Gemeinde zögert noch mit Bekanntgabe

Dießener Töpfermarkt fällt ins Wasser

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Enger Kontakt ist beim Dießener Töpfermarkt unvermeidlich. Ob das Keramik-Event im September stattfinden kann, will die Gemeinde demnächst bekanntgeben.

Dießen – Im Wahlkampf hatte Sandra Perzul Transparenz und Bürgernähe versprochen. Beim Reizthema „Töpfermarkt in Corona-Zeiten“ allerdings mauert Dießens neue Bürgermeisterin. Dass dieses für die gesamte Gemeinde so wichtige Thema bei der aktuellen Ratssitzung hinter verschlossenen Türen behandelt wurde, ärgerte nicht nur Gemeinderat Michael Lutzeier (Die Partei), der als einziger seine Verwunderung öffentlich aussprach. Bei Redaktionsschluss (Dienstag 12 Uhr) scheint die Absage jedoch sicher zu sein.

Denn von Seiten der Bundesregierung und der Länder gibt es im Gegensatz zur Dießener Rathausspitze eine klare Ansage: Großveranstaltungen bleiben grundsätzlich bis mindestens Ende Oktober 2020 untersagt. Dies gilt insbesondere für Termine, bei denen Kontaktverfolgung und Einhaltung der Hygienevorschriften nicht möglich sind. Das trifft ziemlich sicher auf den Dießener Töpfermarkt zu, der normalerweise Zehntausende in die Seeanlagen lockt. Trotzdem konnte man sich noch nicht zu einer offiziellen Absage des Ausweichtermins (10. bis 13. September) durchringen. Unter anderem, so der Flurfunk, weil Marktleiter Wolfgang Lösche in Urlaub ist. Es werde in Kürze dazu eine Pressemitteilung geben, so die abschließende Auskunft an die Besucher der Sitzung. Dem Vernehmen nach wird darin die endgültige Absage bestätigt.

Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, wollten die Befürworter des Ausweichtermins die Entscheidung hinauszögern, obwohl sie ihnen von oberster Stelle eigentlich abgenommen wurde. Verständlich, denn Süddeutschlands größter Töpfermarkt ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor für die Marktgemeinde und die internationale Keramiker-Community. Ob beim Ausweichtermin aber so viele Besucher wie üblich gekommen wären, darf bezweifelt werden. Das Schuljahr hat dann bereits begonnen. Und Reisen in Coronazeiten steht nicht an erster Stelle.

Die Frage, die laut Rathaus-Geschäftsleiter Karl Heinz Springer zu klären gewesen wäre: Gilt das Verbot von Volks- und anderen Dorffesten auch für den Töpfermarkt? Viktualienmärkte für den täglichen Bedarf sind ja erlaubt. Das trifft aber nicht auf einen Markt zu, der Tassen und tönerne Kunstwerke anbietet, die nicht lebenswichtig sind – hingegen überlebenswichtig für die Keramiker.

Die Einhaltung gewisser Auflagen sei schwer, aber grundsätzlich zu stemmen, hatte Springer noch vermutet. Die Anzahl der gleichzeitigen Besucher wollte er über Einlasskontrollen reduzieren, um engen Kontakt zu vermeiden. Die Stände hätte man großzügig über das gesamte Gelände verteilt. Anstatt Dixie-Klos wären Toilet­ten-Wagen mit Wasch- und Desinfektionsmöglichkeiten aufgestellt worden. Und ein Mund-Nase-Schutz wäre verpflichtend gewesen.

Wie aber hätte man die Kontakt­verfolgung bei einer möglichen Ansteckung regeln sollen? Ein Formular nützt hier wenig, da die Besucher über das gesamte Gelände bummeln. Oder wäre die Corona-App asl Ticket gültig?

Problematisch wäre zudem die Organisation der Parkplätze und Bewirtungsstände gewesen, die jedes Jahr Dießener Vereine übernommen haben. Beim Ausweichtermin im September müssten die freiwilligen Helfer zwei Tage Urlaub nehmen.

Über 150 deutsche und internationale Werkstätten von Gebrauchs- und Kunstkeramik hatten sich ursprünglich für den 20. Dießener Töpfermarkt angemeldet. Viele davon wären auch zum Ausweichtermin im September an den Ammersee gekommen. Das komplette Angebot wird es erst wieder beim Töpfermarkt im kommenden Jahr geben – regulär vom 13. bis 16. Mai.
Dieter Roettig

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