Kein Grund zum Trauern

Die Stifterin des Ehrenpreises Ingrid-Maria Bücher und Stiftungspräsident Dr. Berndt Jäger zeichneten am Sonntag Dr. Börries Graf zu Castell (rechts) für sein Engagement für die Musica Sacra aus. Foto: Eckstein

„Klagt Kinder, klagt es in alle Welt!“ Mit diesem schmerzvollen Choreinsatz beginnt die Köthener Trauermusik von Johann Sebastian Bach, die am späten Sonntagnachmittag in der Pfarrkirche St. Johann Baptist aufgeführt wurde. Der Anlass war allerdings ein freudiger: die Verleihung des Ehrenpreises der Bücher-Dieckmeyer-Stiftung zur Pflege der Kir­chenmusik in Bayern an den Spiritus Rector des Kauferinger Motettenchores Dr. Börries Graf zu Castell.

Die Aufführung selbst muss als ein kleines Wunder gelten: schien doch die Trauerkantate, die Bach im Jahre 1729 anlässlich der höfischen Trauerfeierlichkeiten für seinen verstor­- benen Dienstherrn Fürst Leopold von Anhalt-Köthen komponierte, verschollen, nur das Libretto von Picander war dank den Bemühungen des ersten Bachbiographen Johann Nikolaus Forkel erhalten. Knapp 150 Jahre später entdeckte der Thomaskantor Wilhelm Rust, dass die Trauermusik in Beziehung zur etwa zeitgleich entstandenen Matthäus-Passion und der zwei Jahre älteren Trauerode für die Kurfürstin von Sachsen stehen müsse. Die endgültige Rekonstruktion, die 2010 in Frankfurt zur Uraufführung kam, verdankt die Musikwelt dem Cembalisten Alexander Grychtolik. Eindrucksvoll war dann auch die Kauferinger Aufführung: unter der bewährten Gesamtleitung der Bamberger Bezirks- kantorin Ingrid Kasper vereinigten sich Orchester, Chor und Solisten (Johanna-Maria Zeitler, Sopran, Regina Jurda, Alt, Carsten Müller, Tenor, und Stephan Loges, Bariton) zu einem kunstvollen Geflecht aus Chorpassagen, Rezitativen und Arien, klagend, trauernd, sehnsuchtsvoll und schließlich voll gläubiger Hoffnung. In seiner Laudatio würdigte der Präsident der Bücher-Dieckmeyer-Stiftung Dr. Berndt Jäger das Engagement des Preisträgers. Dr. Börries Graf zu Castell habe in seinen beiden Tätigkeiten als Kinderarzt einerseits und als Musiker andererseits beide Komponenten vereinigt: die Heilung des Körpers und die Heilung der Seele. Damit erfülle er auch Bachs Intention, der seine Musik Gott zu Ehren und dem Nächsten zur Belehrung verstanden habe. Die Stifterin des Preises, Ingrid-Maria Bücher, erläuterte, die Stiftung sei eingerichtet worden, um Menschen auszuzeichnen, die den Zuhörern Kirchen­- musik näherbringen. Graf zu Castell, der auch die Reihe „Klassik in Kaufering“ ins Leben gerufen hat, habe zudem jungen Musikern ein Podium geboten und damit gefördert. Das Ergebnis sei in Chor und Orchester zu hören. Eine eindrucksvolle, bewegende Auf­- führung und sicher kein Grund zum Trauern…

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