Kindergarten statt Ärztehaus

Auf diesem Areal an der Einfahrt zum Klinikum Landsberg soll der neue städtische Kindergarten schnellsmöglich seinen Betrieb aufnehmen. Foto: Schwaiger

Wie schnell sich doch mit einem guten mündlichen Beitrag die Note verbessern lässt… Gab’s vom Beratungsbüro MUC Consulting für die aktuelle Kinderbetreuungssituation in der Lechstadt zunächst eine ohnehin schon sehr erfreuliche 1,5, so gelang es dem Oberbür­ger­meister mit seinem Vorschlag noch eins draufzusetzen: eine neue Kinderbetreuungsstätte mit sechs Gruppen, direkt am Klinikum. Wenn möglich sollte er unter städtischer Träger­schaft schon im Herbst 2011 den Betrieb aufneh­men. Dafür gibt’s doch gleich eine 1,2.

Gute Zensuren, gute Laune im Finanzausschuss des Stadtrates. Dort hatten Robert Hobelsberger und Stephan Malert von MUC Consulting aus Planegg ge­rade ein erfreuliches Ergebnis ihrer Kinderbetreuungsanalyse für Landsberg präsentiert. „Was aber noch lange nicht heißt, dass es nicht verbesserungsfähig ist“, warnte OB Ingo Lehmann (SPD) vorab vor allzu großem Jubel. Nettoproduktionsrate Aktuell teilen sich 916 Buben und Mädchen insgesamt 945 Betreuungsplätze der 18 Einrichtungen. Hier lohnt jedoch die Detailbetrachtung. Während es nämlich in den Kindergärten mehr Plätze (841) als Kinder (809) gibt, verhält es sich bei Krippe (72/85) sowie Hort und Mittagsbetreuung (32/46) genau anders herum. „Erstaunlich niedrig“, urteilten die Experten. Hier müsse Landsberg reagieren. Denn: Obwohl der Anteil der Frauen in dem für die Geburtenrate relevanten Alter – der Experte spricht hier von „Nettoproduktionsrate“ – weiter abnimmt und dem entsprechend auch der Anteil der Kinder, steigt vorerst noch der Be­- treuungsbedarf – „insbesondere im Segment der Unter-3-Jährigen“, so Hobelsberger. Das auch weil die Zahl der berufstätigen Frauen stetig nach oben gehen wird. Den Stadtoberen legten die Planegger Fachleute sogleich ein ganzes Maßnahmenpaket auf den Ratstisch. Den Prognosen bis 2015 folgend, sei eine Lücke von 50 Krippen- und 90 Hort- bzw. Mittagsbetreuungs- sowie 20 Kindergartenplätzen zu schließen. Mehr Flexibilität bei Öffnungszeiten und Buchung sei das Gebot der Stunde, ebenso die grundsätzliche Qualitätsverbesserung. Wünschenswert sei weiterhin ein kostenfreies letztes Kindergartenjahr, für das die Stadt fast 350000 Euro jährlich gerade stehen müsste. Davon hält OB Lehmann aus verschiedenen Gründen nichts, „die Einzelfallförderung ist mir viel lieber.“ Gruppen umwandeln Unabhängig davon hatte das Stadtoberhaupt die aktuelle Situation vorab mit allen Kindergartenleitungen und -trägern be­raten. Ergebnis dieser Runde: von vier Kindergärten kam bereits das Signal, je eine Gruppe (25 Buben und Mädchen) demnächst in eine Krippengruppe (12 Kinder) umwandeln zu sollen. Dafür soll’s an anderer Stelle Ersatz geben: in dem neuen Kindergarten am Klinikum, wo anstelle des bereits abgerissenen Hauses 1 ein Ärztehaus geplant war. Da der Landkreis davon wieder abgerückt ist, bot sich für die Stadt nun die Chance, eine „Versorgungslücke“ im Nordwesten zu schließen. Auf dem 2150 Quadratmeter großen Areal an der Einfahrt zum Klinikum ist ein zweigeschossiges Gebäude geplant. Pro Etage sind drei Gruppen vorgesehen. Damit bleiben noch 1600 Quadratmeter Freifläche. Da sich Stadt und Landkreis be­reits „einig“ seien, schickte sich OB Lehmann an, die Zensur noch zu verbessern. So erhielt die Verwaltung vom Finanzausschuss den Auftrag, die Planung für die neue Kinderbetreuungsstätte sofort in Angriff zu nehmen und stellte dafür 50000 Euro be­reit. Die städtische Einrichtung soll spätestens am 1. September 2012 in Betrieb gehen.

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Tempo 30 in der Münchener Straße
Tempo 30 in der Münchener Straße
Umzug startet mit Schreck
Umzug startet mit Schreck
Geister steigen aus dem See
Geister steigen aus dem See

Kommentare