Baden kommt vor Fitness und Tennis

Kein Hotel und keine Gastro für Greifenberg

Baustelle Warmbad Greifenberg
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Das Warmbad Greifenberg hat für den Landkreis absolute Priorität. Damit ist kein Platz mehr für den Tennisclub und auch Hardy’s Fitness-Studio-Erweiterung samt Hotelbau muss noch mindestens fünf Jahre warten.
  • Dieter Roettig
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Greifenberg – Kein Hotel und damit auch keine Gastronomie in der Gemeinde: Damit müssen sich die Greifenberger für die nächsten Jahre abfinden. Wegen des Vorrangs für das im Bau befindliche Warmbad muss auch der örtliche Tennis­club eine bittere Pille schlucken. Für ihn ist auf dem landkreiseigenen Gelände definitiv kein Platz mehr. Offiziell gab es zu beiden Angelegenheiten keine Auskunft vom Landratsamt. Pressesprecher Wolfgang Müller antwortete auf Nachfrage des KREISBOTEN, dass sich der Naherholungs- und Bäderausschuss sowie der Kreisausschuss in nichtöffentlicher Sitzung damit befasst hätten. Die Beteiligten seien über die Ergebnisse informiert worden. Mehr könne er nicht sagen, da die Beschlüsse nicht-öffentlich gefasst wurden. Der KREISBOTE bat das „Hardy’s“-Fitnessstudio sowie den Tennisclub um Stellungnahmen.

Für Anna Klinke ist die Expansion des Fitness-Familienunternehmens „ein Ewigkeitsprojekt“. Direkt nach ihrem 2010 kam sie damit erstmals in Berührung. Inzwischen gehört sie zur Geschäftsführung von „Hardy’s“ und muss resigniert feststellen, dass viel diskutiert, geplant und trotzdem nichts passiert ist. Die Betriebserweiterung sowie den Hotelneubau wird es auch in den nächsten fünf Jahren nicht geben. Das habe ihr Landrat Thomas Eichinger in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt. „Aufgeschoben, nicht aufgehoben“ hofft Anna Klinke, nachdem man bereits über zehn Jahre gemeinsam mit der Gemeinde und dem Landkreis an dem Projekt gearbeitet habe. „Natürlich sind wir traurig und enttäuscht, wenn wir immer wieder vertröstet werden.“ Man brauche die Betriebserweiterung, um den Standort Greifenberg weiter entwickeln zu können, samt mehr Kursräumen, größeren Umkleiden, Physiotherapie, einem Wellnessbereich mit Indorpool und mehr. Das geplante Hotel mit öffentlicher Gastronomie schließlich wäre eine lang ersehnte Bereicherung für Greifenberg, wo es derzeit weder eine Gastwirtschaft noch ein Café gibt. Zudem schaffe man durch die Erweiterung mit Hotel und Gastro rund 50 neue Arbeitsplätze.

Das Gesamtkonzept wurde bereits mehrmals in Kreistag und im Gemeinderat beraten, positiv befürwortet und sei trotzdem bisher nicht umsetzbar. Klinke baut auf die zwanzigjährige „gute Zusammenarbeit mit dem Landkreis und vor allem mit der Gemeinde“ und hofft, „dass trotzdem noch was entstehen kann.“ Das Problem: Der Grund des jetzigen Studios gehört dem Landkreis und wurde über Erbpacht dem Unternehmen überlassen. Auch das Grundstück für die Erweiterungen gehört dem Landkreis, für den das neue Warmbad absolute Priorität hat.

Auch kein Tennis?

Dass für Eichinger das Bad Vorrang hat, bekam auch der örtliche Tennisclub bitter zu spüren. Mit vier Sandplätzen und einem Vereinsheim war der über 50 Jahre alte Traditionsclub neben dem Warmbad-Gelände beheimatet. Wegen der künftigen Parkplätze musste er weichen und hoffte, im Anschluss wieder ein Domizil auf dem Areal zu bekommen. Dafür gab es nur telefonisch ein Nein von Eichinger gegenüber Greifenbergs Bürgermeisterin Patricia Müller. Club-Vorstand Jürgen Brettel selbst wartet immer noch auf eine offizielle Absage vom Landratsamt.

Für Brettel ist es nicht nachvollziehbar, warum das Nein nicht schon in der Warmbad-Planungsphase gekommen ist. Dann hätte man sich zusammen mit der Gemeinde rechtzeitig auf die Suche nach einem neuen Standort machen können. Bei guter Planung des Landkreises und zeitnaher Kommunikation hätte dem Club womöglich bereits für die kommende Saison wieder eine eigene Anlage zur Verfügung gestanden. In Konsequenz sei damit die Zukunft des Clubs mit seinen hundert Mitgliedern infrage gestellt. Im letzten Jahr habe man mit der Tennisabteilung der SF Windach eine Spielgemeinschaft bilden müssen, um weiterhin an Punktspielen teilnehmen zu können. Zudem habe man in Stegen einen Freiplatz fürs Training angemietet.

Selbst ein Schreiben von Helmut Schmidbauer, dem Präsidenten des Bayerischen Tennisverbandes, konnte die Negativ-Entscheidung von Eichinger nicht beeinflussen. „Ebenso fand das Unterstützungsgesuch bei Joachim Herrmann, dem Bayerischen Staatsminister des Inneren, für Sport und Integration, kein Gehör“, bedauert der Tennis-Vorstand.
Dieter Roettig

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