"Paradiesische Zustände"

Kinder erleben den Bau "ihres" Hauses

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Kaum zu glauben aber möglich: Trotz der noch laufenden Baumaßnahmen innen wie außen soll das neue Kinderhaus Römerauterrasse am 4. November in Betrieb gehen.

Landsberg – Die gute Nachricht gab’s von OB Mathias Neuner gleich am Anfang der Baustellenbesichtigung: „Wir werden das Kinderhaus definitiv pünktlich eröffnen, am 4. November geht es los.“

Allerdings wird zu diesem Termin nur ein Teil des neuen Gebäudes an der Römerauterrasse fertig sein; zu Beginn steht nur je ein Raum für Kindergarten und -krippe sowie ein Sanitärraum zur Verfügung. Im restlichen Teil des Hauses wird dann weiter gearbeitet.

Laut Neuner stellt das kein Problem dar. „Die Eltern wurden alle darüber informiert, die sehen das sogar eher positiv. Das ist die erste pädagogische Maßnahme für die Kinder, sie erleben, wie ihr Haus gebaut wird.“ Auch Leiterin Anke Schmette hat „für die Unterbringung und Inbetriebnahme durch die Bank Beifall“ von den Eltern bekommen, „sie stört die Improvisation nicht.“ Gleichwohl sollen die Handwerker auf die Ruhezeiten der Kinder Rücksicht nehmen. „Wenn das aber für ein Kind trotzdem zuviel ist, können wir auf jeden Fall auf einen Ersatzplatz im AKE-Kindergarten ausweichen“, so Projekt­leiter Peter Huber vom Stadtbauamt.

Unter Hochdruck

Auch bei der Ausstattung ist man nach Auskunft des Oberbürgermeisters noch im Verzug. „Wir werden mit einer provisorischen Möblierung starten“, so Neuner, „und hoffen, dass der Rest in der zweiten Novemberhälfte dann kommt.“ An den beteiligten Handwerkern und Firmen lägen die Terminschwierigkeiten aber nicht, machten sowohl das Stadtoberhaupt als auch der Projektleiter deutlich. „Der Möbellieferant arbeitet drei Schichten rund um die Uhr, mehr geht einfach nicht. Aber wir haben nun einmal im Moment einen Krippenboom in Deutschland.“ Vor Ort in Landsberg werde ebenfalls unter Hochdruck gearbeitet. „Die Leute schlafen teilweise auf der Baustelle, mehr kann man nicht mehr herauspressen. Es wurde sogar der Antrag auf Sonntagsarbeit gestellt, dem konnten wir aber nicht entsprechen.“

Ohnehin ist die Belegung des Kinderhauses erst mal deutlich eingeschränkt. Von den 25 Kindergartenplätzen werden zunächst neun besetzt, von den 45 Krippenplätzen gar nur acht. Diese Kinder sollen nach dem „Berliner Modell“ anfangs zwei bis drei Stunden täglich eingewöhnt werden. Zu jedem Monatsersten sollen dann weitere Kinder ins Haus kommen. Die Kindergartengruppe sei komplett belegt, so Anke Schmette, „da haben wir schon eine Warteliste“. Auch die neue Krippengruppe in der „Arche“ sei seit vergangener Woche voll – wieviele Krippenplätze im neuen Kinderhaus noch frei sind, wurde nicht gesagt. Um die zunächst 17 Kinder werden sich dennoch von Anfang an fünf Erzieherinnen und drei Kinderpflegerinnen kümmern.

Rekordverdächtig

„Das sind erst einmal paradiesische Zustände“, meinte Stadtjuristin Petra Mayr-Endhart, die sich insgesamt mit der Entwicklung zufrieden zeigte. „Wir haben keine Klagen aus dem Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz bekommen. Der Bedarf ist da und wir konnten ihn erfüllen“, zog sie eine positive Zwischenbilanz. Auch Mathias Neuner stellte fest, dass die Beteiligten trotz der Terminprobleme eine beeindruckende Leistung abgeliefert hätten. „Das ist auf jeden Fall Landsbergs schnellste Baustelle, sie ist fast schon rekordverdächtig“, so der Oberbürgermeister angesichts des Spatenstichs im Juli dieses Jahres.

Ein Teil des Zeitdrucks war der Stadt allerdings schon zuvor abgenommen worden: Die staatliche Förderung für den Bau von Krippen läuft nicht, wie zunächst angekündigt, zum Ende des Jahres aus. „Es gibt die Förderung mindestens auch noch im Jahr 2014“, sagte das Stadtoberhaupt, „wie es danach weitergeht, ist noch nicht ganz klar“. Das sei aber erst „gegen Mitte des Jahres“ bekannt geworden. Sollte weiterer Bedarf entstehen, kann auf das neue Gebäude in Modulbauweise ein weiteres Stockwerk gestellt werden.

Um die Eltern umfassend zu informieren, veranstaltet die Stadt den ersten Elternabend am 24. Oktober (17 Uhr) im Sportzentrums. Das Einweihungsfest im neuen Kinderhaus Römerauterrasse, das für den 19. November geplant war, soll jetzt am 10. Dezember stattfinden.

Christoph Kruse

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