Kleiderschätze seit zehn Jahren

"Schatztruhe" Landsberg feiert Zehnjähriges 

Das ehrenamtliche Freitagsteam der „Schatztruhe“ (von links): Heidi Gattinger, Christine Johne, Eisa Hussein und eine Ehrenamtliche, die schon von Anfang an dabei ist: Anne Heilrath.

Landsberg – In Geltendorf gibt es eine seit einem Jahr. In Dießen seit fünf und in Kaufering seit neun Jahren. Die Mutter aller BRK-„Schatztruhen“ ist aber in Landsberg in der Katharinenstraße: Am 18. Juni 2009 öffnete der Laden seine Pforten. Und bietet seither Second-Hand-Kleider für Jedermann. Besonders für den kleinen Geldbeutel. Aber auch für „Schatzsucher“. Denn mit etwas Glück findet sich dort auch das ein oder andere Schmuckstück.

„Wie soll’s mit der Kleiderkammer weitergehen?“ Das sei die ausschlaggebende Frage vor über zehn Jahren gewesen, berichtet die stellvertretende Geschäftsführerin des BRK Landsberg Marianne Asam vom BRK. Die Kleiderkammer war damals die Einrichtung, die Bedürftigen Kleider für einen Euro anbot. „Das war wirklich eine Kammer“, erinnert sich Asam. In der Geschäftsstelle des BRK im Keller untergebracht. Immer donnerstags hatte sie geöffnet. Was dazu führte, dass die Leute, die dort auftauchten, schnell gebrandmarkt wurden: als die, die’s ‚nicht so dicke‘ haben. Und es wurden immer mehr Menschen, die sich ‚normale‘ Kleider nicht mehr leisten konnten. Die Kleiderkammer wurde zu klein. Etwas anderes musste her: ein größerer Laden, der öfter aufhatte. „ Und ein Laden mit EInkaufsatmo eines Second-Hand-Ladens“, sagt Asam. Das Konzept für die „Schatztruhe“ war geboren.

Die Suche nach einem Laden war nicht einfach. „Wir wollten etwas für die Laufkundschaft, gut erreichbar, zentral“ – Bedingungen, die der jetzige Standort zwischen Stadtverwaltung, Bahnhof, Jobcenter und Altstadt ideal erfülle. Der Mietvertrag wurde am ersten April geschlossen. Per Zeitung suchte man Freiwillige, denn das Geschäft, vorher ein kleiner Laden mit Lager, musste umgebaut und renoviert werden. „Eine Wand kam raus, eine andere wurde für die Umkleidekabinen eingezogen“, erinnert sich Asam. Nach gut zwei Monaten war alles fertig – „Dank der Ehrenamtlichen“, betont Asam.

Zu Beginn hatte die Schatztruhe mit 15 Ehrenamtlichen lediglich dreimal pro Woche offen. „Aber das Angebot wurde und wird so gut angenommen, dass wir jetzt jeden Tag in der Woche offen haben“, freut sich Asam. Entweder vor- oder nachmittags, zweimal pro Monat auch samstags. Aus den 15 sind inzwischen 46 Ehrenamtliche geworden. „Das ist inzwischen ein Selbstläufer“, freut sich Asam. „Wenn jemand geht, meldet sich immer jemand Neues.“ 2018 haben die Ehrenamtlichen in den vier Landkreis-„Schatztruhen“ 16.000 Stunden gearbeitet. Knapp die Hälfte davon in Landsberg.

Eine Herausforderung sei das Lagern der Kleider, betont Asam. „Die Landsberger haben schon immer viel gespendet. Und die Ware kommt ja azyklisch“ – also Winterklamotten im Hochsommer, Bikinis, wenn‘s draußen friert. Schon 2011 mietet das BRK einen zweiten Kellerraum, der war aber feucht. Die Lösung kam mit der Flüchtlingswelle, als die Spenden so anstiegen, dass die Bundeswehr dem BRK einen Raum in der Welfenkaserne zur Verfügung stellte. Platz, der bis Ende letzten Jahres genutzt werden konnte. Seither ist das Lager in der Ehrenpreisstraße und wird im Juli in die Geschäftsstelle des BRK umziehen.

Das Motto der Schatztruhen lautet: „Soziales Engagement und Nachhaltigkeit im Umgang mit Ressourcen“, sagt Asam. Dank der Arbeit der Ehrenamtlichen könne man die Kleider günstig anbieten. Zwar ein bisschen teurer als in der Kleiderkammer. Aber mit der Sozialkarte des Landkreises bekommt man 50 Prozent Rabatt. Ein T-Shirt gibt’s also immer noch für einen Euro. Der Gewinn aus dem Verkauf kommt auch der Öffentlichkeit zugute. Denn er fließt in die Ausbildung der Ehrenamtlichen.

Susanne Greiner

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