Gelegenheit macht Diebe

Unwiderstehlich: 21.500 Euro aus einer Handtasche geklaut

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Zwei Wochen Jugendarrest für eine 21-Jährige, nachdem sie 21.500 Euro aus einer Handtasche gestohlen hat.

Landsberg – Der Vorwurf wiegt schwer: 21.500 Euro soll eine zum Tatzeitpunkt 20-Jährige aus dem Landkreis aus einer Handtasche gestohlen haben. Trotzdem entschieden sich Richter Alexander Kessler und seine beiden Schöffen gegen eine Jugendstrafe. Stattdessen sollen zwei Wochen Dauerarrest ausreichen, um die Angeklagte von zukünftigen Straftaten abzuhalten.

Sichtlich nervös war die mittlerweile 21-Jährige vor dem Amtsgericht Landsberg. Mehrmals brach sie in Tränen aus. Den Tatvorwurf des Diebstahls hat sie gleich zu Beginn der Verhandlung vollumfänglich eingeräumt. So erzählte sie, dass sie im Juli vergangenen Jahres zusammen mit ihrem damals 22-jährigen Freund in einem Geschäft in Fürstenfeldbruck war. Sie machte ihn auf eine herrenlose Handtasche in einem Regal aufmerksam. Ihr Freund entnahm einen Geldbeutel und die beiden verließen das Geschäft.

Im Auto haben sie dann in das Portemonnaie geschaut. „Es waren nur etwa zwei Euro drin“, berichtete die Angeklagte. Ihr Freund ging daraufhin zurück in den Laden, um den Geldbeutel wieder in die Tasche zu legen. Zurück kam er mit zwei Briefkuveren, die er ebenfalls in der Tasche gefunden hatte. Darin waren 21.500 Euro. „Wir sind durchgedreht, weil wir noch nie so viel Geld hatten“, gesteht die 21-Jährige.

Von dem Geld haben sie sich vier Luxusuhren, Schmuck und Kleidung gekauft. Auch einen Urlaub auf Kreta haben die beiden gleich am nächsten Tag gebucht. Sieben Tage. Vier Sterne. Zeitvertreib mit Quadfahren und Wassersport. Rund 16.000 Euro hat das mittlerweile getrennte Pärchen insgesamt ausgegeben.

Bei ihrer Ankunft am Flughafen in München wurden die beiden von der Polizei verhaftet, weil sie bei ihrer Tat von einer Kamera aufgezeichnet wurden. Bei der späteren Wohnungsdurchsuchung konnten noch gut 6.100 Euro sichergestellt werden.

Der 23-Jährige musste bis zum Urteil für sechs Monate in U-Haft. Er war schon mehrfach vorbestraft. Bei seiner Verhandlung in München wurde er nach einem Berufungsverfahren zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Zudem wurde ihm auferlegt, 9.000 Euro in Raten von 150 Euro pro Monat zurückzuzahlen. Bisher hat er das noch nicht gemacht. Er habe noch kein Konto, gab er vor Gericht an. Außerdem arbeite er Schicht und würde dem nicht jeden Tag nachlaufen wollen. Richter Kessler machte ihm klar, dass die Berufung auch zurückgenommen werden kann, wenn er nicht zahlt. Die Antwort des 23-Jährigen: „Das mach‘ ich schon noch.“

Die Angeklagte war ihrem Ex-Freund voraus. Sie hat vor der Verhandlung mit den Geschädigten vereinbart 6.000 Euro zurückzuzahlen – was sie mit Hilfe ihrer Oma auch sofort getan hat. Richter Kessler sagte dennoch deutlich, dass die 21-Jährige nicht um einen Arrest herumkommen werde.

Staatsanwältin Yvonne Möller sprach sich in ihrem Urteil gegen eine Jugendstrafe aus. Die Angeklagte habe keine Vorstrafen, sie sei geständig, reumütig und man müsse nicht von weiteren Straftaten ausgehen. Zudem habe sie vorab schon den Täter-Opfer-Ausgleich bezahlt. Sie forderte vier Wochen Arrest, 80 Stunden soziale Hilfsleistungen und ein Sozialkompetenztraining. Hinzu komme noch, dass sie die restlichen knapp 400 Euro, die noch ausstünden, um das gestohlene Geld komplett zu begleichen, übernehme.

Der Verteidiger Peter Amend plädierte für eine Jugendstrafe – und somit eine höhere Strafe. „Eine Freiheitsstrafe auf Bewährung wäre mir lieber.“ Der Gedanke an einen Arrest würde seine Mandantin extrem belasten. Zudem trete sie in einer Woche eine neue Stelle an. Der Vertrag sei schon unterschrieben. Mit einem Arrest sei diese in Gefahr. Seine Mandantin sehe ein, dass sie Mist gebaut hat. „Ich bin mir sicher, dass wir sie vor Gericht nicht wieder sehen werden.“

Der Vorsitzende und die beiden Schöffen folgten schließlich der Staatsanwaltschaft, verkürzten aber auf zwei Wochen Dauerarrest. Aufgrund der hohen Schadenssumme komme man da nicht drumherum. Richter Kessler glaube ebenfalls, dass die 21-Jährige keine weiteren Straftaten begehe. „Aber nicht nur Gelegenheit macht Diebe – auch der Umgang mit bestimmten Personen macht Diebe.“ Ihr Exfreund, der im Zuschauerbereich saß, gab daraufhin ungefragte Kommentare ab. Richter Kessler verwies ihn des Sitzungssaals. Mit dem Satz „So ein Affentheater“ knallte der junge Mann die Türe hinter sich zu.

Den Sozialkompetenzkurs, den die Angeklagte machen muss, erklärte der Vorsitzende wie folgt: „Ich habe nicht den Eindruck, dass Ihnen das Selbstbewusstsein aus den Ohren kommt.“ Sie sei jemand, der leicht beeinflussbar sei und gefallen wolle.

Richter Kessler machte aber auch deutlich, dass die Tat sehr verwerflich sei. Das Geld habe ein Ehepaar, dass nach Kroatien ausgewandert ist, von der Bank geholt, um sich den Lebensabend zu finanzieren. Die Angeklagte und ihr Freund hätten es dann für Luxusartikel rausgeschmissen.

Stephanie Novy

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