Neunte Produzentenausstellung in Dießen

"Das kleine Format": Qualität in der Nussschale

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Qualität und Vielfalt "in a Nutshell": Das kleine Format in Dießen punktet auch beim neunten Mal.
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Katharina Ranftls Astronauten wurden mit dem Jurypreis ausgezeichnet.
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Katharina Ranftl
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Franziska Ghirardo gewann den Publikumpreis. Links oben ihre "Arschbombe", die die Gemeinde Dießen kaufte.
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Qualität und Vielfalt "in a Nutshell": Das kleine Format in Dießen punktet auch beim neunten Mal.
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Qualität und Vielfalt "in a Nutshell": Das kleine Format in Dießen punktet auch beim neunten Mal.
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Petra Hermanns "kuhle Köpfe"
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Die Künstler

Dießen – Da steht man also im Louvre vor dem berühmtesten Lächeln der Welt. Und ist maßlos enttäuscht: so klein? Gerade mal 77 auf 53 Zentimeter misst die Mona Lisa. Obwohl das schon groß ist, betrachtet man die 40 x 40 Zentimeter, die sich „das kleine Format“ als Grenze setzt. Eine Grenze, die nicht in Stein gemeißelt ist. Denn Qualität und Größe bedingen sich nicht. Dass kleine Kunst Großes vermag, beweist „das kleine Format“ regelmäßig. Jetzt bereits zum neunten Mal. Und wieder in bester Qualität.

Ups, fast übersehen: An der Pfeilerwand kleben drei Minipodeste. Auf ihm tummeln sich Wasserliebhaber: zwei Fische, daneben ein Badender und rechts ein SUPler. Die Fische schwimmen im Plastikdeckel des Milch-Tetrapacks, der Badende hat etwa einen Zentimeter mehr zur Verfügung. Und der SUPler kann nahezu unendliche Weiten überblicken: den Deckel eines – kleinen – Marmeladenglases. Christiane Osanns Arbeiten – sie setzt Badende auch gerne in eine Nussschale – gehören dieses Jahr zum Kleinsten im „kleinen Format“. Oder besser: zu den Werken mit der geringsten Ausdehnung.

Daneben machen sich Monsterquader breit: Katharina Lehmann verschlingt Fäden zu Würfeln, die sich bis zur Decke auftürmen und den Raum öffnen. Trotz ihrer Größe wirken sie leicht: Sie sind nahezu transparent. Auch andere Skulpturen schwappen über die gesetzten Maße: Im hinteren Raum grüßen Dörthe Bäumers „Raumanzüge für innere Werte“ – die fünf kopflosen Menschen gleichen, innen hohl, aber farbig schimmernd. Janos Fischers Installation „von unten“ streckt Korallenarme in den Raum, „aus dem ganzen Plastikmüll, den man im Haus produziert“, beschreibt der Dießener Künstler.

Katharina Ranftl

Fischer ist nicht alleine mit dem Thema Umwelt, der Frage, was aus der Menschheit werden mag. Kinder, die im Wasser spielen, Bilder von ausgestorbenen Tieren. Katharina Ranftl stellt sich die Frage: „Wie sehen wir aus in 100 Jahren? Welche technischen Erneuerungen gibt es, eventuell tragen wir Implantate?“ Ihre Antwort: „Fashion for Astronauts“. Einerseits klare Zeichnungen. Jacken, aus denen schwarze Löcher zu wachsen scheinen. Ganzkörperanzüge, die wie Aluschalen die Körper einpacken. Sie dienen als Skizzen für Ranftls Holzfiguren. Die kannte man bisher als Montagsfirguren. Aber die Astronauten sind reifer, spannender. Ein bisschen unheimlich. Insektenähnliche Körperpanzer, facettenaugenartige Ausbuchtungen an einem – Helm? Oder doch im Kopf Integriert? Sie beschäftige sich viel mit Insekten, erzählt die Dießenerin, die seit vier Jahren an der Kunstakademie in München studiert. Eventuell beeinflusse das ihre Formfindung. Inspiriert habe sie vor allem die niederländische Modedesignerin Iris van Herpen: „Sie druckt alle ihre Kreationen mit dem 3D-Drucker.“ Weshalb gerne auch mal Glas, Acryl oder sonstiges über den Laufsteg schwebe. Ranftls Arbeit überzeugt, auch die vier Juroren des heuer zum ersten Mal ausgerufenen Jurypreises, gestiftet vom Landkreis Landsberg, sind überzeugt: Ranftl gewinnt die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung. Die 35-Jährige bedankte sich insbesondere beim Publikum: „Dank Ihnen kann ich inzwischen von meiner Kunst leben. Und das ist etwas Wunderschönes.“

Neben vielen Gemälden – zum Beispiel Nicole Marentholtz‘ realistische „Nocturne“-Motive, teilweise von historischen Fotos inspiriert, die dennoch wie Fabelwesen wirken – versuchen sich auch Fotografien an einem Bild der Wirklichkeit. Die natürlich immer im Auge des Fotografen liegt. Herausstechend hier Saskia Paveks Serie „Das Geheimnis der Jugend“. Fotos von jungen Menschen, unfertig – im positiven Sinne. Menschen die im Leben stehen und gleichzeitig wanken, schimmern. Mit der Frage auf den Lippen: „Wer will ich sein?“

Franziska Ghirardo gewann den Publikumpreis. Links oben ihre "Arschbombe", die die Gemeinde Dießen kaufte.

Ab und zu linst ein Grinsen aus den Werken. Da sind Petra Hermanns „kuhle Köpfe“: Warum immer der Mensch? Das Rindvieh eignet sich prächtig als Porträtvorlage. Eva Urbank malt „Wandkleider“ und „Wandhosen“, zwischen die sich auch mal ein Paar Beine mischt. Und Dirk Eckert versieht konservative Trachtler mit quietschrosa Kaugummi, „dem Revoluzzerding der 70er“, wie er findet. Neben seinen Zeichnungen glubscht eine Froschskulptur – in Lederhosen. Titel: „Der Zuagroaste“. Letztendlich zeigt auch die Gemeinde Dießen Humor: Der Publikumspreis geht an Franziska Ghirardos Bronzeminiatur-Figuren. Von denen die Gemeinde letztendlich die „Arschbombe“ ankauft.

Zur Vernissage erinnert Grünenabgeordnete des Landtags Gabriele Triebel an die ältere Dame, die jahrelang ein Bildchen in ihrer Küche hängen hatte. Die Maße: 25,8 x 20,3 Zentimeter, irgend so eine Ikone, war sie überzeugt. Als sie es loswerden wollte, stellte sich heraus, dass es ein Christusbild des Florentiner Vorrenaissance-Malers Cimabue war. Von dem es weltweit nur elf Werke gibt. Jeder Besucher, so Triebel, solle deshalb auch ein kleines Format kaufen. In die Küche hängen. Und so den Nachkommen eine Freude machen. Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch empfiehlt, das Hängen nicht nur auf die Küche zu beschränken. Und Landrat Thomas Eichinger betont den Wert, den Kunst weit über das Finanzielle hinaus hat.

Kuratorin und Organisatorin Annunciata Foresti sieht in der Kunst Geschichten, die Künstler sammeln. „Und Geschichten machen ein gutes Gefühl. Deshalb erwerben Sie ein Werk. Und nehmen Sie ein gutes Gefühl mit nachhause.“

Die Ausstellung ist noch bis zum 3. November in Dießen im Blauen Haus zu sehen. Geöffnet ist immer freitags, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr.
Susanne Greiner

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