Kinderporno-Plattform "Elysium":

Landsberger "Elysium"-Mittäter im sozialen und kulturellen Leben verankert

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Ein im sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben der Lechstadt verankerter Landsberger (63) steht in Limburg vor Gericht. Er soll maßgeblich an der Kinderporno-Plattform „Elysium“ mitgewirkt haben.

Landsberg – Das Elysium ist eigentlich der Zustand des vollkommenen Glücks. Es ist aber auch, erschreckenden pervertiert, der Name der ehemaligen internationalen Kinderporno-Plattform im Dark­net. Von deren Betreibern stehen derzeit vier Männer in Limburg vor Gericht. Das Urteil wird am 7. März erwarten. Unter den Tätern ist auch ein Landsberger. In seinem „normalen“ Leben betrieb er am schönen Lech eine Agentur für Webdesign. Und mit ihr war er für kulturelle, soziale und kirchliche Einrichtungen in Landsberg tätig.

Betrachtet man die Referenzen, die der mittlerweile 63-jährige Landsberger auf seiner Agentur-Webseite angibt, vermitteln die den Eindruck eines sozial und kulturell engagierten Mannes. Als Arbeitsbeispiele für sein Webdesign gibt er kulturelle Einrichtungen oder Künstler, Rechtsanwälte sowie soziale und kirchliche Einrichtungen an, unter letzteren gar ein Kindergarten. Auch ein Gemeindebrief, den der Angeklagte über Jahre hinweg gestaltete, ist mit dem Zusatz „Gestaltung, Layout und Druck Agentur Dryklanc“ versehen. Einige dieser Webauftritte betreute er auch. Und nutzte deren technische Infrastruktur für seine abscheulichen Aktivitäten im Darknet.

Aber nicht nur im technischen Bereich soll der Lechstädter mit sozialen Einrichtungen verbunden gewesen sein. Auch im ‚realen‘ Leben habe er sich sozial engagiert und zum Beispiel ältere Menschen betreut. Ein sozial kompetenter Mensch, mag man meinen. Oder einer, der bewusst einen positiven sozialen Eindruck machen wollte.

In der JVA Landsberg

Ein heikles Thema. Auf Nachfrage des KREISBOTEN möchte kaum ein Mitarbeiter dieser Institutionen über den Angeklagten sprechen. Die wenigen, die sich hinter vorgehaltener Hand äußern, sprechen ihm soziale Kompetenzen ab. Er sei arrogant gewesen, überheblich, ohne jedoch Verantwortung übernehmen zu wollen. Dass der Angeklagte bereits einmal im Gefängnis saß, in der Justizvollzugsanstalt Landsberg, habe man gewusst. Aber eben nicht, weshalb. Der Lechstädter war vor rund 20 Jahren zu einer Strafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt worden. Wie sich im Zuge des Limburger Prozesses für die Betroffenen jetzt zeigte, damals schon wegen sexuellen Kindesmissbrauchs. Er wurde wegen guter Führung vorzeitig auf Bewährung entlassen. Seinen erlernten Beruf – Kinderpfleger und Erzieher – durfte er danach nicht mehr ausüben.

Die von dem heute 63-Jährigen erstellten Webseiten bestechen nicht durch Perfektion. Einfache Auftritte, ohne Schnick-Schnack, biederes Design. Auch seine eigene Webseite trägt jahrelang den Vermerk „Diese Webseite wird derzeit inhaltlich überarbeitet“, wie das Internetarchiv Wayback Maschine zeigt. Im Juni 2017 ist sie noch online. Spätestens ab September steht die Adresse zum Verkauf. Und wird im August 2018 zu einer Porno-­Dating-Seite – zu Beginn sogar noch mit dem ehemaligen Design des Angeklagten. Der ist da schon lange in Haft. Die Plattform „Elysium“, die im Darknet angesiedelt war, wurde im Mai 2017 ausgehoben. Damals hatte sie rund 110.000 Mitglieder und das nach nur sechs Monaten Betrieb.

Im „Elysium“ konnten die Forenmitglieder weltweit pornografisches Material austauschen und sich auch zu Treffen mit Kindern zum sexuellen Missbrauch verabreden. Der Landsberger ist wegen zweier Taten angeklagt. Einerseits wegen seiner Mitwirkung bei „Elysium“: Er soll kinderpornografische Schriften „bandenmäßig“ verbreitet haben und als Chat-Moderator aufgetreten sein. Andererseits aber auch wegen sexuellen Kindesmissbrauchs. So wird ihm vorgeworfen, sich mit einem Mann aus Österreich verabredet zu haben, um dessen Sohn und Tochter zu missbrauchen.

„Er hat die Vorwürfe größten­teils eingeräumt“, bestätigt Georg Ungefug, Pressesprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt – sowohl die Arbeiten für „Elysium“ als auch den sexu­ellen Kindesmissbrauch. Allerdings beschönige und relativiere er nach Ansicht Unge­fugs seine Taten. Etwas, das auch auf der Plattform selbst zu sehen sei. Dort werde zum Beispiel behauptet, dass die Kinder die Handlungen auch wollten. Es gehe ja auch um deren Aufklärung.

Der Augsburger Anwalt des Landsberger Angeklagten weist hingegen darauf hin, dass sein Mandant dem Vorwurf der „bandenmäßigen Verbreitung kinderpornografischen Materials“ vehement widerspreche. Dazu seien seine technischen Fähigkeiten nicht ausreichend gewesen. Er habe lediglich einen von vielen Chats der Plattform als Administrator begleitet. Chats, in denen man über Gott und die Welt rede. Den sexuellen Missbrauch gebe er hingegen zu. Er habe ein schlafendes Kind fotografiert und berührt. Eine Tat, die er sich selbst nicht verzeihen könne, da er gedacht habe, es ohne sexuelle Handlungen gegenüber Kindern zu schaffen. „Er sagt, er sei der Verlockung erlegen.“

Am morgigen Donnerstag werden in Limburg die Plädoyers gehalten, ebenso hat der Angeklagte sein letztes Wort. Für den schweren sexuellen Missbrauch von Kindern gebe es Freiheitsstrafen „von mindestens zwei bis zu 15 Jahren“, informiert Ungefug. Für die bandenmäßige Verbreitung von kinderpornografischen Schriften seien Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vorgesehen. Am 7. März sollen die Urteile gefällt werden.

Susanne Greiner

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