Keine Werbung in eigener Sache

War gegen die Selber Wölfe noch einer der Aktivposten des EVL: Stürmer Benjamin Bartz (Mitte) erzielte eines von drei Landsberger Toren. Foto: Krivec

Ein Teil des EVL-Plans für das vergangene Wochenende ist zumindest beinahe aufgegangen: Zwar wurden die angestrebten 1010 Zuschauer beim Heimspiel gegen Selb nicht ganz erreicht, doch dank reduzierter Eintrittspreise und eines Fanschal-Geschenks für jeden Besucher kamen diesmal immerhin 987 Zuschauer statt wie bisher knapp 600 in den Hungerbachdome – dringend benötigt angesichts des kalkulierten Schnitts von 900. Was die dann sahen, war als Werbung für weitere Eishockey-Abende aber kaum zu gebrauchen. Mit 3:5 Toren (0:1, 1:1, 2:3) unterlag der Oberligist dem Aufsteiger durchaus verdient und wusste dabei nur zeitweise zu gefallen. Zusammen mit der 3:4-Pleite (1:2, 1:0, 1:2) in Regensburg setzte es damit ein Null-Punkte-Wochenende gegen zwei Aufsteiger, mit dem nicht unbedingt zu rechnen war.

Wobei Trainer Dave Rich schon seit Mitte der Woche seine Mannschaft genau davor gewarnt hatte, Punkte einfach einzuplanen. Vor allem nach der sonntäglichen Partie gegen Selb ging er mit seinen Spielern hart ins Gericht. Seine Kritik traf dabei sowohl die jungen Akteure als auch seine erfahreneren Spieler. „Ich arbeite mit Spielern, die seit den Kleinschülern offenbar nicht gelernt haben, defensiv zu arbeiten. Jetzt sollen sie es mit 21 Jahren plötzlich können, das ist natürlich schwierig. Ich will von ihnen sehen, dass sie an sich arbeiten, dass sie sich verbessern wollen. Ob sie das Talent haben, Oberliga-Stammspieler zu werden, wird man sehen. Aber sie müssen zumindest die Einstellung mitbringen. Ich denke, dass die meisten das inzwischen verstanden haben; die, die es nicht verstanden haben, sollten vielleicht mit diesem Sport aufhören.“ Für die letzte Aussage erntete der 41-Jährige spontanen Applaus auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Seine etablierten Kräfte machten es bei der Niederlage gegen Selb allerdings nicht viel besser. Auch in dieser Partie gab es teilweise wieder haarsträubende Fehler zu sehen. Verteidiger Nick Anderson leistete sich einige grobe Aussetzer, vor allem aber hatte sein Kontingentspieler-Kollege Ricky Helmbrecht einen ganz schlechten Tag erwischt. Er war es dann auch, den Rich nach dem Spiel namentlich erwähnte: „Nichts gegen Ricky, aber er kann einfach nicht so nach vorne laufen und die Scheibe so verlieren. Im Konter fällt das 3:5 und das Spiel ist entschieden.“ Dabei hatte sich der EVL just in diesem Moment auf 3:4 herangekämpft. Wunder hatte dabei offenbar die Auszeit gewirkt, die der Trainer nach dem 1:4 genommen hatte. Was er seinen Spielern während des 30sekündigen Timeouts gesagt hatte, waren denn auch keine taktischen Finessen sondern eher rustikale Binsenweisheiten des Eishockeys. „Ich habe die Mannschaft gefragt, was sie sieht, wenn sie sich in der Halle umsieht. Es waren diesmal so viele Zuschauer da, die wollen wenigstens sehen, wie gekämpft wird. Am Sonntagabend muss mein Tank als Spieler leer sein, notfalls gehe ich einfach raus und fahre jemanden gegen die Bande, aber ich muss wenigstens alles geben.“ Bis zu Helmbrechts Fehler schien die Ansage auch gefruchtet zu haben, zusammen mit der ersten Viertelstunde folgte die stärkste Phase des EVL in dieser Partie. Es spricht für Rich, dass er es sich in seiner Analyse nicht einfacher gemacht und auf ein Selber Duo verwiesen hat, das dem EVL an diesem Abend praktisch alleine das Genick brach. Vorlage Martin Sekera hieß es bei vier Treffern und Martin Lamich brachte es tatsächlich fertig, alle fünf Tore für die Wölfe zu erzielen. Ohne Lamichs Leistung zu schmälern, muss man konstatieren, dass der Stürmer der Gäste spielerisch nicht einmal besonders auffiel. Siebenmal wurde er von Sekera in Szene gesetzt, fünfmal drosch er die Scheibe mehr oder weniger vehement in das meist weit offene Tor. Sekera wiederum war der Dreh- und Angelpunkt bei Selb. Der 38-jährige Deutsch-Tscheche, bestens als eleganter und punktstarker Vorbereiter aus seinen Zweitliga-Zeiten in Crimmitschau, Weißwasser, Dresden, Essen und Bremerhaven bekannt, war an diesem Abend für den EVL nicht in den Griff zu bekommen, obwohl er über die Jahre nicht schneller geworden ist und teilweise aus dem Stand agierte. Höhepunkt seiner Show war, als er den Landsbergern bei deren Powerplay im Spielaufbau die Scheibe abnahm und mustergültig querlegte – natürlich auf Lamich, der ebenso natürlich zum 1:4 traf. Während die Gäste von ihrem dynamischen Duo profitierten und ansonsten solides und kampfbetontes Eishockey ablieferten (Spielertrainer Cory Holden: „Einige bei uns haben noch Schwierigkeiten, sich an das Tempo in der Oberliga zu gewöhnen“), gab es vom EVL nicht viel Positives zu berichten. Kapitän Benjamin Barz gehörte dazu. Kämpferisch wie immer ein Vorbild, strahlte er auch die größte Torgefahr aus. Das erste Landsberger Tor erzielte er im Powerplay im Alleingang zum 1:2 (36.), wenig später hatte er Pech, als sein Rückhandschuss aus einem Meter Entfernung in der Fanghand des Selber Torhüters Dirksen landete, wie er auch bereits bei einem Konter in der 25. Minute in Dirksen seinen Meister fand. Die restlichen großen Landsberger Chancen stammten aus der ersten Viertelstunde und der Drangphase im Schlussabschnitt. Das dürfte zu wenig sein, um in dieser Liga zu bestehen, wie auch die knappen Ergebnisse der anderen Teams vom Wochenende zeigen. Zumal es jetzt gegen den Tabellenersten und -zweiten geht: Am Freitag gastiert um 20 Uhr Peiting in Landsberg, am Sonntag tritt man um 18.30 Uhr in Garmisch an. Nicht nur angesichts dieser schweren Aufgaben hofft Rich auf einen Sinneswandel bei einigen seiner Akteure. „Manche haben jetzt viel Eiszeit, aber sie müssen zeigen, dass sie das verdient haben. Wenn ich als Spieler mal einen schlechten Tag hatte, hatte ich zwei andere im Nacken, die meinen Platz auf dem Eis wollten. Leider habe ich diese Möglichkeit hier nicht, einige einmal längere Zeit auf die Bank zu setzen.“

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