Wenigstens eine Interessentenliste

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Wer darauf baut, dass sein Kind ab Spätherbst tatsächlich im neuen Kinderhaus vor dem Klinikum Landsberg (Foto) betreut wird, muss viel Vertrauen aufbringen.

Landsberg – Auch nach der Entscheidung für das neue Kinderhaus in Landsberg und rund drei Monate vor Beginn des Schuljahres gibt es unterschiedliche Erkenntnisse zum Bedarf an Krippenplätzen.

Während Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) aus seiner Verwaltung alle Plätze als „belegt“ gemeldet werden, sieht man bei den einzelnen Krippen zum Teil noch „sehr gute Chancen“ auf einen Platz für die Kinder unter drei Jahren. Ausgerechnet bei der Stadt ist es im Moment aber unmöglich, einen Platz zu ergattern. Dies liegt aber offenbar nicht etwa daran, dass das Kinderhaus bereits voll ist. Das hatte Neuner unlängst verlauten lassen.

Im Zuge der Diskussion um die Zuschüsse der Stadt hatte sich der OB eine Übersicht der Gebühren, Aufwendungen und Belegung erstellen lassen. Demnach hätten Eltern für das Städtische Haus am Klinikum bereits über 60 Kinder „verbindlich“ angemeldet. Auch eine Umfrage bei allen anderen fünf Krippen habe ergeben, dass dort keine Plätze mehr frei seien, so Neuner, der eine entsprechende Liste präsentierte.

„Es könnte sein, dass wir mit der Quote, Einrichtungen für 30 Prozent der Kinder anzubieten, tatsächlich nicht hinkommen“, fürchtet das Stadtober­- haupt. Seiner Kenntnis nach seien aus diesen Zahlen mögliche Mehrfachanmeldungen bei den Krippen „schon herausgerechnet“, es handele sich um die „tatsächliche Belegung“.

Das deckt sich nicht mit den Erfahrungen, die Eltern gerade bei den Einrichtungen selbst machen. Wer versucht, sein Kind dort unterzubringen, hört zwar tatsächlich in den meisten Fällen, dass die Plätze vergeben sind. Wer sich auf den Wartelisten eintragen lässt, habe aber erfahrungsgemäß „gute bis sehr gute Chancen“, noch nachzurutschen. Ein Grund dafür sind Erziehungsberechtigte, die ihren Nachwuchs vorsichtshalber bei mehr als einer Krippe angemeldet haben und in den nächsten Wochen einen dieser Plätze wieder freigeben.

Dass dies in den städtischen Zahlen bereits berücksichtigt sei, hält man vor Ort für unwahrscheinlich – die betroffenen Träger selbst führen den Datenabgleich nicht durch. In einem Punkt stimmt die Erhebung der Verwaltung offenbar sachlich nicht: Beim Waldorfkindergarten sind vier Krippenplätze aufgeführt, beim Kindergarten selbst spricht man von 15, die auch noch nicht alle vergeben sind.

In der städtischen Kalkulation taucht außerdem eine weitere Größe erst gar nicht auf, die in Landsberg häufig nachgefragt wird: Eltern ziehen oft eine Betreuung durch eine Tagesmutter einem Krippenplatz vor, zu­- mal inzwischen die finanzielle Belastung ähnlich ist. Der Markt dafür wächst, das Angebot auch. Wer beim Landsberger Kinderbüro anruft, erfährt im Moment, dass die Lage alles andere als dramatisch ist. Dort werden derzeit die Anmeldungen gesammelt und dann auf die Tagesmütter verteilt, im Mo­ment gebe es noch „ausgezeichnete“ Chancen, zum Zuge zu kommen.

Wage Aussagen

Ausgerechnet beim neuen Kinderhaus Römerauterrasse selbst scheint es damit momentan am schwierigsten zu sein, sein Kind unterzubringen. Dass die Einrichtung nicht bis zum Beginn des Schuljahres fertig ge­baut sein wird, ist inzwischen offiziell. Doch selbst Eltern, die das in Kauf nehmen, stehen vor weiteren Hürden, die Zweifel an einem baldigen Start aufkommen lassen. Derzeit etwa müssen sich Interessierte noch an das Referat für Schule, Jugend und Sport wenden, wie eine junge Mutter dem KREISBOTEN berichtet. Dort ist auch zu erfahren, warum: Es gibt noch keine direkten Ansprechpartner für das Kinderhaus, da man noch Personal suche – zu einem im Sozialbereich späten Zeitpunkt.

Auch die infrage kommenden Internet-Adressen sind noch nicht registriert; womit dann zwar klar ist, warum es keine Verlinkung auf der Website der Stadt Landsberg gibt, nicht aber, warum dort generell keinerlei Verweis auf das eigene Kinderhaus zu finden ist – die Stadt verlinkt allerdings im Internet unter „Kinderkrippe Heilig-Kreuz“ auch auf einen Kindergarten in Hamburg, dessen Website nicht erreichbar ist.

Auch zu den Gebühren erfahren die Mütter von der Stadt im Moment nichts konkretes. Man werde sich „in etwa“ an den anderen Einrichtungen orientieren, heißt es lediglich. Mathias Neuner selbst wiederum sagt, dass er über eine Staffelung nach dem Einkommen der Eltern nachdenke. Nur eines wird den Anrufern, die sich für einen Platz anmelden wollen, klar gesagt: Sie können sich zwar auf eine „Interessentenliste“ eintragen lassen, verbindlich ist das allerdings nicht. Weitere Informationen gibt es dann per E-Mail oder schriftlich – zu einem Zeitpunkt, den man noch nicht nennen kann.

Christoph Kruse

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