Kein Geld und keine Freiwilligen

Rot heißt Ja, grün bedeutet Nein. Auf der Mitgliederversammlung des EVL geht es anders zu als in anderen Vereinen. Die 66 Stimmberechtigten haben so vorige Woche mit Grün auch gezeigt, dass sie nicht mit allem einverstanden sind – zum Beispiel verweigerten sie zwei früheren Vorstandsmitgliedern die Entlastung: Hans Güßbacher, ehemals stellvertretender Vorstandsvorsitzender, und Stefan Spingler, früherer Schatzmeister. Vereinsposten neu zu besetzen, ist ebenfalls problematisch beim EV Landsberg: Für das Amt des Schatzmeisters und des Nachwuchsleiters fand sich niemand. Die finanziellen Sorgen des Vereins waren in der Versammlung aber das Hauptthema. Der wiedergewählte Vorsitzende Hans-Jürgen Böttcher warb dafür, durch Spenden und Aktionen bei der Entschuldung mitzuhelfen.

Die nackten Zahlen zeigen, wie schlecht es dem Verein geht: Steuerberater Norbert Endris stellte das laufende Jahr und das Vorjahr gegenüber und erklärte, dass die Einnahmen bei den Spenden und Mitgliedsbeiträgen stark zurückgegangen seien. Den Mitgliederschwund hatte auch Böttcher schon erwähnt. Im vorigen Jahr seien 211000 Euro zusammengekommen, jetzt seien es bei den Gewinnen im ideellen Bereich nur noch 164000 Euro. Zuschüsse und Sponsorengelder flössen ebenfalls weniger. 450000 Euro Schulden Besonders hoch sind die Kosten für den Verein beim wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb – das bedeutet bei der ersten Mannschaft. Hier sind laut dem Steuerexperten vor allem die Sponsoreneinnahmen gesunken und machen rund 100000 Euro weniger als im Vorjahr aus. Die Personalausgaben belasten hier ebenfalls sehr. Gegenüber dem Vorjahr sprach Norbert Endris von einem Verlust von rund 127000 Euro. Zum Vergleich: 2009 waren es nur 5000 Euro. Insgesamt lastet auf dem EVL ein Schuldenberg von über 450000 Euro. Hans-Jürgen Böttcher hat die Zahlen erst in der vorigen Woche erfahren und zeigte sich immer noch ziemlich geschockt davon. Der Vorstand will nun versuchen, diese Summe wenigstens um ein Drittel senken. Böttcher gab 80000 bis 90000 Euro weniger als Ziel an. Auch kleine Summe würden helfen. Eine Ausnahme bei der Finanzlage stellt der Nachwuchsbereich dar: Dort würden seit kurzem Eintrittsgelder verlangt – so hat der Verein hier sparen können und die Verluste sind geringer ausgefallen. Der EVL-Chef beschwor trotz Schulden- last die Liebe zum Eishockey in der Lechstadt und zum Verein. „Jetzt müssen alle zusammenhalten und Gemeinschaft pflegen – das muss das Ziel des EVL sein.“ Übrigens: Knapp 50000 Euro Verpflichtungen hat der EVL bei der Stadt Landsberg. Diese würden aber nicht momentan nicht eingefordert, sondern mit den Förderzuschüssen der Stadt verrechnet. Neue Buchhalterstelle Der Bericht des Kassenprüfers, der dann laut Tagesordnung folgen sollte, wurde verschoben. Vertagt wurde ebenfalls die Abstimmung über die Entlastung des jetzigen Vorstandes. Auf der nächsten Mitgliederversammlung, die bis Ende August stattfinden müsste (Stefan Schindler), werden diese Punkte wieder auf der Tagesordnung stehen. Auch der Haushaltsplan für das anstehende Wirtschaftsjahr müsse dann nachgeholt werden. Böttcher erklärte zudem, dass eine neue Stelle für die Buchhaltung eingerichtet werde. Monatlich sollen dann die Vereinsfinanzen abgerechnet werden, damit Klarheit herrsche und man künftig vor „negativen finanziellen Über- aschungen geschützt zu sein“. Bezeichnend für die schlechte Finanzlage war, dass sich bei den Neuwahlen des Vorstandes niemand als Schatzmeister zur Verfügung stellte. Auch die Stelle eines Abteilungsleiters für den Nachwuchs fand keinen Engagierten. Frühere Aktive, Markus Rohde und Stefan Schindler, ließen sich vom Vorstand nicht dazu erweichen. Der ebenfalls vorgeschlagene Michael Dellinger lehnte auch ab. Wie Pressesprecher Oliver Gaw aber mitteilte, wird Rohde die unteren Mannschaften sportlich leiten. Eine Ausnahme bildete da Christina Hampel. Die 23-jährige Bürokauffrau, die seit Jahren aktives Mitglied in der Sparte Eiskunstlauf ist, wurde zur dortigen Abteilungsleiterin gewählt. Auch wenn es unten ganz schön löchrig ist, die Vereinsspitze steht und wurde mit großer Mehrheit wiedergewählt. Es sind der Vorsitzende Hans-Jürgen Böttcher sowie Josef Keller und Jochen Mörz als seine Stellvertreter. Als Kassenprüfer wurden Helga Friedrich und Christian Lang bestellt. Mit einem Nein zur Entlastung straften die Vereinsmitglieder dann die ehemalige Vorstandsmitglieder Hans Güßbacher und Stefan Spingler ab. Ronald Kelm-Kläger, Oliver Jaser, Karin Federl und Franz Fischer wurden entlastet. Stets bemüht, das Positive am Verein aufzuzeigen, erwähnte Böttcher den neuen Trainer Dave Rich, der mit jungen Spielern umzugehen wüsste. Talente aus dem Jugendbereich heranzuziehen, um sie später in der ersten Mannschaft einzusetzen, hielt der Vorsitzende in Zukunft für besonders wichtig – auch aus Sparsamkeitsgründen.

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