Kapitel Rathauschef Kaufering beendet: 

Erich Püttner sagt Servus

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Die persönlichen Sachen sind eingepackt, das Amt an die Nachfolgerin übergeben. Kauferings Bürgermeister Erich Püttner begibt sich nun auf eine Pilgerreise nach Rom.

Kaufering – Für Erich Püttner beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Keine Marktgemeinderatssitzungen mehr, kein Papierkrieg mit dem Landrats- amt oder Horrormeldungen über Baumängel an Kindergärten. Die Diskussionen um die Straßenausbaubeitragssatzung oder Tempo-30-Zonen liegen hinter ihm. Erich Püttner bricht auf zu neuen Ufern. In einigen Tagen begibt sich Kauferings ehemaliger Bürgermeister auf eine Pilgerreise nach Rom. Zu Fuß natürlich, denn für ihn ist nicht nur der Weg das Ziel, sondern auch der spirituelle Weg nach innen. Auf ein Highlight freut er sich besonders: Im Vatikan wartet eine Papstaudienz auf ihn.

Nach dieser Auszeit, die ihm persönlich unheimlich wichtig ist, wird Erich Püttner wieder an seine alte Wirkungsstätte vor seiner Bürgermeisterzeit zurückkehren, denn bis zur Rente muss er noch ein paar Jahre arbeiten. Im Seniorenstift will Erich Püttner ein Quartierskonzept entwickeln, welches älteren Menschen ermöglichen soll, daheim gut leben zu können. Püttner will auch Menschen beim Thema Patientenverfügung beraten. Ehrenamtlich wird sich der ehemalige Bürgermeister in der Hospizarbeit engagieren. Als ausgebildeter Pilgerbegleiter will sich Erich Püttner mit Gruppen auf Reisen begeben. 

„Ich gehe ohne Groll“, sagte der ehemalige Rathauschef, der sein Amt in schwierigen Zeiten übernommen hat, dem KREISBOTE. Die Nachwirkungen der Auseinanderersetzungen um seinen Vorgänger Dr. Klaus Bühler hätten ihm damals schwer zugesetzt. „Dass wir damals gezwungen wurden, gegen unbescholtene Kauferinger Bürger zu klagen, die in den Streit hineingezogen wurden“, beschäftigt und ärgert ihn noch heute. Allerdings habe es auch viele positive Momente in seiner Amtszeit gegeben, etwa wenn er Bürgern helfen konnte. Zu den positiven Erfahrungen zählt er die vielen menschlichen Kontakte, die er geknüpft habe. 

Seine Bilanz als Bürgermeister sieht Erich Püttner positiv. „Wir haben viel investiert, ohne dass die Verschuldung des Marktes gestiegen ist“. Dass es noch besser sein könnte, weiß Erich Püttner auch. „Ich habe als Bürgermeister die Marktgemeinde in der Zeit des Sanierens übernommen“, bilanziert der ehemalige Rathauschef. Einige Sanierungsfälle sind ihm und der Marktgemeinde quasi vor die Füße gefallen. Jüngstes Beispiel dafür ist der erst 17 Jahre alte Kindergarten Don Bosco, wo Pfusch am Bau letztlich zu einer Vernichtung von Gemeindevermögen geführt habe. Seine Nachfolgerin Bärbel Wagener-Bühler wird vor der Frage stehen, ob man das marode Gebäude sanieren oder gleich abreißen soll. 

In der Märzausgabe des Mitteilungsblattes der Marktgemeinde hatte Erich Püttner alle Projekte, die während seiner Amtszeit durchgeführt oder angeschoben wurden, aufgelistet. Es ist eine beachtenswerte Liste, die vom Bau des Kindergartens Maria Himmelfahrt bis hin zum Mensaneubau führt. Die Nordost-Spange mit dem Kreisverkehr habe die neuen Baugebiete im Norden optimal angebunden. Auch viele kleinere Investitionen hätten dazu beigetragen, Kaufering Stück für Stück lebenswerter zu machen. Fahrradabstellanlagen und Toiletten am Bahnhof, der Neubau des Jugendhauses Oval, die vielen Kinderspielplätze in der Marktgemeinde oder die Investitionen in das Seniorenstift seien Zeichen dafür, dass Kaufering eine lebendige Gemeinde sei. Wichtig ist Erich Püttner, dass er die bislang verlustträchtige Fernwärme auf den Weg in die Wirtschaftlichkeit gebracht hat. Mit zum diesem Erfolg beigetragen habe auch die organisatorische Ausgliederung der Kommunalwerke aus der Struktur der Marktgemeinde, denn somit können die Werke, wie sie genannt werden, als eigenständiges Wirtschaftsunternehmen viel flexibler geführt werden. Mehr Flexibilität und Wirtschaftlichkeit verspricht sich der ehemalige Rathauschef auch von der neu eingerichteten Abteilung „Kommunaler Servicebetrieb“. Die bisherige Verantwortung des Bauhofes wurde um einen Gebäudeservice erweitert, der auch die Sporthallen und Schulen einbezieht. 

„Wenn ich noch einmal als Bürgermeister anfangen müsste, würde ich vieles im Umgang mit dem Marktgemeinderat und den Mitarbeitern heute anders machen“, sagt Erich Püttner. Dazu gehöre, dass auch ein demokratisches Gremium wie ein Gemeinderat ein Stück Führung braucht. Die Kommunikationsstrukturen im Rathaus würde er mit dem Wissen von heute straffen und damit optimaler gestalten. „Ich bin halt nicht der polternde Chef“. 

Seiner Nachfolgerin wünscht Erich Püttner alles Gute. „Ich übergebe ihr ein organisatorisch geordnetes Haus“. Viele angeschobene Projekte wie beispielsweise die Barrierefreiheit des Bahnhofes, die Neuschaffung von Wohnraum oder der Neubau des Feuerwehrhauses werden bei ihr auf der Agenda stehen.

Siegfried Spörer

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