Afrikanische Schweinepest

30 Kilometer Schweine-Schutzzaun im Landkreis Landsberg

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Die Afrikanische Schweinepest wird wohl auch Deutschland demnächst erreichen.

Landkreis – Die Afrikanische Schweinepest steht vor der Tür: Nur noch zehn Kilometer Distanz gibt es zwischen einem Gebiet in Polen, in dem neben Wild- nun auch Hausschweine infiziert sind, und der Bundesrepublik. „Das Gebiet liegt in Grenznähe zu Brandenburg, etwa auf der Höhe von Cottbus“, beschreibt der Leiter des Veterinäramtes Dr. Michael Veith das Gebiet. Es sei nicht sicher, wann die Pest auch auf Tiere in Deutschland übergreife. „Aber dass sie kommt, ist allen klar. Das ist wohl nicht mehr abzuwenden.“

Dabei liege in dem Gebiet, in dem die Afrikanische Schweinepest aufgetreten sei, das Zentrum der Schweinehaltung in Polen. „Dort gibt es rund drei Millionen Schweine. Das ist auch für Polen eine äußerst schwierige Situation.“ Sowohl Brandenburg als auch Sachsen hätten bereits Zäune gebaut, um das Eindringen der Wildschweine zu verhindern.

Seit 2018 gab es zudem ein grenznahes Gebiet in Belgien, in dem massiv Wildschweine infiziert waren. „Das haben die belgischen Behörden aber gut in den Griff bekommen“, berichtet Veith. Zwar seien die Informationen von dort anfangs leider nur „tröpfchenweise“ gekommen, aber das habe sich gebessert. „Seit Anfang des Jahres wurden dort nur noch drei infizierte Tierkadaver gefunden. Die Seuche ist also zum Erliegen gekommen.“

Der Landkreis sei gut vorbereitet. Es gebe eine Koordinierungsgruppe im Landratsamt, bei der auch Jäger und der Bauhof dabei seien. „Gemeinsam mit dem Maschinenring haben wir Personen rekrutiert, die uns bei der Bergung der Kadaver unterstützen, auch die Landsberger Jägerschaft engagiert sich“, so Veith.

Bei der Kontrolle habe man beispielsweise in der Ukraine große Probleme, da es dort viele kleine Höfe mit nur wenigen Tieren gebe: „Das ist für die Familien manchmal nur der Festtagsbraten zu einem besonderen Anlass“, so Veith. Doch gerade kleine Schweinehaltungen in Hinterhöfen seien schwerer zu überwachen, als die Industriebetriebe, die in Deutschland vorherrschten. „Aber auch hier gibt es Hobbyhalter mit Hängebauchschweinen oder Minipigs.“ Man habe im Landkreis alle Hobbyhalter „auf dem Schirm“ und kontrolliere regelmäßig.

Erst vor Kurzem verschickte das Veterinäramt Checklisten an die Schweinehalter – wegen der Kontakteinschränkung erfolgten die Hinweise nicht persönlich. Zudem habe man Schilder für alle Gemeinden bestellt, die beispielsweise auf Parkplätzen aufgestellt werden und dort die Leute informieren sollen. „Insbesondere da, wo nachts auch die Lkw-Fahrer schlafen, damit sie ihre Lebensmittelreste gewissenhaft entsorgen“, konkretisiert der Veterinär. Denn die meldepflichtige Seuche überträgt sich zwar nicht auf den Menschen, der Mensch kann aber die Viren über verseuchtes Fleisch transportieren. Zum Beispiel über die klassische Wurstsemmel.

Im Kreisausschuss wurde für den möglichen Ausbruch der Seuche in Bayern beschlossen, für die erforderlichen Maßnahmen vorsorglich 255.000 Euro in den Haushalt 2020 einzustellen. Ein Großteil der Summe ist für die Zäune sowie deren Aufbau und Instandhaltung gedacht. So geht Veith von einer Gesamt-Zaunlänge von 30 Kilometern aus. Angewendet werden hier sowohl Elektro- als auch Duftzäune. Bei Letzteren wird ein Hartschaumstoff aufgesprüht, der Wildtiere durch die Freigabe von Geruchsbestandteilen auf Distanz hält.

Andere Kosten könnten durch Entschädigungen für Landwirte, die wegen der Zäune beispielsweise nicht ernten können, entstehen, erläutert Veith. Oder deren Schweine infiziert wurden, weil sich das Virus bei einem kleinen Hobbyzüchter eingenistet und von dort übertragen hat. „Da stehen insbesondere die Hobby-Tierhalter in der Verantwortung.“

Geschossen oder bei einem Unfall getötet wurden im vergangenen Jagdjahr 1.014 Stück Schwarzwild. „Damit sind wir knapp dem bisherigen ‚Rekordjahr‘ 2017 unterlegen“, sagt Anja Hörig von der Unteren Jagdbehörde. In diesem Zeitraum wurden 1.034 Tiere erlegt – 2018 lag die Zahl bei lediglich 512. Von diesen Tieren sind 42 bei einem Verkehrsunfall getötet worden, sonstiges Fallwild zählt die Behörde nur vier Tiere, der Rest wurde gejagt. „Erfreulich ist der Rückgang an Fallwild von bislang rund 5,5 Prozent auf jetzt 4,5 Prozent“, so Hörig.
Susanne Greiner

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