Aus für "Räuber und Banditen"

Keine Landesausstellung 2024 in Landsberg

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Richard Loibl, Direktor des haus der Bayerischen Geschichte, und OBin Doris Baumgartl haben entschieden: Die Landesausstellung 2024 in Landsberg findet nicht statt.

Landsberg – „Coronabedingt ist die Sanierung des Neuen Stadtmuseums bis Januar 2024 nicht zu garantieren.“ Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) gab auf einer Pressekonferenz letzte Woche gemeinsam mit Richard Loibl, dem Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, die Absage der Bayerischen Landesausstellung „Räuber und Banditen“, geplant für 2024, bekannt. Die Stadt wolle sowohl dem Haus der Bayerischen Geschichte als auch den Landsberger Bürgern gegenüber „ehrlich sein“, betonte die Oberbürgermeisterin.

Eine solch enge zeitliche Vorgabe für die Museumssanierung wirke sich immer auch auf die Angebote und deren Kostenhöhe aus, so Baumgartl. „Das haben wir ja bereits zur Genüge beim Lechsteg gesehen.“ Eine genaue Voruntersuchung des Bestandes und eine „seriöse Planungssicherheit“ seien wichtig, auch um möglichen Überraschungen, die bei historischen Gebäuden immer wieder zu erwarten seien, entgegenwirken zu können. „Wir schließen ausdrücklich nicht aus, dass die Sanierung bis 2024 abgeschlossen wird“, betonte die OBin. Die Sanierung und die Landesausstellung seien zwei voneinander völlig unabhängige Dinge.

„Es ist kein Termin zum Frohlocken“, bedauerte Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, das die Landesausstellungen betreut. Das ‚Räuberwesen‘ hätte man gerne genommen, zudem passe es sehr gut zu Landsberg – historisch gesehen. Man werde das Thema „Räuber und Banditen“ vorerst auch nicht an eine andere Stadt vergeben. Ein großer zeitlicher Vorlauf sei aber meistens notwendig, betont Loibl. Denn nicht nur in Landsberg muss gebaut werden: In Alders­bach habe man 2016 einen ganzen Klosterkomplex sanieren müssen. Eine frühzeitige Orts-Festlegung der Ausstellung sei für Techniker- und auch Gestaltungsteams aber unverzichtbar: „Ist die eine Ausstellung fertig, geht es für das Personal gleich an die nächste.“

Bisher habe man noch nie eine Landesausstellung absagen müssen, sagte Loibl. Eine kurzfristige Absage und damit einhergehende Absagen von Begleitveranstaltungen seien zudem eine „Verschwendung von Steuergeldern, aber auch von der Arbeit aller Beteiligten“. Allein der Freistaat investiere in jede Landesausstellung 2,5 Millionen Euro. Da eine fristgerechte Übergabe des Ausstellungsgebäudes also zwingend notwendig sei, danke er OBin Baumgartl und der Stadt für die zeitige Entscheidung, dieses Risiko nicht eingehen zu können. „So ist der Ersatz für 2024 noch machbar.“

Man erhalte pro Jahr rund fünf Bewerbungen. Mit den festgelegten Ausstellungspartnern sei man immer im Gespräch, „aber auch mit möglichen Interessenten“. Einen Ersatz habe man deshalb „nicht schnell aus der Tasche ziehen“, aber finden können. Insgesamt vergebe man meistens drei Landesausstellungen gleichzeitig – um das „ungeschriebene Gesetz Bayerns, den Proporz“ zwischen Städten und Bezirken einhalten zu können. Welche Stadt Landsbergs Platz 2024 einnehmen wird, wollte Loibl noch nicht sagen. „Das entscheiden nicht wir, sondern die Politik.“ Und der wolle er nicht vorgreifen.

Aufgrund der langfristigen Planung sei ein Verschieben der Ausstellung um ein Jahr nach hinten auch nicht möglich. „Bis 2025 haben wir durchgeplant, auch, weil dann das 200-Jährige des Regierungsantritts Ludwig I. ist“, begründet Loibl. Eine Landesausstellung in der Lechstadt wäre deshalb frühestens 2026 denkbar. Ob die Ausstellung 2026 oder später in Landsberg stattfinden kann und wird, hänge von der Stadt ab, so Loibl. Und natürlich von der Entscheidung des Freistaats sowie dem Stand der Sanierung des ehemaligen Jesuitenkollegs: Man werde „beobachten, wie es mit dem Museum vorangeht“. Die Stadt Landsberg bemühe sich „auf jeden Fall weiter um die Ausstellung“, betonte Baumgartl.

Die Leiterin des Neuen Stadtmuseums, Sonia Fischer, nennt die Entscheidung zur Absage „schwer, aber vernünftig“. Man dürfe die Sanierung einem solchen Termindruck nicht unterordnen. Eine sorgfältige Planung sei zur Kosteneindämmung unabdingbar. Sie hoffe aber, dass man im Spätherbst oder Winter zumindest erste Aussagen über den Zeitplan zur Sanierung machen könne. Die Untersuchungen laufen.

Zeitspiel Landesausstellung

Ob die Landesausstellung nach 2024 nach Landsberg kommen kann, hängt stark von dem Zeitpunkt ab, an dem die Sanierung abgeschlossen wird. Denn nach der Sanierung soll die Dauerausstellung ins Museum. Und ist die erst einmal in den Räumen des ehemaligen Jesuitenkollegs, wird es mit dem Ausräumen schwierig.

Museumsleiterin Sonia Fischer nennt die Entscheidung zur Absage der Landesausstellung für 2024 „schwer, aber vernünftig“. Man dürfe die Sanierung einem solchen Termindruck nicht unterordnen. Sorgfältige Planung sei zur Kosteneindämmung unabdingbar. Sie hoffe, dass man im Spätherbst erste Aussagen über den Sanierungs-Zeitplan machen könne.

Sollte die Sanierung wie geplant Ende 2023 fertig werden und die Dauerausstellung ins Stadtmuseum Einzug halten, müsste diese für eine Landesausstellung beispielsweise 2026 aber ausquartiert werden. Fischer ist hier deutlich: „Die Landesausstellungen kommen dann zur rechten Zeit, wenn nach einer Sanierung die Museen, Schloss- oder Klosteranlagen noch nicht wieder eingerichtet sind. Dieses Zeitfenster ist abzupassen.“ Ein Ausbau der Dauerausstellung komme hingegen aus finanziellen Gründen nicht infrage.

Die Leiterin des städtischen Kulturbüros Claudia Flörke sieht in einem möglichen Abbau der Dauerausstellung ebenfalls einen Mehraufwand, „den es dann abzuwägen gilt“. Aber man wisse ja auch noch nicht, ob die Sanierung wie geplant abgeschlossen werden könne.

Eine Verzögerung der Sanierung, die möglichst mit einem länger vorhersehbaren, definitiven Abschluss der Arbeiten einhergeht, scheint somit die einzige Möglichkeit für eine Landesausstellung in Landsberg – im bisher geplanten Gebäude – zu sein.
Susanne Greiner

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