Beethoven mit Schmelz

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Das Cello war eher das Begleitinstrument: Pianist Amadeus Wiesensee und Cellist Franz Lichten­stern glänzten beim Rathauskonzert mit Bach, Beethoven und Brahms.

Landsberg – Bach, Beethoven und Brahms: Pianist Amadeus Wiesensee und der Landsberger Cellist Franz Lichtenstern ließen die „drei großen Bs“ beim ersten Rathauskonzert im neuen Jahr erklingen. Das Cello sei bei diesem Konzert­abend eher als Begleitinstrument zu verstehen, erläuterte Lichtenstern. Zurecht: Das Streichinstrument hatte seinen großen Auftritt bei Beet­hovens Spätwerk. Ansonsten stand das virtuose Spiel des 22-jährigen Pianisten aus Würzburg im Vordergrund.

Beethovens zwölf Variationen über ein Thema aus Händels „Judas Maccabäus“ von 1796 machten den schönen aber un­spektakulären Anfang. Das variierte Thema, besser unter dem viel später entstandenen „Tochter Zion, freue dich“ bekannt, zeigte das gute Zusammenspiel der zwei Musiker – trotz Altersunterschied. „In der Musik begegnet man sich immer auf Augenhöhe, das Alter spielt da keine Rolle“, beteuerte der 20 Jahre jüngere Wiesensee. In dem Frühwerk Beethovens hat das Cello eindeutig nur eine begleitende Rolle. Dennoch, Beet­hoven „war einer der Ersten, der das begleitende Streichinstrument ernst genommen hat“, lobte Lichtenstern.

Mit der „Englischen Suite Nr. 6“, fast ein Jahrhundert vor Beet­hovens Werk entstanden, zeigte Wiesensee Virtuosität und Ausdruckskraft: Ein klarer und präziser Anschlag wurde Bachs Strenge gerecht, dennoch entging der Pianist der manchmal bei Bach auftretenden Eintönigkeit durch eine spielerische Interpretation dieses bei Pianisten so beliebten Musikstückes. Rasante Läufe mit gegenläufigen Rhythmen prägen die Suite, die wenigen lyrischen Takte dazwischen dienen nahezu als Anker fürs Ohr.

Das Werk vor der Pause hatte es in sich: Beethovens „Sonate für Klavier und Violoncello D-Dur op. 102“ rief bei der Uraufführung 1815 in Wien Befremden hervor. Sie sei unmöglich zu verstehen, das Thema zu kompliziert, die Form zu eigenwillig. „Es ist aber die einzige der sechs Cellosonaten Beet­hovens, die einen langsamen Satz hat“, schwärmt Lichten­stern. Dementsprechend „sang“ das Cello das Choral-Thema im Adagio, begleitet vom Klavier in tiefer Lage – die Romantik lässt grüßen. Insbesondere die Coda des Satzes lässt das Cello schwelgen. Doch Beethoven war kein Romantiker: Im abschließenden Allegro setzt er erst einmal banale Tonleitern gegen den „Schmelz“, bevor aberwitzige Rhythmusverschiebungen den Zuhörer aufwecken. Zwar war Beethoven bei der Komposition des Werkes schon taub, dennoch animierte ihn der Ton des Wiener Cellisten Joseph Linke dazu: Anhand des Bogenstriches konnte Beethoven „hören“, wie die Saiten klangen. Lichtenstern und Wiesensee boten in ihrer Interpretation einen Hörgenuss. Nur bei den leisen Cellotönen war die Saalproblematik bezüglich der Instrumentenstimmung zu hören: Das Cello war einen Tick zu tief.

"Kleine Schwester"

Nach der Pause ging es im gefälligen Klaviersolo mit Beet­hovens „kleiner Schwester der Mondscheinsonate“ weiter: Die Klaviersonate Es-Dur ist Nummer eins des Opus 27 – Nummer zwei ist die Berühmte. Abschließend brillierte Wiesensee mit Brahms „Variationen und Fuge über ein Thema von Händel“. Nicht nur nahm der Abend hier mit Händel seinen Anfang wieder auf, auch mischte das Werk die barocken Kompositionstechniken mit denen der Hochromantik – und bildete somit einen musikalisch zusammenfassenden Schluss. Brahms selber bezeichnete die 25 Variationen samt Aria aus Händels Suite in B-Dur und Fuge als sein Lieblingswerk, das er Clara Schumann widmete. Variiert werden hier nicht nur Melodien, sondern auch Harmonien und Rhythmen, und auch die Variationen selbst sind wieder Gegenstand neuer, steigernder Variationen: Brahms hielt an den alten Formen fest, kleidete sie jedoch in ein neues Gewand.

Das Publikum im vollbesetzten Rathaussaal applaudierte begeistert und lockte die Künstler noch zu zwei Zugaben: Brahms „Feldeinsamkeit“ im Duett und ein lyrisches Klaviersolo mit Bachs bekanntem Präludium aus dem „Wohltemperierten Klavier“.

Susanne Greiner

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