Wenn alles nur noch online geht

Kein Fahrplan für die Erwachsenenbildung - Lagebericht der vhs im Landkreis Landsberg

+
Nicht ganz so einfach wird es, die Räume der Volkshochschulen – hier die vhs Landsberg – an die neuen Bedingungen anzupassen. Momentan wird am Hygienekonzept getüftelt.

Landkreis – Rund 900 Volkshochschulen in Deutschland bieten jährlich etwa 700.000 Veranstaltungen an. Mit circa neun Millionen Teilnahmen sind sie der größte Anbieter der Erwachsenenbildung in Deutschland. Bayernweit gibt es 200 Volkshochschulen. Und alle sind momentan in der gleichen Situation: Sie haben ihren Betrieb in der Coronakrise größtenteils ausgesetzt und müssen aufgrund der Empfehlung von Bund, Ländern und Kommunen auf Präsenzveranstaltungen verzichten. Seit dem 13. März ist auch der Kursbetrieb der vier Volkshochschulen des Landkreises – Landsberg, Ammersee-Nordwest, Dießen und Kaufering – unterbrochen. Und noch gibt es kein Konzept, wann sich die Tore wieder öffnen könnten.Die Folgen für Schulen, Teilnehmer und Kursleiter sind spürbar.

Dennoch möchten die Volkshochschulen weiterhin ihrem Bildungsauftrag nachkommen. Sie bauen digitale Möglichkeiten aus: Lernplattformen und digitale Räume als Orte des Lernens und des Austauschs. Denn die Weiterbildung sollte nicht darunter leiden, dass Menschen zu Hause bleiben müssen.

Schon länger gibt es die „vhs.cloud“, die virtuelle Kursräume bereitstellt. Eine Möglichkeit, um sich zu vernetzen und ausgewählte Kurse wahrzunehmen. Zudem wurde das Online-Programm „vhs daheim“ kurzerhand auf die Beine gestellt – mit Vorträgen, Seminaren und Gesprächen mit Referenten aus den bayerischen Volkshochschulen. Im Bereich Integration können Deutschlerner das kostenlose vhs-Lernportal nutzen, das Material zu Alphabetisierung und Deutschkursen bietet.

Auch an den Volkshochschulen Landsberg und Ammersee-Nordwest gibt es schon seit Jahren ergänzende Online-Kurse. „Wir müssen und wollen jetzt weitere Formen finden“, meint Silvia Frey-Wegele, Leiterin der vhs Landsberg. Parallel wurden einige Kurse komplett in Online-Kurse umgestaltet. „Da sind wir gerade am Experimentieren, was machbar ist,“ sagt Andrea Wagner-Krukow, Leiterin der vhs Ammersee-Nordwest.

Komplexe Aufgabe

Im Zuge der Digitalisierung müssen die Online-Formate die Qualitätsstandards der Volkshochschulen erfüllen. Außerdem gibt es technische und rechtliche Fragen. „Erst, wenn alles stimmig ist, können wir solche Formate anbieten und planen“, so Wagner-Krukow. „Das ist eine sehr komplexe Aufgabe. Einfach sagen: ‚Dann macht man es eben mal digital’ – geht nicht.“

Präsenzkurse in Online-Kurse umzuwandeln, sei nicht eins zu eins möglich, man habe eine andere Didaktik, ein anderes Setting, sagt Frey-Wegele. Nicht alle Kurse seien geeignet. Gut funktioniere es bei Sprachkursen. Auch Kurse im technischen oder EDV-Bereich könnten problemlos umgemünzt werden. In anderen Bereichen dagegen sei es schwieriger, etwa bei Yoga- oder Sportkursen. Die lebten davon, dass sich Leute treffen. Dozenten greifen ein, korrigieren, sagen, wie man sich bewegen muss. Das sei virtuell schwer möglich. Auch die Kursleiterin eines Malkurses sieht kaum Chancen, ihren Kurs online anzubieten: „Er lebt von der Kreativität, die in einem Kursraum entsteht.“

„Die Begegnungen, der persönliche Austausch – all das ist für unser Konzept schon sehr wichtig“, betont Frey-Wegele. Die Digitalisierung sei immer als Ergänzung gedacht gewesen. Durch Corona würde dieser Part nun in den Vordergrund gedrängt. Das Tempo, in dem jetzt die Online-Angebote nachgefragt, entwickelt und durchgeführt werden, sei enorm. „Daher sind wir froh, dass wir vorbereitet sind und schon eine Grundlage haben, auf der wir aufbauen können.“

Massive Auswirkungen

Trotz der Online-Angebote hat die Pandemie Auswirkungen auf allen Ebenen – auch in finanzieller Hinsicht. Massive Einbrüche in den Teilnehmergebühren reißen Löcher in die Kassen der Einrichtungen selbst und bringt auch die freiberuflichen Dozenten in finanzielle Nöte.

„Für uns ist die Situation extrem schwierig – gerade jetzt zum Semesterstart“, betont Frey-Wegele. „Circa 3.000 Teilnehmern mussten wir bereits absagen. Wir werden, so schnell wir dürfen, wieder Angebote zur Verfügung stellen und die ausgefallenen Kurse nachholen.“ Es gehe aber auch um die Interessen der Dozenten, die gewahrt werden müssten. Rund 200 freiberufliche Dozenten gebe es in Landsberg. „Viele üben die Tätigkeit nebenberuflich aus, einige sogar hauptberuflich“, sagt Frey-Wegele. „Sie leben von diesem Job. Ihre Situation ist im Moment dramatisch. Wir suchen hier nach Möglichkeiten, wie wir sie unterstützen können.“

Wann und wie es genau weitergeht in der Erwachsenenbildung, ist noch offen. Es gibt keinen Fahrplan. Beide Leiterinnen hoffen, dass sie so bald wie möglich mit einer gewissen Auswahl an Kursen starten können. Natürlich mit entsprechenden Abstandsregeln und Hygienevorschriften. Es werde bereits geprüft, welche Kurse in welchem Rahmen stattfinden könnten. „Solange es noch keinen Impfstoff gibt, müssen wir jedoch mit Alternativen leben und unter besonderen Umständen arbeiten“, sagt Wagner-Krukow.

Die aktuelle Lage zeigt aber auch, wie nützlich ein ergänzendes Online-Angebot sein kann. So tragisch die Situation ist, öffnet sie auch Raum für Experimente und neue Inspirationen. Es sei eine Chance, sich intensiver mit dem Thema digitale Kommunikation zu beschäftigen, meint Frey-Wegele. Dennoch: Am besten lerne man gemeinsam. Online-Lernen könne Begegnung und Austausch niemals ganz ersetzen. „Daher gehen wir mit Freude wieder in den Präsenzbereich zurück. Ich glaube, wir haben nach Corona alle genug Zeit allein Zuhause verbracht.“
Andrea Schmelzle

Auch interessant

Meistgelesen

Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Uttings Bürgermeister Hoffmann ist Vorsitzender von "VHS Ammersee West"
Uttings Bürgermeister Hoffmann ist Vorsitzender von "VHS Ammersee West"
Aus der Zukunft in die Gegenwart - ein Projekt von dieKunstBauStelle Landsberg
Aus der Zukunft in die Gegenwart - ein Projekt von dieKunstBauStelle Landsberg
Landkreis Landsberg: Kapellentag nur virtuell
Landkreis Landsberg: Kapellentag nur virtuell

Kommentare