Ein Jahr vor der Bundestagswahl

Kießling will‘s wieder wissen

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Die Freude an seinem politischen Amt sieht man ihm an: Bundestagsabgeordneter Michael Kießling in seinem Wahlkreisbüro in der Landsberger Altstadt.

Landsberg – Es gibt Momente im Leben von Michael Kießling, da kann er seinen Senkrechtstart vom Quereinsteiger zum Bundestagsabgeordneten selbst nicht glauben. Nach knapp dreieinhalb Jahren als Denklinger Rathauschef führte ihn sein politischer Werdegang direkt in den Berliner Reichstag, wo er seit 2017 der 46-köpfigen CSU-Fraktion angehört. Ein Jahr vor der Wahl zum 20. Deutschen Bundestag zieht der Politiker Zwischenbilanz und bereitet sich auf den nächsten Durchmarsch vor. Er möchte wieder als Direktkandidat des Wahlkreises 224 Landsberg/Starnberg/Germering in das Plenum einziehen.

Die Chancen für seine Nominierung stehen gut. Denn der 47-jährige Vollblut-Politiker hat seine Bodenhaftung nie verloren und steht in ständigem Kontakt mit der Basis. Kaum eine CSU-Veranstaltung im Wahlkreis, wo er nicht zu Gast ist und auch mithilft. Er besucht Rathäuser und Betriebe, hört sich die Sorgen von Bürgermeistern und Unternehmern an. Bei der Europawahl und beim Kommunalwahlkampf stand er an vorderster Front mit auf den Marktplätzen und warb für die CSU, deren Kreisvorsitzender er in Landsberg ist. Auch als Mitglied des hiesigen Kreistags ist Kießling aktiv, um die Geschicke seiner Heimat mit beeinflussen zu können.

Michael Kießling, Diplom-Bauingenieur (FH) und bis 2014 im Produktmanagement einer Firma für Softwareentwicklung für die Braubranche tätig, sieht sich selbst als Quereinsteiger. Seine berufliche Praxis und seine Tätigkeit als Bürgermeister in Denklingen seien aber eine wertvolle Basis für die große Politik in Berlin. Hier tummeln sich nämlich einige besserwissende „Gscheidhaferl“, die außer Theorie und Politik nichts gelernt haben.

Für sein eng getaktetes Programm mit 22 Sitzungswochen, etlichen Klausuren und den Wahlkreisterminen pendelt Kießling mit Bahn und Flugzeug zwischen Berlin und Landsberg. Bei einem Pressegespräch in seinem Wahlkreisbüro in der Landsberger Altstadt erzählte er bei Cappuccino und Butterbrezn von seinem anstrengenden Politiker-Alltag in Berlin, der „aber trotzdem unbändig Spaß macht“.

Von seiner 40-Quadratmeter-Wohnung in Berlin-Mitte im früheren Ostteil braucht er mit dem Auto zehn und zu Fuß zwanzig Minuten bis zum Bundestag. Das Treffen der CSU-Landesgruppe am Montag sei ein Pflichttermin, so Kießling. Am Dienstag mit Arbeitsbeginn um acht Uhr ist kaum Zeit zum Verschnaufen. Diverse Arbeitskreise, Fraktionstreffen von CDU-CSU und Büroarbeiten gehen bis in den Abend. Dann aber blüht der 1,92-Meter-Mann auf, wenn es zum Training oder einem Freundschaftsspiel mit dem „FC Bundestag“ geht. Die fraktionsübergreifenden Kicker 40plus sind eine Altherrenmanschaft, die 1961 verstärkt von Fritz Walter erstmals bei einem Benefizspiel auflief.

Der Mittwoch gehört neben dem Plenum den Ausschüssen. Michael Kießling ist unter anderem ordentliches Mitglied des Ausschusses für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen sowie Mitglied des Untersuchungsausschusses zur Pkw-Maut. Objektivität ist angesagt, steht doch hier Parteifreund und Verkehrsminister Andreas Scheuer mit Mittelpunkt. Auch der Donnerstag ist mit Ausschüssen und Plenum vollgepackt. Kießling hat übrigens noch keine der namentlichen Abstimmungen der laufenden Periode versäumt.

Und am Rednerpult des hohen Hauses ist er inzwischen Routinier. Lachend erinnert er sich an seine zweite Rede, als er nach einer „relativ kleinen Linken“ das Mikrophon höher stellte und dabei den legendären Satz sagte: „Meine Damen und Herren, ich muss das Niveau hier ein bisschen heben!“ Buhrufe kamen von der linken Seite, aber Beifall vom Rest des Hauses.

Viele Besuchergruppen aus seinem Wahlkreis hat Michael Kießling schon empfangen und gerne Fremdenführer im Bundestag gespielt. Leider sei das wegen Corona derzeit nicht möglich, bedauert er. Dafür werde er ab Oktober wieder verstärkt die Basis in den Orts- und Kreisverbänden seines Wahlkreises besuchen. Hier werden schließlich die Weichen für seine erneute Direktkandidatur gestellt. Und es geht natürlich um die vielen lokalen Themen und Anregungen, die von Kommunen und Bürgern an ihn herangetragen werden. Ob zu hohe Mieten, Förderung der Digitalisierung, Verkehrs- und Infrastrukturprojekte, Probleme in der Landwirtschaft und Migration bis zur Zukunft des Fliegerhorstes Penzing oder der Forderung nach einem barrierefreien Kauferinger Bahnhof bedürfen einer kompetenten Fürsprache und Weiterleitung an die richtigen Stellen.

Bei aller Freude an seinem Wirken in Berlin nervt Michael Kießling doch eines: Das Getuschel über Rot-rot-grüne Planspiele für die kommende Legislaturperiode. Er werde seinen Teil dazu beitragen, dass dies ein Wunschkonzert bleibt - so sein Versprechen.

Dieter Roettig

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