Kein Bus nach München

Die RVO-Buslinie von der Marktgemeinde Dießen nach München über Riederau, Utting und Schondorf wird demnächst eingestellt. Dies teilte Bürgermeister Herbert Kirsch jüngst im Gemeinderat mit. Die Linie sei wegen ihrer geringen Auslastung höchst defizitär und es sei wirtschaftlich nicht sinnvoll, diese weiter zu betreiben, zitierte der Rathauschef aus einem Schreiben des Unternehmens. Bis auf die Orte Holzhausen und Greifenberg könnten die Bürger überall Alternativen nutzen wie etwa die neue Oberlandbahn.

Auch zeitlich habe der Umstieg auf die Bahn keine wesentlichen Nachteile. Ein Bürger, der etwa in Wengen wohnt, könne mit dem Dießener Ortsbus zum Bahnhof gelangen, von dort aus mit dem Zug nach München und sei nur etwa zehn Minuten länger unterwegs, rechnete Kirsch nach einem Blick in den Fahrplan vor. Seitens des Landsberger Landratsamtes bedauert man die geplante Einstellung der Buslinie, aber auch dort sieht man keine zwingenden Gründe, dagegen Einspruch zu erheben. Laut ÖPNV-Experte Dietmar Winkler nutzen von Dießen aus nur 3,2 Personen das Busangebot um 5.30 Uhr. In den folgenden Stationen Bierdorf, Riederau und Rieden steige meist niemand ein. An der Spitze liege Utting mit 6,4 Fahrgästen, in Schondorf seien es durchschnittlich drei. Der Dießener CSU-Gemeinderat Edgar Maginot betonte, dass anhand der geringen Fahrgastzahlen wohl jeder diese Maßnahme nachvollziehen könne. In diesem Zuge solle jedoch untersucht werden, ob nicht eine Buslinie von Dießen nach Herrsching eingerichtet werden kann. Im Büro der Dießener Touristinfo sei dies ein Dauerthema, und zwar sowohl bei Gästen als auch bei Bürgern aus dem Ort. Maginot ist gleichzeitig Vorsitzender des Fremdenverkehrs- und Verschönerungsvereins, der die Touristinfo in der Schützenstraße in Eigenregie betreibt. Eine Möglichkeit sei, den Bus, der morgens von Dießen nach Pähl fährt, über Fischen umzulenken, wo der Fahrgast dann weiter in die Buslinie Weilheim-Herrsching umsteigen könne, lautete der Vorschlag von Franz Sanktjohanser (OKD). Auch Hanni Baur (SPD) plädierte dafür, eine Busanbindung an die Herrschinger S-Bahn zu unterstützen. Gerade Eltern, die Kinder in der Ausbildung haben, müssten oft mit dem Auto einen Hol- und Bringdienst von und zur S-Bahn leisten. Baur verwies darauf, dass derzeit sogar eine zweite Nachtbuslinie anvisiert ist, die Dießen und Weilheim mit Herrsching verbindet. Die Gemeinderäte regten einstimmig eine Bedarfserhebung durch RVO oder Landratsamt an. Fundierte Argumente, die für einen Erhalt der Buslinie sprechen, wurden auch im Schondorfer Gemeinderat nicht angeführt. Ein bisschen wehmütig war es Marlene Orban (SPD) ums Herz. Sie erinnerte sich daran, dass die Buslinie zu einer Zeit eingerichtet wurde, als es zwischen 5 und 7 Uhr noch kein attraktives Angebot für Pendler gab, die um 7.30 Uhr in der Landeshauptstadt ihre Arbeit aufnehmen mussten. „Es tut mir sehr leid, aber die Zahlen sprechen eben für sich“, räumte Orban ein.

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