Solo für Mundharmonika

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Einen glanzvollen Konzertabend konnte man am Samstag bei „Klassik in Werk 3“ erleben. Das Orchester „Symphony Prague“ gastierte unter der Leitung von Johannes Skudlik in der Werkshalle der Firma Rational.

Landsberg – Bereits zum dritten Mal verwandelte sich am Samstagabend die Werkshalle des Landsberger Unternehmens Rational in einen Konzertsaal. Wo sonst Großgeräte gelagert und verpackt werden, fand nun eine Bühne Platz, groß genug für ein komplettes Sinfonieorchester samt Konzertflügel. Dazu genug Plätze für 1460 Zuschauer.

Klangbilder – unter dieses Motto könnte man das Programm dieses Abends stellen, das zwei berühmte Werke des russischen Komponisten Peter Iljitsch Tschaikowsky und mehrere Klassiker der Filmmusik vereinte. Beginnend mit Tschaikowskys Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“, die wohl bei jedem Zuhörer Bilder aus gesehenen Shakespeare-Aufführungen oder Verfilmungen heraufbeschwört. Wieder einmal beeindruckt das perfekte Zusammenspiel zwischen dem Orchester „Symphony Prague“ und Dirigent Johannes Skudlik, bewährt in vielen Auftritten und zuletzt in Landsberg bei der „Carmina Burana“ zu erleben. 

Mit dem tschechischen Pianisten Josef Bulva hat Johannes Skudlik einen echten Weltstar auf die Bühne gebeten. Geboren 1943 in Brünn wurde er als Wunderkind gehandelt, absolvierte bereits mit 13 Jahren Konzerte und wurde gleich nach Abschluss seines Studiums zum „Staatssolisten“ ernannt. Nach einem Unfall 1996, bei dem er seine linke Hand schwer verletzte, galt seine internationale Karriere als beendet, doch Bulva arbeitete konsequent daran, sich seine Virtuosität zurückzuerobern und kehrte 2009 auf das Podium zurück. Diese Virtuosität kam auch in Tschaikowskys „1. Klavierkonzert b-moll“ zum Tragen. Wenn auch das Spiel gerade im 1. Satz im gewaltigen Gesamtklang oft unterging, überzeugte es doch im tänzerischen Thema des zweiten Satzes. 

Russland trifft Italien 

Russisch ging es auch im zweiten Teil weiter, mit Maurice Jarres „Dr. Schiwago“, bei dem es Johannes Skudlik durch eine leichtere und etwas humorvolle Interpretation verstand, das gewaltige – und mitunter kitschige – Pathos etwas abzumildern. Abheben konnte man mit einer wunderbaren Fassung des Flying Theme aus dem Film „E.T.“ des Komponisten John Towner Williams, der vor allem durch seine Musik zu „Star Wars“ bekannt geworden ist. Eine einsame Trompete leitete über nach Sizilien, zum „Paten“, zum berühmten Liebesthema, dessen Akkordeonklänge Filmnostalgiker zum Schwärmen brachten. 

Doch das Glanzstück des zweiten Teils war ohne Zweifel Ennio Morricones „Spiel mir das Lied vom Tod“, für das eigens ein Mundharmonika-Solist auf die Bühne kam und mit dem verzerrten Grundthema für Gänsehaut sorgte. Mit E-Gitarre und wunderbarer Percussion kam das richtige Westernfeeling schnell auf, schaltete sich wohl bei jedem Anwesenden das „Kopfkino“ ein und ließ Henry Fonda, Charles Bronson und Jason Robards im Saal erscheinen. „Moonriver“ aus „Frühstück bei Tiffany“ sorgte noch einmal für ein bisschen Entspannung, bevor das Orchester am Ende zur Höchstform auflief. 

Johannes Skudlik hisste musikalisch die Piratenflagge und verlangte seinen Musikern – insbesondere den Streichern – beim bombastischen „Fluch der Karibik“ alles ab. Atemberaubende Tempi, Spiel mit Dynamik, abrupte Pausen, die Seeschlacht fand auf der Bühne statt. Das Publikum dankte mit anhaltendem Applaus, Bravo-Rufen und ließ das Orchester erst nach zwei Zugaben (darunter das „James Bond Thema“) schweren Herzens gehen. Doch nicht nur die Zuschauer profitierten von dem wunderbaren Abend, die Firma Rational wird sämtliche Einnahmen einem wohltätigen Zweck spenden, der noch bekannt gegeben wird.

Patricia Eckstein

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