Keinen Sinn für "shared space"

Die Geh- und Radwege in der Kolpingstraße werden auf Beschluss des Gemeinderates saniert, zudem gibt es eine neue Straßenbeleuchtung. Foto: Kruse

Es ging „nur“ um einen Fuß- und Radweg, und dennoch wurde es im Marktgemeinderat wieder einmal hoch emotional. Mit 11:9 sprachen sich die Ratsmitglieder zum Schluss dafür aus, dass in der Kolpingstraße saniert wird – abgeschlossen ist die Geschichte damit aber immer noch nicht.

Die GAL hat inzwischen einen Antrag gestellt, der das ganze Verfahren noch einmal aufrollen und letztlich zu einem sogenannten „shared space“ in der Kolpingstraße führen soll. Bei diesem Modell sind alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt. „Das funktioniert in anderen Orten wunderbar, ich weiß nicht, warum das in Kaufering nicht gehen sollte“, sagt Gemeinderat Hans Pilz. Pilz war in der Sitzung allerdings bereits mit seinem – für einen Grünen ungewöhnlichen – Vorschlag gescheitert, zur Verbesserung der Sicherheit die Bäume auf der Ostseite der Straße zu fällen. „Dazu stehe ich auch“, so Pilz, „die braucht an der Stelle kein Mensch, sie behindern die Sicht und werden in wenigen Jahren auch den Fußweg mit ihren Wurzeln wieder kaputtmachen.“ Darüber konnte aber im Gemeinderat ebenso wenig Einigkeit erzielt werden wie über andere Sicherheitsfragen. Zwar ist man sich einig, dass die zahlreichen Einfahrten zu den Geschäften ein Sicherheitsrisiko darstellen und hatte man bereits im Vorfeld den Interessenverband der Radfahrer, ADFC, einbezogen und einen Workshop abgehalten. ADFC-Kreisvorsitzenden Bernd Peter: „Die Radfahrer gehören in der Kolpingstraße, einer Tempo-30-Zone, eindeutig auf die Straße“. Das wollte man dann aber so eindeutig auch wieder nicht beschließen. „Das ist schon richtig“, so Hans Koch (SPD), „aber wir müssen die Möglichkeit beibehalten, dass alte Menschen und Kinder auf dem Fußweg mit dem Rad fahren können, für die ist die Straße einfach zu gefährlich.“ Franz Nimführ (UBV) ging noch weiter: „Das ist ein Albtraum für beide Seiten, wenn die Radler auf der Straße unterwegs sind. Man tut doch auch den Bürgern Unrecht, die Fußgänger und die Radfahrer sind doch nicht im Krieg. Ich war 20 Jahre Vorsitzender der Verkehrswacht und weiß, wovon ich rede. So einfach kann man es sich auch nicht machen, wenn man nur einen Radlerclub als einzigen Experten hat.“ Das wollte Peter nicht auf sich sitzen lassen. „Die Erkenntnisse stammen von der Forschungsgesellschaft Straßen- und Verkehrswesen, das ist ja nicht unsere persönliche Meinung.“ Die CSU und die GAL hatten mit dem Projekt noch das Problem, dass damit nicht gleichzeitig ein Konzept für einen Radweg an der alten B17 verbun­den war. „Das muss man meiner Meinung nach gemeinsam planen und bis dahin die Kolpingstraße lassen wie sie ist“, so Meinrad Mayrock (CSU). Am Ende setzten sich allerdings die Befürworter knapp durch. Die Wege werden sollen jetzt für rund 130000 Euro saniert werden, noch einmal den gleichen Betrag wird die neue Beleuchtung der Kolpingstraße kosten. An der Verkehrssituation ändert sich nach dem gefundenen Kompromiss nicht allzu viel. Die Einfahrten zu den Firmen werden deutlicher markiert, die Radfahrer dürfen auf der Straße und dem Fußweg fahren – genau wie bisher.

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