Johnny Cash in Landsberg

Cash und der Lake Emercie

+
Carnahans Töchter Sheila Kinney (links) und Linda Deckard (rechts) sowie sein Sohn Judd zeigten im Foyer des Stadttheaters Fotos ihres Vaters Billy und seines berühmten Freunds Johnny Cash. Das Gespräch führte Privatdozentin Dr. Edith Raim (2. von links).

Landsberg – Johnny Cash steht lässig in einem Segelboot. Er trägt Anzug. Neben ihm eine Frau mit Kopftuch, um die Schultern eine Jacke gelegt. Das ist Iris, die Frau von Billy Joe Carnahan, Namensgeber für den Protagonisten in Cashs Song „Don’t take your guns to town“. Billy und Johnny waren beide in Penzing stationiert und wurden Freunde fürs Leben. Die Initiatoren der Cash-Ausstellung im Stadtmuseum Edmund Epple und Dr. Edith Raim luden die drei Kinder der Carnahans zu einem Gespräch ins Stadttheater.

Den Kontakt stellte Raim her: „Das Bestattungsinstitut, das Iris und Billy beerdigte, leitete netterweise meine Emailadresse weiter.“ Ein paar Wochen später bekam sie Nachricht von Sheila, Billys Tochter. Und das führte letztendlich zum Plausch mit Zeitzeugen des berühmten Country-Stars Johnny Cash. Oder eben einfach nur John, „der Freund unserer Eltern“.

Dass Cash während seiner Zeit in Landsberg segelte, war schon bei der Cash-Ausstellung 2016 bekannt. Damals tippte man auf den Chiemsee. Nun wissen wir: Es ist der Ammersee. Bisher gab es das Foto nur in Vorderansicht. Doch die Carnahans haben 52 Familienfotos mitgebracht und dabei auch auf die Rückseite geschaut. „My buddy John sail­boating“ ist da zu lesen. Und ganz deutlich „Hershing, Lake Emercie“ – durchgestrichen und zu „Herrsching, Ammersee“ korrigiert. Andere Bilder zeigen Cash mit einer Angel am Fluss. Welcher das ist, gilt es noch herauszufinden. Doch ein zweites Foto bekräftigt die Vermutung, dass Cash und Carnahan ein bisschen mehr Fische aus besagtem Fluss zogen als erlaubt. Stolz halten sie jeweils das Ende einer Schnur in der Hand, darauf aufgereiht mindestens dreißig Fische. So schwer, dass Iris in der Mitte die Schnur zusätzlich stützen muss.

Im Hintergrund das Haus im Mühlweg, in dem das junge Ehepaar lebte. Es steht heute noch, „sogar das Gartenhäuschen ist noch da“, bestätigt ein Gast aus dem Publikum. Die beiden heirateten 1953, kurz nach Iris‘ 18. Geburtstag. Und am 21. September, Billys Geburtstag, flog sie zu ihm nach Landsberg. Carnahan zeigte Cash im Fliegerhorst die ersten Gitarrengriffe, die beiden wurden Freunde. Ein Foto zeigt Cash mit einer Gitarre, breit grinsend: „Da sieht man, wie viel Spaß ihm das macht“, lacht Billys Sohn Judd. Sheila erzählt, dass Cash ihrem Vater später angeboten habe, in seiner Band mitzuspielen. „Aber da hatte er schon drei Kinder und einen Job.“ Bei Cashs erster Band, den „Landsberg Barbarians“ war Billy hingegen mit dabei. Damals gab es ein Konzert im Goggl. Fotos davon hingen noch lange dort, „aber jetzt sind sie verschwunden“, bedauert Epple. „Wer etwas weiß, bitte melden!“

Viele Bilder zeigen den etwas dürren Weihnachtsbaum, von dem Iris begeistert gewesen sei, „weil er echte Kerzen hatte“, erinnert sich Sheila. Ein anderes Bild: Die beiden Männer nebeneinander in lässiger Haltung, die „Jimmy Dean look-alike Pose“. Cash auf einem Ammerseesteg, im Hintergrund thront Andechs. „Ist es der in Dießen? Oder doch Utting?“ Die Anwesenden sind sich nicht sicher. Auch spätere Fotos aus den USA zeigen die beiden Männer, zum Beispiel vor Billys „Audioloft Studio“. Johnny Cash sei am Anfang so zwei Mal pro Jahr vorbeigekommen, später dann etwas seltener – als er berühmt war und weniger Zeit hatte. Und diese Besuche beruhten auf Gegenseitigkeit. So habe Billy einige Songs in Cashs Haus aufgenommen. „Dass Cash so berühmt war, haben wir erst richtig in den 80ern realisiert“, meint Sheila. Die Geschwister sind sehr bewegt: „Es ist eine große Ehre, hier sein zu dürfen“, betont Linda, die zweite Carnahan-Tochter. Auch die Führung durch den Fliegerhorst sei sehr emotional gewesen, erzählen Stabsfeldwebel Herbert Wintersohl und Oberstabsfeldwebel Uwe Lenke. Sie zeigten den Geschwistern die realen Lokalitäten von Fotos mit Cash und Carnahan: Klosterhof, Pool, Kino. „Dass tatsächlich alles noch so aussieht, war für sie überwältigend“, meint Lenke.

Wieder hat das Mosaik „Johnny Cash in Landsberg“ einen Stein mehr und so auch das Bild vom Leben der Besatzer in Landsberg. Vielleicht gibt es weitere Steine zu entdecken, wenn es im Stadtmuseum ab 2. Juni heißt „Servus Transall“.

Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesen

Ex-OB Lehmann klagt gegen die Stadt Landsberg
Ex-OB Lehmann klagt gegen die Stadt Landsberg
Ex-Kämmerer Schilcher: "Es war grundlegend anders"
Ex-Kämmerer Schilcher: "Es war grundlegend anders"
Rational spendet dem BRK Landsberg 21.000 Euro
Rational spendet dem BRK Landsberg 21.000 Euro
Weltpolitik im Cord-Hüdli
Weltpolitik im Cord-Hüdli

Kommentare