Bevormundung der Bürger

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landsbergblog-Kommentar

Seit Jahren verhindert eine Mehrheit im Stadtrat einen Drogeriemarkt im Landsberger Osten. Auch im Papierbach-Areal soll ein solches Angebot nicht entstehen dürfen. Der Grund ist Protektion. 

Die Stadträte wollen, dass man den Müller-Markt an der Hubert-von-Herkomer-Straße aufsucht. Aber: Wer Toilettenpapier, Windeln, Waschmittel oder Küchenrollen kaufen will, akzeptiert keine langen Wege ins Parkhaus oder über den Lechsteg, sondern fährt mit dem Auto dorthin, wo man die Waren problemlos in den Kofferraum laden kann.

Im Fall des Landsberger Ostens führt das zu unnötigen Fahrten quer durch die Innenstadt in den Westen. Und am Papierbach wird Autoverkehr generiert, obwohl man dort bequem zu Fuß gehen könnte. Eine geeignete Verkaufsfläche neben dem geplanten großen Lebensmittelgeschäft ist dafür vorgesehen. Sie bleibt aus politischen Gründen ungenutzt.

Zwar ist die Landsberger Sortimentsliste im Prinzip berechtigt. Es gilt vor allem, periphere Nebenzentren zu vermeiden; Händler, die sich dort ansiedeln, hätten in Sachen Pacht, Ladengröße und (kostenlose) Parkplätze immer bessere Bedingungen als Betreiber im engen Altstadtraum.

Einkaufsbummel? Altstadt! Daran darf es keinen Zweifel geben.

Aber der Stadtrat darf seine Bürger nicht bevormunden. Die Zwangsverpflichtung zum Altstadtbesuch für Waren des täglichen Bedarfs ist nicht gerechtfertigt. Zumal ein Drogeriemarkt mit einer Drogerie alter Prägung nichts mehr zu tun hat. In einer historischen Altstadt zwischen Cafés und Boutiquen ist er tendenziell ein Fremdkörper.

Um den Müller-Markt in der Innenstadt brauchen wir uns bei Drogeriemärkten im Osten und am Papierbach wohl keine Sorgen zu machen. Die Kette betreibt ja selbst einen weiteren Markt im Westen. Übrigens genau in der Standardkombination "Lebensmittel- und Drogeriemarkt direkt nebeneinander", die alle Beteiligten als die Ideallösung bezeichnen.

Die Weigerung der Stadtratsmehrheit, weitere Drogeriemärkte zuzulassen, ist heutzutage besonders problematisch. Mit ein paar Klicks lässt sich der Einkauf bei dm und Rossmann auch online erledigen. Kauf auf Rechnung, Lieferung zum Wunschtermin, kostenlose Rücksendung.

Wir brauchen Drogeriemärkte am Papierbach und im Landsberger Osten. Sie gehören zur Nahversorgung. Lange PKW-Wege und unnötige PKW-Bewegungen passen nicht in diese Zeit. Der Stadtrat sollte die Landsberger Liste daher behutsam anpassen: an die Lebenswirklichkeit.


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Der Beitrag erscheint auch in der Printausgabe des KREISBOTEN.

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