Kieslaichern auf die Sprünge helfen

Für einen einzigen Laichplatz im Lech sind etwa 1500 Kubikmeter Kies erforderlich, der nach der Anlieferung am Ufer, hier im Bereich der Lechstaustufe 20 bei Scheuring, vom Bagger in Position gebracht wird. Fotos: Luftwaffenfischereiverein Lechfeld

Die natürliche Art­erhaltung zu fördern ist das oberste Ziel und dafür lohnt sich der große Aufwand: „Kies für den Lech“ heißt das Pilotprojekt unter der Obhut des Landesfischereiverbandes Bayern (LFV). Für bedrohte heimische Flussfischarten werden seit vier Jahren Kieslaichplätze künstlich angelegt – die ersten davon im Landkreis Landsberg. In der „Keimzelle“ des Projektes, dem Landratsamt, informierten LVB, Kreisbehörde, Wasserwirtschaftsamt Weilheim und der Bezirksfischereiverein Landsberg über den Projektverlauf.

Durch Querverbauungen, Stauhaltungen und Uferbefestigungen ist der natürliche Transport von Flusskies im Lech weitestgehend unterbrochen und somit vielerorts verloren gegangen. Gerade frisch umgelagerter und lockerer Kies ist für die meisten typischen Flussfischarten des Lechs überlebensnotwendig. Arten wie Äsche, Nase, Barbe oder Huchen benötigen das lockere Material als Laichplätze zur natürlichen Vermehrung. Johannes Schnell: „Derzeit stehen im Lech etwa 90 Prozent der Kieslaicher auf der Roten Liste.“ Die Populationen einzelner Arten seien vielerorts schon auf inselartige Restbestände geschrumpft, einige bereits verschwunden. In den kommenden Jahren werde das Geschie­bedefizit nicht nur im Lech eines der zentralen Probleme in alpin geprägten Flüssen werden, kündigte der LFV-Experte an. Elf neue Laichplätze Bereits seit vier Jahren läuft unter der Obhut des Landesfischereiverbands Bayern das Pilotprojekt „Kies für den Lech“. Dabei wurden und werden im bayerischen Lech Kieslaichplätze für bedrohte heimische Flussfischarten künstlich angelegt. „Schritt für Schritt“, so Schnell, seien bisher in Oberbayern und Schwaben, von der Grenze zu Österreich bis zur Mündung in die Donau, elf Laichplätze, drei davon im Landkreis Landsberg, geschaffen, die allesamt dankbar von den Lechfischen angenommen würden.“ Dies belege auch ein wissenschaftliches Untersuchungsprogramm des LFV Bayern, welches von der TU München durchgeführt wird. Eine der Keimzellen für die Schaffung von Kieslaichplätzen liegt im Zuständigkeitsbereich des Landratsamtes Landsberg, welches das Projekt zusammen mit dem Bezirksfischereiverein Landsberg und dem in diesem Abschnitt zuständigen Wasserwirtschaftsamt Weilheim bisher in sehr hohem Maße unterstützt hat. Das Projekt wird vom LFV Bayern koordiniert. Bis zu 20000 Euro Der Kies wird meist per Lastwagen aus einer nahe gelegenen Kiesgrube angeliefert. Insgesamt seien für einen einzigen Laichplatz im Lech etwa 1500 Kubikmeter Kies erforderlich, das entspricht in etwa 150 bis 200 Lkw-Ladungen. Die direkte Einbringung ins Wasser erfolgt mittels Bagger oder Planierraupe. Der Kies wird dabei – ähnlich wie bei einer natürlichen Kiesbank – flächig verteilt. Die Kosten belaufen sich laut Johannes Schnell auf 12000 bis 20000 Euro pro Laichplatz. An bisher elf Stellen des Lechs erfolgten im Rahmen des Pilotprojektes bereits Kieszugaben. Auf allen neuen Laichplätzen habe man Reproduktionserfolge nachgewiesen können. Neben noch häufigeren Arten wie Barbe oder Aitel seien auch so seltene Arten wie die Nase, die Äsche oder der Huchen beim Laichgeschäft auf den künstlichen Kiesbänken beobachtet worden. „Alle Projektbeteiligten leisten auf ihre Weise einen wichtigen Beitrag für den aktiven Artenschutz und verhelfen so dem traditionsreichen bayerischen Fluss wieder zu einem Stück mehr Biodiversität“, lobte Schnell im Landratsamt. Die Praxis zeige aber, dass die Kieszugaben regelmäßig erneuert werden müssen, um ihre Funktion aufrecht erhalten zu können. Insgesamt sei im Rahmen des Pilotprojekts in vier Jahren eine Menge an Kies eingebracht worden, die etwa einem Zehntel der jährlichen Geschiebefracht des ursprünglichen Lechs entspreche. Längerfristig sollte nach Ansicht des LFV-Experten an Flüssen wie dem Lech neben ökologischer auch aus wasser­- wirtschaftlicher Sicht ein Konzept für ein Geschiebe-Mana­gement erstellt werden, um die natürlichen Gewässerfunktionen weiterhin aufrecht erhalten zu können. Gemeinschaftsprodukt Alle geschaffenen Lech-Laich­plätze seien ein individuelles Gemeinschaftsprodukt, hervor­gegangen aus einer „beispielhaft herangewachsenen Zusammenarbeit“ von Fischerei, Be­hörden, Energieunternehmen, Städten und Gemeinden und anderen Institutionen. Eine wissenschaftliche Begleitung durch die TU München, finanziert durch den LFV Bayern, habe geholfen, Fehler zu finden und das Anlegen von Laichplätzen zu optimieren. Johannes Schnell abschließend: „An jedem Laichplatz war stets eine hervorragende Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten eine Grundvoraussetzung für die großen Erfolge, die bis dato zu verzeichnen sind.“

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