Dießener wollen mitreden

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Was ist in den Seeanlagen baurechtlich möglich? Diese Frage beschäftigt derzeit Befürworter und Gegner des Bürgerbegehrens.

Dießen – In Dießen wird es voraussichtlich ein Bürgerbegehren zum Thema Kiosk in den Seeanlagen geben: Von den Initiatoren des Begehrens, das bis Ende letzter Woche auslag, war zu erfahren, dass die benötigte Anzahl der Unterschriften erreicht wurde. „Wir sollten uns darüber unterhalten, was wir der Bevölkerung zum Thema Kiosk in den Seeanlagen sagen wollen“, forderte Franz Kubat (Dießener Bürger) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Seiner Ansicht nach wurden in der Ausstellung zum anstehenden Bürgerbegehren, das sich mit Alternativen zur Gestaltung des Seekiosks beschäftigte, Möglichkeiten aufgezeigt, die „unrealistisch und geradezu blauäugig sind“.

Dabei würden Flächen überplant, die baurechtlich gar nicht zur Verfügung stünden. Von den Initiatoren des Begehrens war zu erfahren, dass mehr als die benötigte Anzahl der Unterschriften zum Wochenende bereits erreicht wurden. Auf Anraten von SPD-Gemeinderätin Hannelore Baur beauftragte Bürgermeister Herbert Kirsch die Verwaltung mit der Ermittlung der Kosten für einen Bürgerentscheid. Einen Architektenwettbewerb und einen Bebauungsplan gäbe es nicht zum Nulltarif, betonte Baur und fügte hinzu: „Ich stehe zu unserer Entscheidung“ und damit zur Planung des Büros Engelsmann und Peters aus Stuttgart. Ähnlich äußerten sich auch Kubat und Michael Fuchs-Gamböck (parteilos).

Bürgermeister Herbert Kirsch (DB) wies darauf hin, dass die Gemeinde zwar aufgrund der Eingemeindung von Flächen des außermärkischen Bereichs ab Januar Planungshoheit über die Seeanlage habe. An den Eigentumsverhältnissen ändere sich dadurch allerdings nichts – rund die Hälfte der eingemeindeten Flächen verbleiben im Besitz des Freistaats. „Und der Freistaat wird auch eine eigene Haltung zur Zukunft des Seeufers haben“, betonte der Bürgermeister. So besteht zum Beispiel ein Überbauungsverbot des Freistaates für gemeindeeigene Grundstücke. Deshalb konnte eine Kiosk-Erweiterung um 21 Quadratmeter für eine öffentliche Toilette nur nach Rücksprache mit der Schlösser- und Seenverwaltung geplant werden.

Nach Auskunft von Verwaltungschef Erich Neugebauer habe sich der Staat schon vor mehr als 100 Jahren, als die Gemeinde einen Teil der Flächen am See erwerben konnte, vertraglich ausbedungen, bei deren baulicher Entwicklung mitzusprechen. Ein weiterer Aspekt, so Kirsch in der Sitzung, sei der Denkmalschutz. So darf ein neues Gebäude die Wirkung des ADK-Pavillons nicht beeinträchtigen. Der Pavillon der 1939 erbaut und 1954 umgebaut und erweitert wurde sei, so Dr. Thomas Hermann vom Denkmalschutzamt auf Anfrage, nicht zuletzt aufgrund seiner architekturhistorischen und künstlerischen Bedeutung sowie aufgrund seiner städtebaulich exponierten Lage als Denkmal eingetragen worden. Fraglich sei jedoch, ob und inwieweit der bekannte Nachkriegsarchitekt Sep Ruf daran mitgewirkt habe.

Über den vom Gemeinderat favorisierten Kiosk-Entwurf mit drei begrünten Giebeldächern ohne Dachüberstand als moderne Interpretation der nahen Fischerhütten, soll in diesen Tagen ein Gespräch mit der Unteren Denkmalschutzbehörde geführt werden, teilte Kirsch mit. Die geplante, geringfügige Erweiterung des abgebrannten Kiosks werde von den Aufsichtsbehörden kritisch gesehen, eine Baugenehmigung liege noch nicht vor. Was darüber hinaus baurechtlich möglich sei, müsste in einem Bebauungsplanverfahren geklärt werden. Die alternativen Planungen die anlässlich des Bürgerbegehrens im Blauen Haus ausgestellt wurden, bezeichnete er vor diesem Hintergrund vorsichtig als „spannende Geschichte“.

Ursula Nagl

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