er das im Bürgermeister-Wahlkampf angekündigt und will es jetzt auch umsetzen.
Siegfried Spörer

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