Kein Blatt vor den Mund

Ein Klohäuschen und jede Menge böse Kommentare: Die Feuerwehr machten ihrem Ärger über die gescheiterte Feuerwehrhaus-Planung gehörig Luft. Fotos: Osman

In Geltendorf erwachen die Narren nur alle fünf Jahre zum Leben, dann aber richtig. Beim diesjährigen Faschingsumzug am Sonntag nahmen sich die Ortsvereine sämtliche kommunalpolitischen Aufregerthemen der jüngeren Ver-gangenheit vor. Und weil viele Bürger über viele Entscheidungen – oder ihr Ausbleiben – ziemlich sauer sind, hielten sich die Teilnehmer des Gaudiwurms nicht mit subtilem Humor auf, sondern hauten richtig drauf.

„G'scheid red'n und nix z'reißen, auf solche kemma scheiß'n“, dichtete da „mit freundlichen Grüßen“ die reichlich düpierte Freiwillige Feuerwehr, die ihren Faschingswagen mit einem Klohäuschen gekrönt und mit Botschaften über den vorerst gescheiterten Feuerwehrhaus-Neubau nur so gespickt hatte. Bürgermeister Willi Lehmann und der Gemeinderat fanden sich als Pappkameraden und zum „Vertagungsrat“ umdeklariert auf einem Wagen wieder oder wurden gleich als kostenloses Kasperltheater abgestempelt. Die gescheiterte Planung für einen Aldi-Markt an der Moorenweiser Straße, der reparaturbedürftige gemeindliche Unimog, die geplante Sanierung der Bahnhofstraße mit mehrmonatigen Verkehrsbehinderungen – alle Themen, die die Bürger bewegen, erzürnen oder mit dem Kopf schütteln lassen, wurden von den 26 Teilnehmergruppen akribisch abgearbeitet. Ein mit viel Mühe gebauter Hubschrauber der Fluglinie „Lehmann-Air“ erinnerte an den Vorstoß des Bürgermeisters, die Mückenplage des Sommers aus der Luft zu bekämpfen. Die Jugendfeuerwehr hatte ihren Wagen mit einer Art überdimensionaler Biene Maja geschmückt. Bei genauerem Hinsehen wies das Insekt eine unleugbare Ähnlichkeit mit Ex-Gemeinderat Franz Hummel auf, der sich in letzter Zeit vor allem als Kritiker der Feuerwehrhausplanung hervorgetan hatte („Ist das Gelächter wieder groß, brummt die Hummel wieder los“). Trotz des vielen Stoffes vor der eigenen Haustür tauchten auch ein paar überregionale Themen in Geltendorf auf, dazwischen mischten sich vereinzelte unpolitische Wikinger und Gallier in Asterix- und Obelix-Kostümen. Auch der Hygieneskandal bei Müller-Brot oder die Euro-Rettung schafften es in närrischer Form auf die Dorfstraßen, die hunderte Zuschauer umsäumten.

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