Kita-Bedarfsplanung 2021

»Bildungscampus Kaufering«?

Kita Planung
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Beim Ausbau der Kinderbetreuung gibt es in Kaufering viel zu tun. Eine Machbarkeitsstudie zum Ausbau der Schule inklusive Neubau einer Kita soll helfen.
  • VonAndrea Schmelzle
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Kaufering – Die Marktgemeinde braucht Kita-Plätze (der KREISBOTE berichtete). Um der großen Nachfrage möglichst schnell gerecht zu werden, wird etwa ein Containerprovisorium am Franz-Senn-Weg errichtet. Die Ergebnisse einer aktuellen „Bedarfsplanung Kindertagesbetreuung und Grundschule“ wurden jüngst in der Gemeinderatssitzung vorgestellt.

„Wir müssen wissen, wo wir stehen und wo wir hingehen“, sagt Kauferings Zweite Bürgermeisterin Gabriele Hunger. „Dinge ändern sich. Kinder gehen oft mit einem halben Jahr schon in die Kita.“ Die Kommunen sind für die rechtzeitige Bereitstellung und den Betrieb von Plätzen in Kindertageseinrichtung zuständig. Sie tragen die Planungs- und auch die Finanzierungsverantwortung. Eine langfristige Bedarfsplanung ist damit sinnvoll.

Durchgeführt wurde eine solche Planung für die Marktgemeinde vom Bamberger Stadtplaner Dr. Volker Salm. Zugrundeliegende Faktoren: Einwohnerentwicklung (abhängig von der Baulandplanung), gesellschaftliche Veränderungen (etwa zunehmende Doppelerwerbstätigkeit von Familien) sowie die geplante Einführung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder ab 2026. Entscheidende Parameter dabei sind die Fallzahlen der Kinder und die Einwohnerentwicklung.

„Kaufering ist ein überalteter Ort“, meint Hunger. Sichtbar wird das an einer Grafik: Bei der Zahl der Sterbefälle geht die Linie steil nach oben – und liegt derzeit bei 120 bis130 pro Jahr. Dem stehen jährlich etwa 80 Geburten gegenüber. Jedes Jahr verliert die Marktgemeinde damit circa 40 Einwohner. Die Jahreszahlen, auf die Salm seine Prognose stützt, stammen aus den Jahren 2010 bis 2014. Seit 2015 sei es im Zuge der Zuwanderung von Flüchtlingen „jenseits des Normalen“ gewesen, so Salm.

Aber auch Baufertigstellungen hätten Einfluss auf die Bedarfsplanung – nämlich auf die Zahl der Zuzüge, meint Salm. Und spricht damit vor allem das Baugebiet Lechfeldwiesen V mit 170 Wohneinheiten an.

Wesentlich für eine Bedarfsplanung sei die Bedarfsquote, die ermittelt werde aus der Zahl der Kauferinger Kinder, die aktuell in einer örtlichen oder anderen Einrichtung betreut werden sowie der Kinder, die sich noch auf einer der Wartelisten befinden. Diese Quote liegt derzeit für Kauferings Kleinkinder bei 0,5: Das bedeutet, das für 88 Kinder – 50 Prozent der Kinder unter drei Jahren – aktuell ein Krippenplatz in Anspruch genommen wird. Durch mehr Kinder, aber auch durch verstärkten Betreuungsbedarf aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen könne davon ausgegangen werden, dass die Bedarfsquote beständig ansteige. 2031 würden es damit vermutlich schon 60 Prozent der Kinder sein, die in einer Krippe betreut werden müssten. Das bedeute, dass insgesamt 134 Plätze nötig seien. Gemessen an derzeit 62 Plätzen bedeute das einen Ausbaubedarf von 72 Plätzen. „Hier ist viel zu tun“, meint Salm.

Bei den Kindergärten sei die gesellschaftliche Akzeptanz anders: Für jedes Kind im Kindergarten gibt es auch einen Betreuungswunsch. Aktuell erstrecke sich der bei 318 Betreuungsplätzen in sieben Kita-Einrichtungen auf 301 Kinder. Zusätzlich kommen 50 Kinder aus anderen Kommunen. Das ergibt eine Bedarfsquote von 109 Prozent. Die Bedarfsermittlung bis 2031 geht hier (inklusive Puffer und Baulandentwicklung) von 384 gewünschten Betreuungsplätzen aus – ein Ausbaubedarf von 66 Plätzen.

Mehr Platz nötig

Auch an der Grundschule sei weiterer Bedarf bereits absehbar – eng verknüpft mit der Ganztagsbetreuung, so Salm, denn die Ganztagsschule habe schon jetzt mit zu wenig Platz zu kämpfen. Derzeit verteilen sich in der Grundschule 330 Schüler auf 14 Klassen. Schon ab dem Schuljahr 2022/23 sei aber laut Salm eine Vierzügigkeit in allen Jahrgangsstufen zu erwarten. Das bedeute 16 Klassen – und somit einen Engpass.

Eine Ganztagsbetreuung – acht Stunden an fünf Werktagen und eine maximale Schließzeit von vier Wochen – soll ab 2026 stufenweise eingeführt werden, in Horten, offenen und gebundenen Ganztagsschulen, so Salm. Aktuell gebe es circa 230 Plätze, die sich auf die gebundene Ganztagsschule und die Mittagsbetreuung verteilen. Bis 2031 würden jedoch 314 Plätze benötigt, also 84 Plätze mehr.

Bei der Ausbauplanung müssten die Präferenzen seitens der Träger, Eltern und Kommune berücksichtigt werden. „Meine Empfehlung“, so Salm: „in Richtung Schule denken.“ Ein Ansatz sei eine Machbarkeitsstudie oder ein Wettbewerb, mit der Idee eines „Bildungscampus Kaufering“ im Hinterkopf. Das soll nun vorbereitet werden.

Bei der Umsetzung gelte es, zuerst geeignete Räumlichkeiten zu finden, damit es dann organisatorisch weitergehen könne. Die nächsten Schritte, so Salm: Workshops mit Verantwortlichen der Kinderbetreuung, bauliche Prüfungen, Vorbereitung der Machbarkeitsstudie und, vor allem, weiterhin ein jährliches Monitoring zur Entwicklung der Kinderzahlen und der Bedarfsquoten.

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