Dießen gibt noch nicht auf!

Fällt der Töpfermarkt am See in diesem Jahr ins Wasser?

+
Enger Kontakt ist beim Dießener Töpfermarkt unvermeidlich. Ob das Keramik-Event im September trotz Verbot von Großveranstaltungen stattfinden kann, will die Marktgemeinde zeitnah verkünden – nach der nichtöffentlichen Ratssitzung am Montag.

Dießen – Von der Bundesregie­rung und den Ländern gibt es eine klare Ansage: Großveranstaltungen bleiben grundsätzlich bis mindestens Ende Oktober 2020 untersagt. Dies gelte insbesondere für solche Veranstaltungen, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung der Hygienevorschriften nicht möglich seien. Wie beim Dießener Töpfermarkt, zu dem normalerweise Zehntausende in die Seeanlagen strömen. Trotzdem zögert die Marktgemeinde eine klare Absage für den Ausweichtermin (10. bis 13. September) hinaus. Im nichtöffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung am kommenden Montag will man sich diesbezüglich nochmals beraten.

Ob dann eine endgültige Entscheidung fallen wird, ist allerdings fraglich. Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, wollen die Befürworter des Ausweich­termins bis Mitte Juli warten. Irgendwie verständlich, denn Süddeutschlands größter Töpfer­markt ist ein ganz wesentlicher Wirtschaftsfaktor für die Marktgemeinde und die interna­tionale Keramiker-Community. Ob, wie beim ursprünglichen Mai-Termin, allerdings so viele Besucher nach Dießen kommen werden, muss bezweifelt werden, da das Schuljahr dann bereits begonnen hat.

Die Frage, die laut Rathaus-Geschäftsleiter Karl Heinz Springer zu klären sei: Gilt das Verbot von Volks-, Kirmes-, Stadt- oder Dorffesten sowie Freizeit-Events auch für den Töpfermarkt? Denn die Definition eines „Marktes“ sei unklar. Viktualienmärkte für den täglichen Bedarf sind natürlich erlaubt. Trifft das aber auch für einen Markt zu, der Tassen und tönerne Kunstwerke anbietet, die allesamt nicht lebenswichtig sind, sicher aber überlebenswichtig für die Keramiker?

Die Einhaltung gewisser Auflagen sei laut Springer schwer, aber grundsätzlich zu stemmen. Man müsste die Anzahl der gleichzeitigen Besucher über Einlasskontrollen reduzieren, um engen physischen Kontakt zu vermeiden. Die Stände würde man großzügig über das gesamte Gelände der Seeanlagen verteilen. Anstatt Dixie-­Klos würden Toiletten-Wagen mit Wasch- und Desinfektionsmöglichkeiten für die Besucher aufgestellt. Auf dem Gelände herrschte Maskenpflicht. Sicherheit und Gesundheit von Ausstellern und Besuchern stünden an oberster Stelle.

Wie aber will man die Kontaktverfolgung bei einer möglichen Ansteckung regeln? Ein Formular nützt hier wenig, da die Besucher über das gesamte Gelände bummeln. Oder kommen nur Besucher mit der Corona-App auf ihrem Smartphone in das Gelände? Fragen über Fragen, die Bürgermeisterin Sandra Perzul und Karl Heinz Springer vom Bayerischen Innen- und Wirtschaftsministerium sehr zeitnah geklärt haben wollen. Mit der frühzeitigen Absage müsse man den Keramikern sowie den Hotels und privaten Vermietern Planungssicherheit geben und unnötige Kosten vermeiden.

Problematisch würde nach Ansicht Springers auch die Orga­nisation der Parkplätze und Bewirtungsstände, die jedes Jahr die Dießener Vereine übernommen haben. Beim bislang angedachten Ausweichtermin vom 10. bis 13. September müssten die freiwilligen Helfer zwei Tage Urlaub nehmen.

Über 150 deutsche und inter­nationale Werkstätten und Aussteller von Gebrauchs- und Kunstkeramik hatten sich ursprünglich für den 20. Dießener Töpfermarkt angemeldet. Die meisten davon würden auch zum Ausweichtermin an den Ammersee kommen. Ob das klappen wird, liegt letztendlich an der Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung.
Dieter Roettig

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gefälligkeitsatteste: Kripo ermittelt gegen Kauferinger Arzt
Gefälligkeitsatteste: Kripo ermittelt gegen Kauferinger Arzt
Christkindlmarkt Landsberg: noch keine Absage
Christkindlmarkt Landsberg: noch keine Absage
Dießener Seeanlagen: Tempo ist angesagt
Dießener Seeanlagen: Tempo ist angesagt
Radwegenetz im Landkreis Landsberg wächst
Radwegenetz im Landkreis Landsberg wächst

Kommentare