Flüchtlinge im Stadtgebiet

Doppelpack: Asyl und Sozialwohnungen

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Verteilung der Flüchtlingsunterkünfte im Stadtgebiet soll gerechter werden. Zum Wohncontainer an der Münchener Straße kommen im Osten Landsbergs weitere hinzu.

Landsberg – Die Stadt, der Landkreis, die Regierung von Oberbayern, das Staatliche Hochbauamt und die „Immobilien Bayern (IMBY)“ haben am Montag und Dienstag in drei Besprechungen über die geplanten Unterkünfte für Flüchtlinge und Asylbewerber beraten und dabei auch Festlegungen für neue Sozialwohnungen getroffen.

Eigentlich hätte der Stadtrat auf Antrag des Landratsamts bereits Ende Januar das gemeindliche Einvernehmen zur Verdoppelung der Container in der Iglinger Straße erklären sollen. Allerdings waren viele Fragen noch ungeklärt. Insbesondere fehlte ein Konzept für die gesamte Stadt. Im Vorfeld der Sitzung einigten sich die Mitglieder des Gremiums und Oberbürgermeister Mathias Neuner daher darauf, den Punkt zu vertagen, um ein solches Konzept zu entwickeln und mit den beteiligten Behörden zu erörtern.

Diese Entscheidung wurde auch dadurch geprägt, dass eine Massierung der Asylplätze im Landsberger Westen drohte. Zusätzlich zu den 120 Plätzen in der Iglinger Straße waren 150 Betten im Kemet-Gebäude an der Ecke Robert-Bosch-/Rudolf-Diesel-Straße geplant. Kurz vor der Sitzung wurden zudem die Idee der Regierung von Oberbayern bekannt, an der Birkenstraße eine weitere Unterkunft für 90 Flüchtlinge zu bauen. 360 Personen in unmittelbarer räumlicher Nähe, quasi in Sichtweite, das war Stadtrat und Oberbürgermeister deutlich zu viel.

In der Folgezeit arbeiteten der Asylbeauftragte des Stadtrats, Jost Handtrack (Grüne), und die Verwaltung intensiv an Alternativen. Dabei zeigten die Vertreter der Stadt in einem separaten Gespräch mit IMBY auch auf, welche Gebiete sie städtebaulich weiterentwickeln wollen; dazu gehört das bislang ausgesparte Areal, das durch die Ahornallee, die Birkenstraße und die Ulmenstraße begrenzt wird. Pläne hat die Stadt aber auch für die Pfettenstraße; hier sollten langfristig Sozialwohnungen entstehen.

Wohnungsbaupaket

Diese Vorhaben haben die Gesprächspartner der Stadt offenbar positiv bewertet, denn in den beiden Tagen ist gelungen, was zuvor monatelang in der Schwebe war. Dies sind die Ergebnisse der Beratungen:

• In der Pfettenstraße wird das dem Freistaat Bayern gehörende Grünland überplant und bebaut. Die Stadt will dazu noch 2016 Baurecht schaffen. Die SoBoN-Richtlinie wird angewendet. Bauherr wird der Freistaat sein. Geplant ist eine zweistufige Bebauung. Bauabschnitt 1 soll zügig in die Planung gehen. Zwischen 30 und 60 Prozent der Wohnungen sollen Sozialwohnungen sein. Wenn die Tennisplätze im Jahr 2022 wegfallen, soll auch der westliche Bereich bebaut werden. Auch dort sind in ähnlichem Umfang Sozialwohnungen geplant. Für alle Sozialwohnungen liegt das Belegungsrecht bei der Stadt. Die Wohnungen stehen Neu- und Altbürgern zur Verfügung.

• Auch in der Birkenstraße soll eine langfristige Bebauung erfolgen – 2017 soll dazu ein neuer Bebauungsplan verabschiedet werden. Ziel ist eine gemischte Nutzung – Einheimischenmodell, freier Markt und Sozialwohnungen sollen gleichermaßen angewendet werden. Die IMBY lässt sich damit auf einen Plan ein, den die Stadt schon lange hatte, aber nicht verwirklichen konnte, weil die Einwilligung des Freistaats als Eigentümer fast aller Grundstücke fehlte.

Verteilte Asylunterkünfte

Zur Unterbringung von Asylbewerbern soll der Stadtrat ein Gesamtpaket für 690 Plätze beschließen. Die Zahl der Container in der Iglinger Straße wird auf 120 erhöht; es wird angestrebt, dort wieder Eritreer anzusiedeln. An dieser Stelle entsteht aber keine Ballung mehr: Das ehemalige Kemet-Gebäude  an der Ecke Robert-Bosch-/Rudolf-Diesel-­Straße wird nicht genutzt und die Pläne an der Birkenstraße sind vom Tisch.

Nördlich des Altöttinger Weihers  sollen auf einem Gelände des Bundes 100 Personen in Containern untergebracht werden. Ebenso sollen 100 Containerplätze im Norden der Schwaighofsiedlung  oberhalb vom alten Sägewerks vor der Durchfahrt der Autobahn geschaffen werden.

Die Nutzung des Gebäudes an der Ohmstraße ist wieder fraglich. Geplant war, dort in Form einer Not-Erstaufnahmeeinrichtung 500 Flüchtlinge unterzubringen. Die Stadt hofft nach wie vor darauf, dass dies möglich ist; dann könnten andere Standorte wegfallen, denn die 500 Plätze würden angerechnet. Bewohner einer Erstaufnahmeeinrchtung bleiben nur für kurze Zeit und werden dann auf andere Bundesländer und Landkreise verteilt.

In der Pfettenstraße werden auf dem Gebiet des zweiten Bauabschnitts Container für 100 Personen entstehen. Am Wiesengrund entstehen hinter dem Bahnübergang Container für 90 Personen. Zusätzlich werden wie bereits geplant 90 Flüchtlinge im Tauscher-Gebäude  in der Hermann-Köhl-­Straße untergebracht. Ebenfalls bleibt es bei den 100 Plätzen im Hochbauamt.

Im Landsberger Osten sollen in der Nähe des Fachmarktzentrums  auf einem städtischen Grundstück Container für 90 Plätze aufgestellt werden. An der Ortseinfahrt von Weilheim  sollen auf der rechten Seite kurz vor dem „Rastplatz“ ebenfalls Container für 90 Personen entstehen. Ferner sind 60 Container auf der Wiese neben der alten Schule in Pitzling  vorgesehen.

Damit erfüllt Landsberg das Soll durch dezentrale Unterkünfte. Wenn sie entstehen, kann die Lechturnhalle freigemacht werden. Sie soll nach ihrer Renovierung wieder für den Sport zur Verfügung stehen. Die Stadt hat auch Ausweichstandorte vorgesehen, das sind die „Bossewiese“, also der Schlüsselanger, und der Reischer Talweg  mit jeweils 90 Plätzen. Hinzu kommen die Asylbewerber, die in Erpfting untergebracht sind, außerdem die unbegleiteten Jugendlichen am Wiesenring sowie die Personen, die in Wohnungen über das Stadtgebiet verteilt sind.

OB Mathias Neuner bewertete die Gespräche am Dienstag als „konstruktiv und geprägt von gegenseitigem Respekt“. Es entstehe ein großes Wohnungsbaupaket für Landsberg und man habe die Massierung der Asylplätze im Westen vermieden. Landrat Thomas Eichinger sagte dem KREISBOTEN: „Wir nehmen das Angebot der Stadt dankbar an“.

Werner Lauff

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