Bürgerversammlung

Mehr und bessere Infos aus dem Kauferinger Rathaus

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Nach zwei Jahren gab es erstmals wieder eine Bürgerversammlung in Kaufering. Bürgermeister Thomas Salzberger warb dabei für die Petition „Barrierefreier Bahnhof“.

Kaufering – „Mehr und bessere Informationen für den Bürger!“ Das war eines der Wahlversprechen von Bürgermeisters Thomas Salzberger (SPD). Wie es scheint, ist er auf einem guten Weg. Im Gegensatz zu seiner Vorgängerin Bärbel Wagener-Bühler, schaffte er es schon nach 66 Tagen Amtszeit, eine Bürgerversammlung auf die Beine zu stellen. Die letzte derartige Veranstaltung hatte es 2017 unter Erich Püttner gegeben. Dementsprechend umfangreich waren jetzt die Sachthemen.

Immerhin war es auch einem politisch interessierten Bürger schon aufgefallen, dass es im jüängsten Mitteilungsblatt der Marktgemeinde unter der Regie von Thomas Salzberger erstmals Information aus dem Marktgemeinderat zu lesen gab. Dafür gab es ein dickes Lob. Salzberger kündigte darüber hinaus an, dass in Kürze auch die überarbeitete Homepage der Marktgemeinde online gestellt werde. Dazu komme noch die neue Kaufering-App für Smart- oder I-Phones. Auch dort gäbe es immer die aktuellsten Info, versprach der Bürgermeister.

Zusammen mit seinen Abtei­lungsleitern im Rathaus gab Thomas Salzberger einen umfassenden Überblick über die Projekte, aber auch die Probleme der Marktgemeinde. Zu den positiven Entwicklungen zählt die „Fernwärme“. Jahrzehntelang schrieben die Kommunalwerke in diesem Segment rote Zahlen. Andreas Giampa, Leiter des technischen Bauamtes, war es nun vorbehalten, die frohe Botschaft zu verkünden, dass man 2018 erstmals mit einem Überschuss von 173.000 Euro die Gewinnzone erreicht habe.

Zur Erfolgsbilanz zähle auch die Fertigstellung der Mensa und der Mittagsbetreuung sowie der Einbau einer neuen Küche in der Grundschule. Stolz zeigte sich Giampa auch über die geleistete Arbeit des Bauhofes. Winterdienst, Bordstein­absenkungen, Schwimmbadpflege, Baumschnitt oder auch die Friedhofspflege seien nur einige Tätigkeitsbereiche, die erfolgreich abgearbeitet wurden.

64 Bauanträge seien 2018 bearbeitet worden, berichtete Claudia Endress. Sie leitet das nichttechnische Bauamt und ist Spezialistin für die gesamten Bauleitverfahren und das Planungsrecht. Sie gab einen Überblick auf die laufenden Bebauungspläne im Dorf.

Positives konnte auch Kämmerer Winfried Plaß aus seinem Bereich vermelden. Der Schuldenstand werde Ende 2019 auf 9,2 Millionen Euro sinken, gleichzeitig würden die Rücklagen auf voraussichtlich über fünf Millionen Euro steigen. Allerdings brauche man das Geld auch, denn einige Großprojekte, etwa der Neubau des Feuer­wehrhauses und die Kindergartenerweiterung Don Bosco, stünden an. Je mehr Rücklagen man habe, umso weniger Kredite brauche man, betonte Plaß, der im nächsten Jahr in den Ruhestand geht. Auf die Frage eines Besuchers nach der neuen Grundsteuer konnte Plaß allerdings noch keine Antwort geben, da bisher keine Informationen von der Staatsregierung über die Handhabung vorlägen. Die Höhe der Grundsteuer könne die Marktgemeinde aber über den Hebesatz steuern.

Es gab viele Fragen und viele Antworten. Gefragt waren die neuen Wasser- und Abwassergebühren. Die Erhöhung beim Abwasser kam aber hörbar bei den Besuchern nicht so gut an. Zu dem geplanten Wohngebiet an den Lechwiesen wollte Thomas Salzberger noch nichts sagen. Zuerst müsse im Ausschuss und im Marktgemeinderat darüber diskutiert werden, sagte der Rathauschef. Auch eine erneute Diskussion über die Vorfahrtsregelung in Tempo-30-Zonen wurde von Salzberger vertagt. Gegenwärtig sei eine Neuregelung durch die Bundesregierung im Gespräch, deshalb wolle man zunächst abwarten.

Barrierefreier Bahnhof

Salzberger nutzte die Gelegenheit, für seine Petition „Barrierefreier Bahnhof“ zu werben. Über 1.000 Unterschriften gäbe es schon. Die Aktion laufe bis April 2020. Der Bürgermeister will dann die Unterschriften öffentlichkeitswirksam an den Ministerpräsidenten oder den Verkehrsminister übergeben und somit den Druck auf die Bahn erhöhen. Die hatte bekanntermaßen den versprochenen Umbau immer wieder verschoben. Jetzt sei man bei einem Starttermin 2023. Der müsse auf jeden Fall gehalten werden. Es sei ein Ding der Unmöglichkeit bei einem Bahnhof, den täglich 6.000 Menschen nutzten, befand der Bürgermeister. Unterschriftenlisten für die Petition gibt es unter anderem hier.

"Er kann‘s nicht lassen"

Einzig Kauferings ehemaligern Bürgermeister, Dr. Klaus Bühler, schien das nicht zu gefallen. Er hatte sich zu Wort gemeldet, wollte seine Fragen aber nicht wie alle anderen von seinem Platz stellen. Bühler machte sich ungefragt auf den Weg zum Rednerpult. Für ihn sei die Petition zum „Barrierefreien Bahnhof“ für die Optik und helfe nicht, sagte er. Es sei eine „unfaire“ Sache, wenn durch die Unterschriftenaktion andere Bahnhöfe zugunsten Kauferings nach hinten rückten. Im Übrigen sei er, Bühler, es ja gewesen, der schon 2008 die Barrierefreiheit beantragt habe.

Auch die von Salzberger angestrebte Rückgabe des Natur­freibades an den Landkreis – 100.000 Euro pro Jahr will er damit einsparen – fand nicht Bühlers die Zustimmung. Der Bürgermeister musste sich sogar anhören, dass er ja erst zwei Monate im Amt sei. Kopfschütteln gab es bei einigen Marktgemeinderäten, als der 2013 in den Ruhestand gegangene Altbürgermeister sich bei „seinen Mitarbeitern“ bedankte. Gleichwohl wünschte Bühler dem Nachfolger seiner zurückgetretenen Tochter „erfolgreiches Schaffen“. Für einige Besucher ein merkwürdiger bis peinlicher Auftritt ihres Altbürgermeisters. „Er kann‘s halt nicht lassen“, merkte ein ehemaliges Ratsmitglied an.
Siegfried Spörer

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