Kein Platz für Hanteln und Gewichte

Mehr wie ein Lager für antiquitierte Sportgeräte wirkt derzeit der Kraftraum im Landsberger Sportzentrum. Bis vor kurzem quälten sich hier noch die Athleten der Sportvereine. Foto: kb

Fitnessstudios sind hipp. Immer mehr derartiger Einrichtungen schießen überall aus dem Boden und buhlen um die Gunst zahlungskräftiger Kunden, die dem von der Gesellschaft vorgegebenen Schönheitsideal hinterherjagen. Viele Studios erinnern dabei eher an Wellness-Tempel denn an Muckibude, Sauna und Dampfbad zählen mittlerweile zur Standardausstattung. Von derlei Annehmlichkeiten ist der Kraftraum im Landsberger Sportzentrum weit entfernt. Die Sportvereine der Lechstadt ficht das jedoch nicht an. Sie sind dankbar für den kostenlosen Übungsraum, in dem ihre Athleten zusätzlich zum normalen Training an ihrer Fitness feilen können. Umso größer war die Bestürzung, als sie nun erfuhren, dass der Kraftraum endgültig abgeschafft werden soll.

In dem fensterlosen Raum, der mit seiner aluverkleideten, niedrigen Decke mehr Ähnlichkeiten mit einer Raumkapsel als einem Trainingsareal hat, stehen Geräte, über die man in modernen Fitnessstudios nur verächtlich die Nase rümpfen würde. Tatsächlich stammen manche der Stahlkonstruktionen wohl noch aus Zeiten, in denen ein gewisser Arnold Schwarzenegger die Bodybuilding-Szene dominierte. Ihren Zweck erfüllen sie jedoch auch heute noch mehr als redlich – bis vor ein paar Wochen. Seitdem prangt ein Schild an der Tür zum Kraftraum, das den Zugang verbietet. Bei Zuwiderhandlung drohe Hausverbot. Die Handballer des TSV Landsberg waren die ersten, die sich darüber öffentlich beschwerten, beeinträchtige die Schließung doch gravierend ihre Vorbereitung auf die neue Saison. Mittlerweile sind auch die Basketballer der DJK Landsberg wieder ins Training eingestiegen, und auch hier kann man das Vorgehen nicht verstehen. Deren 1. Vorsitzender, Horst Geiger, wandte sich nun per Brief an Oberbürgermeister Ingo Lehmann. In dem Schreiben fordert er das Stadtoberhaupt auf, „den Kraftraum als Trainingsstätte für den Breiten- und Leistungssport mit allen Mitteln zu erhalten.“ Sport treiben dürfe nicht zum Luxusgut für Besserverdienende werden, so der Vorsitzende, schließlich könne sich weder der Verein noch die Jugendlichen „den Besuch eines kommerziellen Sportstudios leisten“. Lehmann hat durchaus Verständnis für das Anliegen der Vereine. Dass der Kraftraum derzeit geschlossen ist, begründet er mit Auflagen des Bauamts, das einen fehlenden Fluchtweg bemängelt habe. Eine Verlegung der Geräte zurück in den Raum neben der FUN-Geschäftstelle, wo der Kraftraum zuvor untergebracht war, schloss Lehmann aber aus. Dieser diene mittlerweile als Lager für die kulturellen Veranstaltungen im Sportzentrum. Zu viel Kultur? Dass Kultur dem ursprünglichen Zweck der Sporthalle mittlerweile den Rang abgelaufen haben, sieht Lehmann durchaus als Problem. Auch aus diesem Grund habe er im vergangenen Jahr versucht, die Idee einer Stadthalle auf dem ehemaligen MiniMal-Gelände an der Augsburger Straße voranzutreiben. „Leider hat sich der Stadtrat dagegen entschieden.“ Ganz vom Tisch ist das Projekt allerdings nicht. „Wir suchen weiter nach einer Lösung. Ich denke, dass sich da mittelfristig etwas ergeben wird.“ Den Vereinen will Lehmann schon jetzt entgegenkommen. Der Kraftraum soll baldmöglichst in eine andere Sporthalle verlegt werden. Wohin genau eruiere derzeit das FUN, so der OB. Im Gespräch sei die Isidor-Hipper-Halle. Eines steht aber jetzt schon fest. Ganz kostenlos wie bisher kommen die Vereine nicht mehr in den Genuss der städtischen Muckibude: „Wir werden für die Nutzung einen Betrag erheben, der in etwa den Hallengebühren entspricht.“

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