Keine Antworten auf die China-Frage

Eigentlich wollte der Gemeinderat nur den Auftrag für die anstehenden Arbeiten im Baugebiet „An der Rees I“ vergeben – wer hätte gedacht, dass die Entscheidung letzten Endes in einer Debatte über Menschenrechte in China endet? Den Räten warf sich nämlich die Frage auf, ob sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren können, aus Kostengründen Granit-Importware aus China zu verwenden oder nicht.

Die China-Frage wurde erst einmal bis zur nächsten Sitzung vertagt. Schnell einig war man sich jedoch, der Tiefbaufirma Strommer den Auftrag für die Bauleistungen „An der Rees I“ „bis Oberkante Bitumkies“ zu erteilen und den Baubeginn auf Frühjahr nächsten Jahres zu verschieben. Grund: Bei einem späteren Start verlangt die Baufirma rund 5000 Euro weniger als bei einem Baubeginn noch im September. 6700 Euro billiger Die Lechraingemeinde hatte sich von den Firmen aber nicht nur den Vergleich für zwei verschiedene Bauzeiten geben lassen, sondern auch Alternativangebote für Importware statt deutschem Granit. Sowohl für die Ausführung mit deutschem Granit als auch im Falle von Importgranit habe Strommer von den insgesamt sechs Unternehmen das billigste Angebot abgegeben, erklärte Diplom-Ingenieur Kurt Kummer. „Mit dem Granit aus China würde die Gemeinde um mehr als 6700 Euro billiger wegkommen.“ In punkto Qualität sah Ingenieur Kummer keinen Nachteil und empfahl der Gemeinde Reichling daher diese Variante zum Gesamtpreis von 112427 Euro. Zusammen mit der Kostenreduzierung durch den späteren Baubeginn könnten dann insgesamt mehr als 11500 Euro eingespart werden, rechnete er weiter vor. Doch während sich alle einig waren, die Bauzeitenverschiebung auf jeden Fall mitzunehmen, da ohne großen Aufwand die Kosten gesenkt werden könnten, wurden bei der Frage ob nun China-Ware oder nicht so einige Bedenken laut. Gemeinderat Hubert Frankl regte die Diskussion an: „In China werden unter unmenschlichen Verhältnissen die Steine vorbereitet – das bereitet mir Bauchschmerzen.“ Beim Bayerwald-Granit indes wären deutsche Arbeiter beteiligt. Ausgeglichen Bürgermeisterin Margit Horner-Spindler gab Frankl diesbezüglich Recht, wies aber auch darauf hin, dass mit 112427 Euro der Haushaltsansatz bereits überschritten würde. Die Gemeinde hatte im Haushalt zunächst mit Kosten in Höhe von 100000 Euro kalkuliert. Allerdings kamen gleichzeitig die Arbeiten an der Rees II, dem zweiten Abschnitt des Baugebiets, etwas günstiger als erwartet, so dass sich die Kosten für das Baugebiet insgesamt damit in etwa ausgleichen. Gemeinderat Joseph Heitmeir plädierte ebenfalls für den Bayerwald-Granit, mit dem Argument: „Das Geld bleibt dann in Deutschland“. Franz Sepp wollte sich die China-Sache noch-mals überlegen und bat eindringlich darum, die Entschei- dung zu vertagen – was dann auch geschah. „Wichtig ist, dass man in dieser Richtung ein bisschen umdenkt,“ unterstrich Frankl.

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