»Das Papierbach-Projekt läuft gut«

Papierbach: Bericht des Investors im Stadtrat

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Stefan Klein, Michael Ehret und Mathias Neuner (von links) bei der Eröffnung des Aussichtsturms auf das Pflugfabrikgelände.

Landsberg – Nein, das Papierbach-Projekt stockt nicht; es läuft wie vorgesehen und ist im Zeitplan. Nein, es gibt keine Überlegungen, das Areal wieder zu verkaufen; „wir bleiben Ihnen erhalten“. Nein, wir halten die Stellplatzsatzung ein; auf einen Rabatt spekulieren wir nicht. Das waren drei Kernsätze von Investor Michael Ehret in der Stadtratssitzung am vergangenen Mittwoch zum „Urbanen Leben am Papierbach“.

Dass diese Aussagen nötig waren, lag vor allem an der Landsberger Gerüchteküche, die sogar in der Tagespresse Widerhall fand. Viele Beobachter hatten den Eindruck, dass auf dem Gelände gar nichts mehr stattfindet. Michael Ehret führte daher als erstes einen Zeitraffer-Film der Webcam vor. Er zeigte: Doch, da bewegt sich was.

Wenn diese Bewegung auch manchmal nur darin besteht, dass „Haufen von links nach rechts gefahren werden“, wie Ehret formulierte. Der Projektentwickler sei verpflichtet, eine „sortenreine Entsorgung“ vorzunehmen – „und das wollen wir auch so“. Dazu sei ehret + klein mit dem Landratsamt in „extrem intensiver Abstimmung“.

Zuvor habe das Unternehmen 12.100 Kubikmeter an Gebäudesubstanz abreißen und 1.380 LKW-Ladungen mit 33.000 Tonnen Aushub abfahren lassen. Anschließend habe man 20.400 Kubikmeter Erde ausgehoben; erneut gab es 1.350 LKW-Ladungen mit insgesamt 36.600 Tonnen Erde, die das Areal verließen, meist zu verkehrsschwachen Zeiten.

Es sei aber auch schon mehr als eine Baugrube zu sehen. „Wir haben als erstes den Papierbach kanalisiert“, dann die Sanierung der Wassergasse in Angriff genommen. Es gebe bereits eine Musterfläche für Außenanlagen, Asphalt und Bäume - dort teste ehret + klein die Materialien, die später zum Einsatz kommen sollen.

Der Investor bleibt

Das Projekt ist nicht verkauft und es wird auch nicht verkauft“, sagte Ehret dann sehr deutlich. Es gebe natürlich wie vorgesehen einzelne Baufeld-Verkäufe innerhalb des Areals. Aber der Investor bleibe wie geplant.

Abseits vom Baugebiet geschehe eine Menge. Die Finanzierung durch die Bayerische Landesbank und die Sparkasse Landsberg-Dießen stehe. Für das Energieversorgungskonzept laufe ein Bieterverfahren, an dem auch die Stadtwerke Landsberg teilnähmen; dabei gehe es um die Versorgung des gesamten Gebiets mit Energie. Vorgabe sei, dass über 70% aus regenerativen Quellen stammen sollen.

Auch die Vermarktung der ersten Wohnungen in den Baufeldern nahe der von-Kühlmann-Straße laufe gut an. „Wir haben viele Reservierungen und sehr sehr viele Anfragen. Da ist reger Betrieb.“ Der Schwerpunkt liege im Moment darauf, Interessenten aus der Stadt und der Region zu informieren. Die Vertragsabschlüsse erfolgen aber erst, wenn die Baugenehmigungen vorliegen. Auch mit einem potentiellen Hotelbetreiber sei man bereits in guten Gesprächen.

Das Projekt sei auch „noch“ im Zeitplan. Der Hochbau im Baufeld B2 starte im Februar oder März 2019. Bezugsfertig seien die Wohnungen 18 Monate später. Das letzte Eigentum von Vorbesitzer Heinz Pöttinger werde 2021 übernommen. „2024 ist die gesamte Maßnahme abgeschlossen.“

Ehret bestätigte den Bericht des KREISBOTEN vom gleichen Tag, dass der Erhalt des Schrem-Baus wegen der Energieeinsparverordnung, der Bauphysik und des Brandschutzes erhebliche Probleme bereitet. „Wir versuchen unser Bestes“. Die Baumaterialen seien nicht nur oberflächlich, sondern weit in die Tiefe hinein kontaminiert. „Das müssen wir alles beseitigen. Wir haben dann am Ende nur noch Stahlmatten und keinen Beton mehr.“

Dennoch sollen „Haptik und Art“ des Gebäudes erhalten bleiben. „Es kann sein, dass wir einen Teil der Struktur rückbauen und neu aufbauen müssen.“ Daher trenne ehret + klein nun den Bauantrag des Kopf- und Zwischenbaus ab; darüber soll die Verwaltung zuerst entscheiden. Für das Bestandsgebäude gebe es dann einen gesonderten Bauantrag. „Ich gehe davon aus, dass wir bis Juli oder August eine Lösung haben, die wir dann am 26. September im Stadtrat vorstellen.“

Ehret erklärte auch, dass sein Unternehmen nicht auf Befreiungen von der Stellplatzsatzung spekuliere. Er wisse zwar, dass die Stadt solche Befreiungen generell im Hinblick auf Elektromobilität prüfen lasse; dennoch sehe die Planung vor, dass das Projekt den derzeit geltenden Rechtsrahmen einhält.

Ehret führte abschließend einen simulierten Drohnenflug durch das Gelände vor; in diesem Film sieht man die einzelnen Gebäude in ihrer durch die Architektenwettbewerbe festgelegten Gestaltung. Nur die Kindertagesstätte ist noch als unkonturierter Block zu sehen – „Sie wissen, warum“. Der Hintergrund: Der Stadtrat hatte entschieden, dass die Stadt dieses Gebäude selbst errichtet. Das Wettbewerbsergebnis darf sie dazu wohl nicht verwenden (der KREISBOTE berichtete).

Stadtrat Stefan Meiser (ÖDP) stellte am Ende, durch allerlei sprachliche Windungen verbrämt, die Gretchenfrage: „Herr Ehret, sind Sie noch optimistisch?“ Ehret nahm die Frage dankbar auf. „Wir haben schlaflose Nächte. Aber nur weil wir so viel arbeiten. Aus Sorge keinesfalls.“ Auch Oberbürgermeister Mathias Neuner betonte: „Das Papierbach-Projekt läuft gut“. Die Stadträte nahmen das erfreut zur Kenntnis; es hätte ja auch anders kommen können.

Werner Lauff

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