Gemeinde will Trägerschaft nicht übernehmen

Kein Wildnishort für Schondorfs Kinder?

Naturspielplatz für Kinder
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Falls sich ein Träger findet, könnte in Schondorf mit Unterstützung der Gemeinde ein Wildnishort als lehrreicher Naturspielplatz für Schulkinder entstehen.
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Schondorf – Es klang verlockend, was die Biologin und Umwelt-Pädagogin Dr. Barbara Deubzer im November dem Jugend-, Schul- und Kindergar­tenausschuss präsentierte: Aufbau eines Wildnishortes, um die Naturverbindung der Kinder zu fördern. Dabei sollten ihnen spielerisch Naturschutz, Artenkunde, Ökologie, nachhaltiger Anbau, Ernten und Säen und viele weitere Naturaspekte näher gebracht werden. Das Konzept nahm der Ausschuss sehr positiv auf. Man wollte sich Gedanken darüber machen und erneut beraten. Das Ergebnis bei der aktuellen Sitzung: Es wird keinen gemeindlichen Wildnishort in Schondorf geben.

Einstimmig lehnte der Rat eine mögliche Trägerschaft durch die Gemeinde ab. In der Begründung hieß es, das vorgelegte Projekt sei noch zu wenig konkret ausgereift. Außerdem müsse man sich jetzt auf die geplante neue Kindertagesstätte konzentrieren und keine Nebenschauplätze auftun. Skeptisch äußerste sich Simon Springer (CSU) über das Konzept, für das die Gemeinde einen gewaltigen Spagat hinlegen müsste. Helga Gall (Grüne) könnte sich einen Wildnishort gut vorstellen, aber nicht in einer sicherlich problematischen Trägerschaft von Gemeinde und Landratsamt, wie es in dem Konzept heißt. Bettina Hölzle (CSU) beanstandete ebenfalls noch zu viele unsichere Punkte – beispielsweise die Hausaufgabenbetreuung und die Schulabholung der Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse. Diese Verkehrshaftung sah auch Marius Polter (Grüne) angesichts der sicher dünnen Personaldecke skeptisch. Er sprach sich lieber für eigene päda­gogische Naturkonzepte in den neuen Kita-Gruppen aus.

Bettina Hölzle und Simon Springer regten an, die Antrag­stellerin solle einen provisorischen Wildnishort als Ferienpro­jekt für Kinder auf die Beine stellen. So könne man die Nachfrage bei den Eltern testen und gleichzeitig Arbeitsweise der Erzieher*innen und das Feedback bei den Kids beobachten. Für die Genehmigung einer Ferien-Testphase sprach sich der Ausschuss einstimmig aus.

Aus dem Nein für einen Wildnishort in gemeindlicher Trägerschaft könnte aber vielleicht ein unterstützendes „Ja“ werden. Wenn nämlich Barbara Deubzer einen Träger findet oder den Wildnishort in eigener Regie und Verantwortung aufbaut und betreibt. Dann wäre die Gemeinde laut der aktuellen Abstimmung bereit, ein geeignetes Grundstück zur Verfügung zu stellen und bei der Ausstattung finanziell behilflich zu sein.

Für den Aufbau des Horts werden rund 80.000 Euro benötigt, wobei ein speziell ausgestatteter Bauwagen mit Ofenheizung der teuerste Posten ist. Der wird für schlechtes Wetter und für die Hausaufgaben dringend benötigt, ebenso wie eine Pfadfinderjurte als Lehrraum. Dazu kommen unter anderem noch ein Glas­gewächshaus, ein Gartenhäuschen, Material für Hochbeete, Tische und Bänke sowie Werkzeuge. Für „kleine und große Geschäftchen“ dienen Trocken­toiletten, die sich bereits in Waldkindergärten bewährt haben. Nicht zu vergessen die Gehälter für eine Erzieherin mit fachlich koordinierenden Aufgaben und zwei Wildnispäda­goginnen.

Barbara Deubzer ist mit ihrer in Schondorf beheimateten Wildnisschule „Wir – Kinder der Erde“ eine anerkannte Kapazität auf ihrem Gebiet und veranstaltet für Erwachsene diverse Ausbildungsseminare für Wildnis- und Erlebnispädagogik. Letztes Jahr wurde sie vom Umweltministerium mit dem Gütesiegel „Umweltbildung Bayern“ ausgezeichnet. Neben ihren pädagogischen Zielen im Wildnishort ist ihr eines wichtig: „Die gesundheitliche Förderung des Draußen-Seins und die körperliche Fitness durch die Waldkindergärten sind hinreichend bekannt.“

Der Hort will allen Kindern offen stehen und auch das gemein­schaftliche Miteinander über Konfessionsgrenzen hinweg fördern. Die Verpflegung der Kinder soll über ein Bio-Cate­ring erfolgen. Zweimal die Woche dürfen sie an einer Feuerstelle selbst brutzeln und kochen. Dazu gibt es selbst angebaute Salate und Kräuter aus den eigenen Hochbeeten. Trinkwasser wird durch gekauftes Flaschenwasser bereitgestellt. Nach dem Mittagessen und Aufräumen findet die eineinhalbstündige Hausaufgabenzeit statt. Die Betreuungszeiten sind von Montag bis Freitag von 11 bis 16 Uhr geplant. In den Ferien wäre eine Betreuung der Schulkinder von 8 bis 16.30 Uhr gewährleistet.

Auf dem Programm stünden auch Exkursionen zu Biotopen, Wäldern und Trockenwiesen oder zu Imkern. In Themenwochen werden unterschiedlichste Bereiche wie Medienkonsum, Gewalt und Konflikte oder Suchtmittel mit Experten behandelt. Dazu sind auch die Eltern eingeladen.

Klingt in der Theorie sehr plausibel. Fehlt nur noch eine geeignete Trägerschaft. Laut dem Jugend-, Schul- und Kindergartenausschuss würde die Gemeinde Schondorf dann das Projekt unterstützen.

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