Von Kindern gesehen

Frühlingszeit ist Trachtenzeit, denn in der Tracht verbindet sich Handwerkskunst mit Tradition und Lebensfreude, die schon viele Künstler zu Portraits und Gemälden inspirierte. Auch Kinder und Jugendliche haben Freunde an den bunten Stoffen und Motiven und so stöberte Eleonore Weindl, die 86-jährige Kuratorin des Gestaltarchivs in ihrem unendlichen Fundus der Kinderkunst und wurde fündig: 33 große Trachtenmalereien einer Münchner Schulklasse regten sie an, eine Trachtenausstellung zu gestalten.

Das Herzstück der Ausstellung schmückt den Gartensaal des Archivs, in dem zahlreiche Kurse Sommerkurse zu kreativen handwerklichen und künstlerischen Themen stattfinden. Das besondere an den Trachtenbildern ist laut Eleonore Weindl, dass die Schülerinnen die Trachten nicht abgezeichnet, sondern nach einem Besuch des Trachtenumzugs zur Eröffnung der Wiesn aus der Erinnerung gemalt haben. Eine Aufgabe, die die Formgabe der 33 Mädchen, ganz im Sinne der kunstpädagogischen Lehre des großen Kunstpädagogen und Begründers des Gestaltarchivs Hans Hermann (1899 bis 1981), weckte und 33 Trachtenpaare entstehen ließ, von denen keines dem anderen gleicht. Neben zahlreichen Kinderbildern zum Thema Tracht illustrieren auch Drucke von Gemälden Wilhelm Leibls und Johann Georg von Dillis sowie zahlreiche, teilweise historische Fotografien und Postkarten die Vielfalt und Originalität der bayerischen Trachtenmode in den letzten Jahrhunderten. Aber auch Exponate, die Handwerkskünste wie die Schneiderei, die Korbflechterei, die Stickerei oder das Gürtlerhandwerk sichtbar und fühlbar machen, kann man bewundern: Dazu gehört unter anderem eine mit zahllosen Stichen reich verzierte Trachtenhaube oder ein prächtiges Gewand, die so genannte Dungau-Tracht vom fruchtbaren Gäuboden des Dungaus zwischen Regensburg und Vilshofen, wo heute noch, wie Eleonore Weindl zu berichten weiß, reiche Bauern ihre wertvollen Trachten voller Stolz tragen. Aber nicht allein bayerische Trachten, ihre handwerkliche Herstellung und ihre künstlerische Rezeption sind Thema der Ausstellung, sondern auch Trachten aus fernen Ländern die mit ihrer Farbenpracht das Auge erfreuen. Ein besonderes Augenmerk legte die Kuratorin dabei auf Osteuropa und die Türkei, auf Südamerika, Thailand und Japan. Zu den Besonderheiten der Ausstellung gehört neben der Darstellung der Schondor- fer Tracht von Gestern und Heute nicht zuletzt das Porträt eines japanischen Kaiserpaares im traditionellen Gewand. Die Ausstellung „Trachten – Malereien von Kindern und Jugendlichen – Gewänder und Puppen – Abbildungen aus vielen Ländern“ ist noch bis zum 26. Juli im Gestalt-Archiv Hans Herrmann (www.gestalt-archiv.de) zu sehen. Geöffnet ist Sonntags jeweils von 13 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung unter Telefon 08192/7675.

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