"Viel besser als nur Weiß"

Kindergruppe Beuern präsentiert Arbeiten ihrer jungen Picassos

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Der fünfjährige Maximilian erklärt sein Bild „Hund, Max und der Urknall.“
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Carlos Bild
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Luises Bild

Greifenberg/Beuern – Picasso hat mit sieben angefangen zu malen. Zwei Jahre später ist ‚Picador‘ fertig, sein erstes Ölgemälde. Es zeigt, ganz gegenständlich, einen Stierkämpfer samt Publikum. Weitaus weniger gegenständlich, dafür aber genauso beeindruckend sind die Bilder der Kinder, die in der Kindergruppe Beuern betreut werden. Denn was dort in den letzten Monaten entstanden ist, sind wahre Kunstwerke – von Drei- bis Sechsjährigen.

Von Maximilian stehen gleich drei Bilder in dem ‚Atelier‘, eine kleine Ecke in einem der zwei großen Räume der Beuerner Kindergruppe. Zwei davon sind abstrakt, wie die Bilder der anderen Kinder auch. Nur auf einem sind zwei Figuren zu erkennen. In weiß, fast wie Gespenster. „Das ist ein Hund, der mit mir spazieren geht“, erklärt der Fünfjährige. Dreht man das Bild, kann man auch den Titel lesen, den Maximilians Vater dort hingeschrieben hat: „Hund, Max und der Urknall.“ Letzterer in Rot hinter Hund und Max zu sehen.

Als Maximilian das Bild angefangen hat, wollte er nicht gegenständlich malen. „Aber dann ist das Weiß so verlaufen. Und dann hab ich gedacht: ‚Das ist doch ein Hund‘.“ Kurzerhand Auge, Nase und Mund dazu: Werk vollendet.

„Die Kinder wissen immer ganz genau, wann ein Bild fertig ist“, erzählt Betreuerin Renate Funk. Auch wenn es mehrere Wochen braucht. Sie hat ein paar Kinder beim Malen fotografiert. Kinder, die mit dem Pinsel den letzten Schliff geben oder auch mit dem Spachtel die pastose Acrylfarbe mal mehr, mal weniger dick über die Leinwand verteilen. Oder ganz zum Schluss die Seite der Leinwand mit schwarzer Farbe rahmen.

Zeit zum experimentellen Malen haben die Kinder jeden Montag, mit der Vorsitzenden der Kinder­gruppe Renate Kopp. Meistens seien es vier oder fünf, manchmal mehr – je nachdem, wie viele Lust haben, sagt Funk. Allzu viele sollten es nicht sein: „Das stört die Ruhe. Dann können sich die Kinder nicht richtig aufs Malen konzentrieren.“

Luises Bild

Unter Anleitung von Kopp greifen die Kinder zu den Farben. Aber die Bilder malen sie komplett selbstständig. Es gebe auch keine Vorlagen oder Grenzen – außer denen der Leinwand. Die Kinder seien auf ihre Bilder stolz. „Das stärkt ihr Selbstbewusstsein und ihr Auftreten. Und es macht ihnen offensichtlich Spaß“, ist Funk überzeugt. Sie und ihre Kollegen seien selbst ganz überrascht von den Ergebnissen gewesen. „Erstaunlich, was selbst Dreijährige können, wenn man ihnen die Möglichkeiten gibt.“ Zum Beispiel Luise mit einem Bild, dessen blaue Mitte einen förmlich einsaugt.

„Ganz am Anfang muss man so einen Keil in den Rahmen reinhämmern, damit das gespannt ist“, erklärt Carlo. Die Kinder dürfen auf richtigen Leinwänden arbeiten – etwas ganz anderes als Papier. Und auch etwas teurer. Finanziert hat das bisher die Kindergruppe selbst. Und die Zukunft sichert ihnen eine 1.000-Euro-Spende des Vermögens, das durch die Bürgerkarte gesammelt wurde.

Carlos Bild

Dann nehme er eine Grundfarbe, mit der er die ganze Leinwand bemale, sagt Carlo. Er zeigt auf eine dunkelgrüne Fläche seines Bildes: „Die habe ich als Letzte gemalt.“ Dazwischen liegen Lila, Rot, Orange, Blau und Gelb. „Die Kinder experimentieren intuitiv mit den Farben“, sagt Funk. Die Auswahl sei dabei rein intuitiv. „Zum Schluss habe ich mit gelb gespritzt“, lacht Carlo. Was zu drei parallelen Linien geführt hat, die seinem Werk irgendwie Dynamik verleihen.

Im Atelier stehen auch Sprühflaschen, Walzen, Eimer mit Sand und Marmormehl, Glitzer. Und sogar Blattgold. Glitzer und Gold sind auch auf den Bildern der dreijährigen Anni zu sehen. Eines sieht aus wie die Erde, aus dem Weltall gesehen. Mit drei kleinen, bergigen Blattgoldinseln.

„Ich hab in ein paar von meinen Bildern auch Sand reingemischt“, erzählt Elias. Er hat bereits ziemlich viel gemalt. Ein paar Bilder hängen auch schon bei ihm zuhause an der Wand. Aber er hat noch mehr vor: „Ich muss so viel malen, dass die ganze Wand voll ist. Das ist viel besser als bloß Weiß.“ Stimmt. Eine Wand voller Bilder ist nicht nur besser als Weiß. Sie ist etwas ganz Besonderes.

Die Arbeiten der Kinder sind am Samstag, 20 Juli, ab 14.30 Uhr in Beuern, Kirchstraße 1, zu bestaunen.

Susanne Greiner

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