Hilfseinsatz nach der Flut

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Für die Kauferinger Hilfsorganisation Lands Aid ging Rebekka Bodemer (re.) aus Hurlach nach Pakistan, um dort ein mobiles Krankenhaus für die Flutopfer aufzubauen.

Kaufering/Hurlach – Die Kinderkrankenschwester Rebekka Bodemer aus Hurlach war für die Kauferinger Hilfsorganisation Lands Aid zwei Wochen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Gemeinsam mit einem vierköpfigen Team schulte sie lokale medizinische Fachkräfte sowie freiwillige Helfer und baute eine mobile Klinik mit auf.

Der Hintergrund: Seit Anfang August ist Pakistan aufgrund schwerer Monsunregenfälle von Überflutungen betroffen. Mehr als hundert Tote und Tausende, die obdachlos geworden sind, sind die Folge. Und das, obwohl die Menschen immer noch mit den Auswirkungen der Überschwemmungen der vergangenen beiden Jahre zu kämpfen haben: Insgesamt fünf Millionen Betroffene, darunter 50 Prozent Kinder, befinden sich seither in einer komplexen Notlage. Besonders von der Flut betroffen sind die Städte Nowhera in der Region Khyber Pakhtunkwa im Norden des Landes sowie Jafarabad in der Region Balochistan im Südosten Pakistans.

„Unzählige Menschen haben hier kaum Zugang zu sauberem Trinkwasser, sie bekommen Infektionskrankheiten und leben unter mangelhaften Bedingungen“, sagt Rebekka Bodemer. „Die massiven Überschwemmungen bieten ideale Brutstätten für Stechmücken, die Malaria übertragen. Besonders für schwangere Frauen und Kinder unter fünf Jahren ist die Gefahr, an dieser Krankheit zu erkranken, stark erhöht. Hilfe ist unbedingt erforderlich.“

Der ursprüngliche Plan, dass lokale medizinische Teams durch Lands-Aid-Einsatzkräfte in einer mobilen Klinik unterstützt werden, um eine Basis-Gesundheitsversorgung in der besonders stark betroffenen Provinz Belutschistan vorzunehmen, musste jedoch aufgrund der derzeit verschärften Sicherheitslage zurück gestellt werden. Stattdessen wird aktuell eine mobile Klinik in Nowshera mit lokalem medizinischem Personal durchgeführt.

Dieses wurde zuvor vom Lands-Aid-Team geschult: Gemeinsam mit der Partnerorganisation Pakistan Relief boten die Lands-Aid-Mitarbeiter ein Vor-Ort-Training in Islamabad an. „Die medizinischen Fachkräfte aus Nowshera wurden in Themen wie ‚Krankheitsbilder‘ sowie ‚Ablauf und Organisation mobiler Kliniken‘ geschult,“ berichtet Rebekka Bodemer. „Freiwillige Helfer ohne medizinischen Hintergrund aus Jafarabad und Nowshera erhielten zudem Schulungen im Bereich Gesundheitsprävention. Sie sollen ihre neu erworbenen Kenntnisse innerhalb ihrer Dörfer weitergeben und so für ein besseres Gesundheitswissen sorgen.“

Mobile Klinik

Da die Krankenschwester durch vergangene Lands-Aid-Einsätze – etwa in Kenia, Äthiopien oder Haiti – zahlreiche Erfahrungen in der Arbeit in einer mobilen Klinik gesammelt hat, war es ihre Aufgabe, den lokalen Medizinern einen generellen Überblick über deren verschiedene Stationen zu geben: Vom Aufbau, über die Triage, die Behandlung, Apotheke bis zur Entlassung beziehungsweise Weiterverlegung.

Zudem wurden weitere wichtige Themen wie Teamwork, Rollenverteilung, Kommunikation innerhalb des Teams erarbeitet und besprochen. „Ich habe auch von meinen persönlichen Erlebnissen in mobilen Kliniken erzählt und Tipps gegeben,“ sagt Bodemer. „Die Pakistanis waren sehr interessiert an den Geschichten und fanden es spannend zu hören, wie eine mobile Klinik etwa in Haiti funktioniert und aussieht.“

Das Modell einer mobilen Klinik sei flexibel und anpassungsfähig, so die Krankenschwester, und könne praktisch auf jedes Land übertragen werden. Nach einem theoretischen Part folgten schließlich die praktischen Übungen. Die mobile Klinik im fiktiven Land „Atlantis“ wurde aufgestellt – hier hatten die Schulungsteilnehmer in verschiedenen Teams diverse Aufgaben zu erfüllen. „Die Teilnehmer eines der Teams waren auch die tatsächlichen Mitarbeiter von Pakistan Relief, die derzeit in Nowshera eine mobile Klinik betreiben. Eine tolle Möglichkeit, erste gemeinsame Erfahrungen zu sammeln,“ meint Bodemer. 

„Der Einsatz war ganz anders als alle meine bisherigen Einsätze,“ erzählt die Kinderkrankenschwester weiter. „Schließlich haben wir unsere Zeit im Seminarraum verbracht und waren nicht im Feld. Obwohl wir nur zwei Wochen vor Ort waren, war es ein langfristiger und nachhaltiger Einsatz, weil wir in die Einheimischen investiert haben. Die Pakistanis sind sehr wissbegierig, alle haben tatkräftig und begeistert mitgearbeitet.“

Krankheiten vorbeugen

Die Weichen für eine groß angelegte Hilfsgüterverteilung in den betroffenen Gebieten sind zudem bereits gestellt. In Zusammenarbeit mit lokalen Helfern von Pakistan Relief, wird Lands Aid Wasserkanister und Moskitonetze an circa 7500 Haushalte – mit einer Durchschnittsgröße von acht Personen – in den Projektregionen verteilen. Ziel ist es, der Gefahr vor Krankheitsausbrüchen wei-ter entgegenzuwirken und einen hygienischen Mindest-standard zu erlangen. Unterstützt wird die Verteilung von der Organisation „Apotheker helfen“.

Das Gesamtprojekt in Pakistan wird vom Deutschen Auswärtigen Amt gefördert. Bereits 2010, nach der Jahrhundertflut, bei der in Pakistan rund 2000 Menschen getötet und 18 Millionen Menschen betroffen waren, führte die Kauferinger Organisation Lands Aid mit Pakistan Relief und der Unterstützung des Auswärtigen Amtes erfolgreich ein Projekt zur medizinischen Basisversorgung und Hilfsgüterverteilung in den Provinzen Sindh und Belutschistan durch.

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