Auf Kettensäge folgt Spraydose

Sachbeschädigung: Auf Straßen und Rathausfassade hat ein Unbekannter vergangene Woche seinen Unmut über die Fällung zweier Kastanien kundgetan. Foto: Weh

In großen roten Lettern prangt seit Mittwoch vergangener Woche „Idiotengemeinderat“, „Wie blöde, der das auch noch genehmigt?“ und „Wie blöde muss man sein, um die alten Bäume zu fällen?“ an der Rathausfassade sowie auf der Landsberger und Weilheimer Straße. Ein Unbekannter hatte nachts seinem Ärger Luft gemacht und die Sachbeschädigung begangen. Stein des Anstoßes war wohl die wenige Tage zuvor erfolgte Fällung zweier Kastanienbäume auf dem Areal des ehemaligen Gasthofes Polz, wo mehrere Einheiten für betreutes Wohnen entstehen sollen.

Bürgermeister Klaus Flüß zeigte sich angesichts der Tat sehr verärgert. Denn die Fällung der Bäume habe zum einen durchaus ihre Gründe gehabt, zum anderen habe die Gemeinde damit überhaupt nichts zu tun. „Wir haben hier in Pürgen keine Baumschutzverordnung, der Gemeinderat ist dafür gar nicht zuständig“, erklärte Flüß auf Nachfrage des KREISBOTEN. Die Entscheidung, die Bäume von einer Spezialfirma entfernen zu lassen, sei Sache des Bauherrn gewesen, wie auch Helmut Reitmeir, zuständig für die Verkaufsabwicklung und Vermietung der Wohneinheiten, bestätigte. „Bis 27. September sind wir davon ausgegangen, die Bäume erhalten zu können.“ Es sei auch immer der Wille des Bauherrn gewesen, die ortsbildprägenden Bäume bestehen zu lassen. Die Wende habe allerdings eine Ortsbegehung mit Heinrich Heiß von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes gebracht. Der Fachmann habe den Erhalt der Bäume aus Altersgründen für nicht mehr sinnvoll gehalten. „Die Bäume sind über 80 Jahre alt und haben ihr Lebensalter bereits erreicht“, so Reitmeir. „Solche Bäume sterben langsam ab.“ Es habe sicherlich auch Überlegungen gegeben, die Kastanien zu stutzen. „Die vordere der beiden Kastanien war allerdings schon gerissen. Es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, dass sie ganz auseinander bricht.“ Die Fällung nur eines Baumes erschien laut Reitmeir ebenfalls nicht sinnvoll. „Spätestens der nächste Sturm hätte den zweiten Baum umgenommen.“ Mehr Sicherheit Für Bürgermeister Klaus Flüß bringt die Fällung auch mehr Sicher­heit: „Wir müssen an die Senioren und die Schulkinder denken, die dort jeden Tag auf den Bus warten.“ Herunterfallende Äste hätten vor Kurzem schon das Glas des Bushäuschens beschädigt. Diese Gründe hätte Flüß dem „Schmierfink“ gerne vor dessen Tat gerne nahe gebracht. „Wir hätten das erklären können. Schade, dass derjenige unwissend ist und eine Sachbeschädigung begeht, obwohl die Gemeinde nichts dafür kann.“ Den Schaden beziffert Flüß auf rund 2000 Euro. Der Rathauschef möchte der Person aber die Gelegenheit geben, sich freiwillig zu melden und die Kosten für die Beseitigung zu übernehmen. „Wir haben bei der Polizei Anzeige erstattet. Sollte der Täter sich nicht bei uns melden, würde das entsprechende Konsequenzen wie eine eventuelle Vorstrafe nach sich ziehen.“ Flüß plädiert an die Vernunft des Täters, denn dieser sei bei seiner Straftat beobachtet worden.

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