Keine Spur von (Amts-)Müdigkeit

Von wegen Amtsmüdigkeit: Landrat Walter Eichner sitzt auch zwischen den Jahren an seinem Schreibtisch. Foto: Peters

– Es geht geruhsam zu in der Zeit zwischen den Jahren. In vielen Unternehmen verabschiedete sich ein Großteil der Mitarbeiter in den wohlverdienten Weihnachtsurlaub. Nur einige wenige hielten die Stellung – darunter auch Landrat Walter Eichner. Der KREISBOTE nutzte die günstige Gelegenheit zu einem Pressegespräch mit dem CSU-Politiker über das alte und neue Jahr und klärte darin auch gleich die Frage, ob die aktuelle Amtsperiode zugleich die letzte des 60-Jährigen sein könnte.

Nein, amtsmüde sieht Eichner nicht aus, eher so, als wisse er nicht wohin mit seiner Energie, wenn er mit energischen Schritten sein Büro im Landratsamt durchmisst. Nicht ohne Grund hatte daher wohl auch sein Stellvertreter Peter Ditsch auf der letzten Kreistagssitzung vor Weihnachten besorgt angemahnt, der 60-Jährige solle im nächsten Jahr das Tempo ein wenig drosseln. Eichner lächelt nur, wenn man ihn darauf anspricht, die Bedenken schmeicheln ihm, sagen sie doch auch aus, wie ernst der Landrat seine Aufgabe nimmt. Seit 2001 ist Walter Eichner nun schon im Amt, im April wird er die Hälfte seiner zweiten Amtsperiode erreichen. Gedanken ans Aufhören? Fehlanzeige. „Meine Aufgabe macht mir dazu derzeit viel zu viel Freude“, sagt er. Verwundern dürfte das allerdings kaum jemanden, schließlich läuft es politisch derzeit richtig rund für den Landrat. Kaum ein Gegenwind ist zu spüren, eher ein kräftiger Rückenwind wie zuletzt etwa die Haushaltssitzungen zeigten. Nur wenige wagten in diesen, die von Eichner favorisierte Erhöhung der Kreisumlage von 51,5 auf satte 54 Prozent in Frage zu stellen, was auch daran lag, dass der Landrat zuvor in vielen Gesprächsrunden emsige Überzeugungsarbeit geleistet hatte. Es zeige aber auch, „dass ein Großteil unserer Kommunalpolitiker mitdenkt und nicht populistisch agiert“, stellt Eichner zufrieden fest. Der Landrat ist bekannt für seine direkte Art. Auch, wenn es um unbequeme Themen geht. Als es Ende vergangenen Jahres in Finning um den Bau eines Luxushotels auf Gut Minihof ging, befürwortete Eichner das Projekt – gegen einen Großteil der dortigen Bevölkerung, die letztlich beim Bürgerentscheid klar dagegen stimmte – in den Augen Eichners eine falsche Entscheidung. „Für mich ist es ein Verlust an Arbeitsplätzen und Image.“ Er stehe daher bereits mit drei anderen Gemeinden im Gespräch, um einen alternativen Standort zu eruieren. Wichtiges Signal Dass der Landkreis mit dem neuen Haushalt nun erstmals seit Jahren wieder Schulden abbaut, freut den Landrat besonders. Es sei ein „wichtiges Signal an die kommenden Genera­- tionen.“ Rund 60 Millionen Euro hat der Landkreis in den letzten Jahren an Verbindlichkeiten angehäuft, ein Großteil davon floss in den Bau von Schulen wie dem Ammersee-Gymnasium und der Realschule in Kaufering. Letztgenannte wurde im abgelaufenen Jahr feierlich eröffnet, doch die Investitionen in das Schulwesen seien damit noch längst nicht abgeschlossen, betont Eichner. So wurden 2010 die Erweiterung der beruflichen Schulen und die Generalsanierungen des Son­der­pädagogischen Förderzentrums sowie des Schulzentrums vom Kreistag beschlossen. Die Arbeiten sind bereits im Gange oder starten 2011. „Bislang haben wir neue Plätze geschaffen, jetzt sind es Sanierungen. Das tut natürlich schon weh“, blickt Eichner auf die hohen Kosten, die dadurch entstehen. Doch auch hier sei man sich quer durch alle Fraktionen einig gewesen. Man merkt gleich, wenn Eichner etwas wichtig ist. Dann redet sich der 60-Jährige in Fahrt, spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Das seniorenpolitische Konzept, das der Landkreis im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht hat, ist eines dieser Themen, genau wie das Programm HaLT gegen das Komausaufen bei Jugendlichen oder die Station für Intensivpatienten im Greifenberger Seniorenheim. Bei ersterem habe man durch die Befragung der Senioren wichtige Erkenntnisse darüber gesammelt, „wo der Schuh drückt“, erinnert Eichner. Besonders die Versorgung im ländlichen Raum mit Einkaufsmöglichkeiten und Hausärzten sowie geeignete Radwege seien den älteren Bürgern wichtig. Die Gemeinden werde man in diesen Dingen daher weiter unterstützen, kündigt Eichner an, der den demografischen Wandel auch im nächsten Jahr als eine der größten Herausforderungen sieht. Blaues Auge Dass der Landrat dem neuen Jahr dennoch durchwegs entspannt entgegenblickt, hat vor allem mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage zu tun. Die Wirtschaftskrise habe man „mit einem blauen Auge“ überstanden, erklärt der 60-Jährige und macht dies an Zahlen fest. So führt der Prognos-Zukunftsatlas den Landkreis unter allen 412 Kreisen und kreisfreien Städten an Position 42, was die Zukunftschancen betrifft. Der Chancenindex Bayern des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln bescheinigt dem Landkreis Landsberg zudem eine starke Entwicklung seit der Krise. Dies habe man vor allem dem starken Mittelstand mit Unternehmen wie Hilti, Rational oder Hirschvogel zu verdanken, erklärt Eichner, aber auch der Basis, den Handwerkern. Weiter konsolidieren Sollte der Aufschwung wie prognostiziert anhalten, sieht der Landrat durchaus gute Chancen, den Haushalt im nächsten Jahr weiter konsolidieren zu können, vor allem, da Beschlüsse für große Bauvorhaben vorerst „nicht in Sicht“ seien. In dem Fall werde auch die Kreisumlage wieder sinken, stellt er in Aussicht. „Da können Sie mich beim Wort nehmen.“ Und das ist bei Eichner anders als bei manch anderem Politiker durchaus ernst zu nehmen.

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Töpfermarkt am Limit
Töpfermarkt am Limit
Die Stadtwerke Landsberg steigern ihren Gewinn
Die Stadtwerke Landsberg steigern ihren Gewinn
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben

Kommentare