Kein bewaffneter Unbekannter an Landsberger Gymnasium

Es gab keinen schwarz-maskierten, bewaffneten Mann im Ignaz-Kögler-Gymnasium in Landsberg, weswegen am vergangenen Mittwoch Amok-Alarm ausgelöst worden war. Die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck hat ihre Ermittlungen zur Beobachtung eines zwölfjährigen Schülers, der einen vermummten Mann mit einem Messer im ersten Stock gesehen haben will, abgeschlossen. Das Fazit der Polizei: Der Zwölfjährige muss sich getäuscht haben. Schüler, Lehrkräfte und sonstige Zeugen seien befragt worden – Anhaltspunkte für einen maskierten Mann hätte es nicht gegeben. „Eine böswillige Absicht des Schülers ist nicht erkennbar.“, teilte Hans-Peter Kammerer Pressesprecher des Polizeipräsidium Oberbayern-Nord in Ingolstadt mit. Nach Meinung des Sechstklässlers hätte eine Gefahr bestanden.

Wie die Polizei am Freitag weiter mitteilte, soll der Junge einen Schüler der achten Klassenstufe, der sich zur selben Zeit auf dem Schulflur aufgehalten hatte, gesehen und für den unbekannten Fremden gehalten haben. Das Gymnasium war am Mittwoch zur Mittagszeit für rund zwei Stunden abgesperrt und nach einem angeblichen Amokläufer durchsucht worden. Anlass dazu hatte der zwölfjährige Schüler der sechsten Jahrgangsstufe gegeben. Er hatte seinem Klassenlehrer berichtet, einen Mann mit schwarzer Maske und Sehschlitzen im Flur des ersten Stocks beobachtet zu haben. Der Schüler war kurz vor halb zwölf auf der Toilette gewesen, und auf dem Rückweg ins Klassenzimmer habe er den Maskierten gesehen, der zudem ein Messer mit einer etwa 15 Zentimeter langen Klinge in der Hand gehalten habe. Um 11.36 Uhr informierte das Sekretariat der Schule daraufhin die Polizeiinspektion Landsberg über den Verdacht eines möglichen Amoklaufs. Im Ignaz-Kögler-Gymnasium, in der sich rund 1000 Schüler aufhielten, lief dann ein Alarmplan ab: Per Code-Durchsage forderte die Schulleitung Schüler und Lehrer auf, in ihren Klassenzimmern zu bleiben und die Türen zuzuschließen. Derweil formierte sich draußen die Polizei mit etwa 180 Einsatzkräften aus Landsberg und den Nachbardienststellen, einem Einsatzzug aus Ingolstadt und Unterstützungskommandos aus Dachau und Nürnberg. Das Schulareal wurde abgesperrt und das Gymnasium systematisch durchsucht. Auch ein Polizeihubschrauber war im Einsatz. „Das war schon unheimlich. Erst waren wir total aufgeregt. Dann wurden wir ruhiger“, erklärte eine Schülerin später. Unter den Bänken oder nahe bei der Wand hatten sie zusammen mit den Lehrern in den Schulräumen ausgeharrt. Um diejenigen, denen die ungewisse Zeit sehr zugesetzt hatte, kümmerten sich die Helfer des Kriseninterventionsteams vom Roten Kreuz, Johanniter und Malteser. Für den schlimmsten Fall stand das BRK unter anderem mit fünf Rettungswagen bereit. Außerhalb der Schule herrschte ebensolche Ungewissheit wie drinnen: Bald schon warteten aufgeregte Eltern an der Lechstraße und Schüler, die sich wunderten, warum sie nicht zum Unterricht dürfen. Viele Eltern waren von ihren Kindern per Handy informiert wurden, dass in der Schule Amok-Alarm ausgelöst worden sei. Der bange Blick richtete sich auf die Fenster des Gymnasiums. Kinder und Jugendliche sah man dort, die unsicher nach draußen blickten. Gegen halb zwei gab die Einsatzleitung dann Entwarnung: „Im Gebäude konnte kein Mann mit einem Messer festgestellt werden.“ Mädchen und Jungen und Schulpersonal strömten nach draußen. Die Schulleitung informierte kurz darauf im Internet – gab Entwarnung und lobte Schüler und Lehrer für deren vorbildliches Verhalten in dieser Krisensituation. Zeit für Gespräche, um den Vorfall zu verarbeiten, hatten die Klassen am Donnerstagvormittag. In einem offenen Brief an die Schulleitung dankte der Elternbeirat der Schule für deren Professionalität und Umsicht in dieser schwierigen Situation der Angst. Nachdem nun die Polizei ihre Ermittlungen beendet hat – mit negativem, beruhigendem Ergebnis kann auch im Gymnasium wieder Ruhe einkehren.

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